Ti­mo Bern­hard zählt

Der frü­he­re Le Mans-Sie­ger und Langstre­cken-Welt­meis­ter Ti­mo Bern­hard ist ne­ben sei­nen Ein­sät­zen im Le Mans-Pro­to­ty­pen auch als Te­am­chef ak­tiv: Bern­hard setzt in die­ser Sai­son zwei Por­sche 911 GT3 R im ADAC Mas­ters ein

AUTO ZEITUNG - - IN­HALT - Gre­gor Mes­ser

zu den er­folg­reichs­ten Langstre­cken­pi­lo­ten der Welt. Sein Na­me ist un­trenn­bar mit der Mar­ke Por­sche ver­bun­den – Por­trait

Was Ti­mo Bern­hard auch an­packt, er macht es rich­tig. Mit Por­sche ist der ehe­ma­li­ge Le Mans-Sie­ger (2010 auf Au­di) in der Langstre­cken-WM mit ei­nem stram­men Pen­sum im 919 Hy­brid ak­tiv. Acht Läu­fe wer­den ab­sol­viert, der­zeit steht die Vor­be­rei­tung auf die 24 St­un­den von Le Mans Mit­te Ju­ni wie­der im Vor­der­grund. Ein 30-St­un­den-Test folgt dem an­de­ren. Dann ist da noch die Fa­mi­lie: Ehe­frau Kat­ha­ri­na ar­bei­tet als Kin­der­ärz­tin, auf die bei­den Söh­ne Paul (3) und Ben (1) pas­sen manch­mal die Groß­el­tern auf. Und Bern­hard hat noch ei­nen wei­te­ren Ak­tiv­pos­ten zu be­treu­en – da sind auch die ei­ge­nen El­tern stark ge­for­dert: sein ei­ge­nes Renn­team. Das „Team 75“wur­de 2010 ge­grün­det. „So rich­tig ein­ge­stie­gen sind wir dann 2011“, sagt Bern­hard. Aber nicht et­wa auf der Rund­stre­cke – nein, im Ral­lye­sport en­ga­gier­te sich der Herz­blut-Mo­tor­sport­ler. Bei zehn Starts bei der Deut­schen Ral­lye-Meis­ter­schaft zwi­schen 2011 und 2013 hol­te der uni­ver­sel­le Bern­hard zwei Ge­samt­sie­ge. Die Jah­res­zahl trägt das Team im Na­men, weil Ti­mos Va­ter Rü­di­ger 1975 den Mo­tor­sport für sich als ak­ti­ves Hob­by ent­deck­te. Mit ei­nem Sim­ca Ral­lye II fing für den Se­ni­or al­les an, bei Berg­ren­nen im Um­land star­te­te er zum Bei­spiel auch ge­gen den Va­ter von Se­bas­ti­an Vet­tel.

Seit 20 Jah­ren Pro­fi

„Mo­tor­sport wur­de mir schon in die Wie­ge ge­legt“, be­tont der Ju­ni­or, „aber dass ich ihn über­haupt aus­üben konn­te, ver­dan­ke ich nur mei­nen El­tern.“Ne­ben Va­ter Rü­di­ger mischt auch Mut­ter Scho­las­ti­ka voll mit. Sie küm­mert sich um or­ga­ni­sa­to­ri­sche Be­lan­ge. Ti­mo Bern­hard hat vie­le schö­ne Er­in­ne­run­gen: die Jah­re im Kart­sport, der Auf­stieg in die For­mel Ford, das star­ke fa­mi­liä­re Ge­fü­ge, bis ihn schließ­lich

Por­sche ent­deck­te. Die Sport­wa­gen-Ma­nu­fak­tur för­der­te den 36-Jäh­ri­gen aus Bruch­mühl­bach-Mie­sau in der Süd­pfalz im ei­ge­nen Ju­ni­or-Team kon­se­quent. „Seit 20 Jah­ren bin ich nun Pro­fi“, sagt Bern­hard, „19 Jah­re da­von fah­re ich für und mit Por­sche.“Bern­hard be­zeich­net sich als loya­len Men­schen. Da wun­dert es nie­man­den, dass er ge­ra­de mit Por­sche sein Team auf­ge­baut hat. Mit zwei 911 GT3 R be­strei­tet er in die­ser Sai­son das ADAC GT Mas­ters, die pres­ti­ge­träch­tigs­te na­tio­na­le GT3-Se­rie welt­weit. Im Vor­jahr war Team 75 hier mit nur ei­nem Au­to am Start. Da­für wur­de das En­ga­ge­ment im Car­re­ra Cup wie­der ge­stoppt. Die Mar­ken­po­kal-Se­rie war für Team 75 der idea­le Ein­stieg in den Rund­stre­cken­sport: „Ei­ne au­then­ti­sche Se­rie mit ei­nem sehr wert­sta­bi­len Au­to“, sagt Bern­hard. Klar, die Nä­he zu Por­sche half. Doch an­sons­ten zahl­ten die Bern­hards viel Lehr­geld.

„2013 war der Knack­punkt für un­ser Team, un­ser ers­tes Jahr war sehr be­schei­den. Wir wa­ren kein rich­ti­ges Team, je­der hat nur sich im Blick ge­habt“, ur­teilt er über sei­ne ers­ten frei be­schäf­tig­ten Mit­ar­bei­ter. Aber we­nigs­tens war der Ein­stieg ge­macht. „Mir war im­mer wich­tig, ei­nen sau­be­ren Auf­stieg hin­zu­le­gen“, sagt Bern­hard. Schließ­lich trans­por­tiert Team 75 wah­re Wer­te. „Wir ste­hen für ehr­li­ches, har­tes Fa­mi­li­en-Ra­c­ing“, sieht sich der mo­tor­sport­li­che Jung­un­ter­neh­mer po­si­tio­niert. Ab der Sai­son 2014 ka­men dann die Er­fol­ge. Vom un­ver­brauch­ten, en­thu­si­as­ti­schen und ei­gen­ver­ant­wort­lich han­deln­den Mecha­ni­ker bis zum Top-Pi­lo­ten – der spä­te­re Le Mans-Sie­ger Earl Bam­ber wur­de ver­pflich­tet und hol­te zwei Sie­ge – sorg­ten al­le Te­am­mit­glie­der für ei­nen ra­san­ten Auf­stieg des Team 75 in der Car­re­ra-Cup-Gil­de. Par­al­lel voll­zog sich der Auf­bau des Por­sche-LMP1-Werks­teams, in den Bern­hard in­ten­siv ein­ge­bun­den war: „Das woll­te ich von Be­ginn an mit auf­bau­en.“Vie­les, was Bern­hard dort sah und er­leb­te, konn­te er für sein Team eben­so um­set­zen. „Ich ha­be da­bei sehr viel ge­lernt. Denn es öff­ne­te mir den Blick für das, was in ei­nem Team wirk­lich wich­tig ist – und was nicht.“Der Auf­bau des ei­ge­nen Teams in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren hat ihn auch zu ei­nem bes­se­ren Renn­fah­rer er­zo­gen, da­von ist Bern­hard über­zeugt. „Es geht nicht nur um die ei­ge­ne Run­den­zeit, die ich über 20 Jah­re lang im Vi­sier hat­te. Son­dern auch dar­um, wel­che Strahl­kraft man als Fah­rer auf sei­ne Mann­schaft hat. Zum Bei­spiel wenn man in Le Mans nachts um 3.00 Uhr ei­nen De­fekt er­lei­det, hoff­nungs­los zu­rück- fällt – und dann die ei­ge­nen Jungs wei­ter mo­ti­vie­ren muss. Egal wie.“Der Fa­mi­li­en-Renn­stall ist in ei­nem In­dus­trie­ge­biet in Land­stuhl an­ge­sie­delt. Ne­ben der be­reits exis­tie­ren­den, 300 Qua­drat­me­ter gro­ßen Hal­le, in der ein Cup-Car­re­ra für die Langstre­cken-Meis­ter­schaft auf dem Nür­burg­ring so­wie ein Cay­man für Ral­lye-Ein­sät­ze vor­be­rei­tet wer­den, wur­de ei­ne zwei­te Hal­le mit 200 Qua­drat­me­ter Nutz­flä­che neu ge­baut. Dort wer­den auch die GT3-Neu­nel­fer ge­war­tet. Neu ist zu­dem ein zwei­ter Auf­lie­ger samt Zug­ma­schi­ne. Ne­ben den El­tern be­schäf­tigt Bern­hard vier fes­te Mit­ar­bei­ter. Zu den Ren­nen kom­men noch Fre­e­lan­cer, et­wa Ren­nin­ge­nieu­re, hin­zu. Mit dem „360-Grad-Blick“, den er nun auf sei­ne Trup­pe hat, be­trach­tet er das Team 75 mit lang­fris­ti­ger Per­spek­ti­ve. „Ein Werks-En­ga­ge­ment, das wä­re das Ziel“, hofft Bern­hard „aber so weit sind wir noch nicht. Wir se­hen das sehr rea­lis­tisch.“Seit 2015 zählt auch Ex-Pro­fi Klaus Graf als Te­am­ma­na­ger zur Mann­schaft. Der sagt: „Un­ser Wachs­tum war enorm. Aber wir den­ken lie­ber zwei­mal zu viel als ein­mal zu we­nig über die nächs­ten Schrit­te.“Am Steu­er des Le Mans-Por­sche wird man Bern­hard noch lan­ge er­le­ben. Er hat den Speed, das tech­ni­sche Wis­sen für die kom­pli­zier­te Hy­brid-Tech­no­lo­gie, in ihm lo­dert das Feu­er des Sie­ges­wil­lens. „Und ich weiß, wie ich mich per­fekt vor­zu­be­rei­ten ha­be“, sagt er zu sei­nem um­fang­rei­chen Fit­ness-Pro­gramm. „Na­tür­lich bin ich in zehn Jah­ren wei­ter­hin im Mo­tor­sport. Aber viel­leicht nicht mehr als Fah­rer. Doch so­lan­ge ich das Feu­er noch in mir spü­re, wer­de ich wei­ter­fah­ren.“

Por­sche und Le Mans ge­hö­ren zu­sam­men. Ein Sieg im 919 wä­re für Bern­hard die ganz gro­ße Kro­ne

Neu­er LMP1-Por­sche: Im 919 Hy­brid will Bern­hard mit Earl Bam­ber und Bren­don Hart­ley auch in Le Mans tri­um­phie­ren Das Ge­fühl der frü­hen Sie­ge: 1994 bei der Ju­nio­ren-Bun­des­Meis­ter­schaft

Ju­beln­de Langstre­cken-Welt­meis­ter 2015: Bern­hard mit Mark Web­ber (l.) und Bren­don Hart­ley (M.)

„Pu­rer Stolz“: Als Zwei­jäh­ri­ger im NSUB­rix­ner Berg-Spy­der des Va­ters

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