Leicht­bau Die

Drei Mo­na­te vor dem of­fi­zi­el­len Start­schuss ge­währt Au­di ei­nen Blick auf die Roh­ka­ros­se­rie des neu­en A8. Die Über­ra­schung: we­ni­ger Alu, viel Stahl, et­was Kar­bon und ein Ma­g­ne­si­um-Teil

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Holger Ip­pen

Roh­ka­ros­se­rie des neu­en Au­di A8 be­steht aus ei­nem cle­ve­ren aus­ge­wähl­ten Ma­te­ri­al­mix

Bei Au­di hat ein Um­den­ken ein­ge­setzt. Dem einst so hoch­ge­lob­ten Au­di Space Fra­meKon­zept (ASF), al­so Ka­ros­se­ri­en, die kom­plett aus Alu­mi­ni­um be­ste­hen wie der A2 und die ers­ten A8- Ge­ne­ra­tio­nen, keh­ren die Tech­ni­ker den Rü­cken. Statt der Kon­zen­tra­ti­on auf ein ein­zi­ges, wenn auch be­son­ders leich­tes Ma­te­ri­al steht bei der neu­en Stra­te­gie der fle­xi­ble und in­tel­li­gen­te Ein­satz ver­schie­dens­ter Werk­stof­fe im Mit­tel­punkt. Bernd Mle­kusch, Lei­ter des Au­di Leicht­bau­zen­trums in Neckar­sulm, bringt den neu­en Kon­struk­ti­ons­an­satz auf den Punkt: „Stets das rich­ti­ge Ma­te­ri­al in der rich­ti­gen Men­ge an der rich­ti­gen Stel­le.“Im Kl­ar­text: Au­di baut die Roh­ka­ros­se­rie sei­nes neu­en Lu­xus­li­ners A8 aus ins­ge­samt vier Werk­stof­fen.

Der Ma­te­ri­al­mix macht’s

Statt­li­che 40 Pro­zent der neu­en Ka­ros­se­rie be­ste­hen künf­tig aus Stahl. Nur noch et­was mehr als die Hälf­te, näm­lich 58 Pro­zent, ent­fal­len da­ge­gen auf Alu­mi­ni­um-Tei­le: 32 Pro­zent Alu-Ble­che, 19,5 Pro­zent Alu-Guss und 6,5 Pro­zent Alu-Pro­fi­le. Deut­lich schwe­rer als bis­her, aber auch bie­ge­stei­fer sind die Par­ti­en aus her­kömm­li­chem Stahl im Dach, in den Säu­len und am Vor­der­wa­gen (24 Pro­zent). A- und B-Säu­len, Sei­ten­schwel­ler so­wie der Dach­kan­ten­lauf be­ste­hen aus so­ge­nann­tem höchst­fes­ten Stahl (16,5 Pro­zent). „Das ist nö­tig, um Fes­tig­keits­nach­tei­le, die ei­ne Alu-Kon­struk­ti­on mit sich bräch­te, aus­zu­mer­zen“, er­klärt Mle­kusch. Al­ler­dings schlägt das deut­lich aufs Ge­wicht: Die Roh­ka­ros­se­rie des neu­en Au­di A8 wird mit 282 kg 50 kg schwe­rer sein als die des Vor­gän­gers. Deut­li­che Vor­tei­le hat der neue Ma­te­ri­al­mix da­ge­gen für die Tor­si­ons­stei­fig­keit – ei­ne Grö­ße, die sich beim Fahr­kom­fort und vor al­lem bei dy­na­mi­scher Gang- art be­merk­bar macht. Die­se soll nach Aus­sa­gen der Tech­ni­ker so­gar um ein Vier­tel hö­her sein als beim ak­tu­el­len A8. Ei­nen An­teil dar­an hat ein in die Ka­ros­se­rie ein­ge­kleb­tes und ver­nie­te­tes Kar­bonBau­teil, das im Be­reich der Rück­sitz­bank und der Hu­t­ab­la­ge für viel Sta­bi­li­tät sorgt. Im Vor­der­wa­gen stützt da­ge­gen ei­ne Dom­stre­be aus Ma­g­ne­si­um die Fe­der­beinAuf­nah­men aus Alu-Druck­guss ge­gen­ein­an­der ab. Das sorgt für zu­sätz­li­che Sta­bi­li­tät im vor­de­ren Ka­ros­se­rie­be­reich. Die Be­son­der­heit: Ma­g­ne­si­um wiegt et­wa 25 Pro­zent we­ni­ger als Alu. Un­kon­ven­tio­nel­le Ma­te­ria­li­en und der Mix ver­schie­dens­ter Kom­po­nen­ten er­for­dern je­doch spe­zi­el­le Fü­ge­tech­ni­ken – her­kömm­li­ches Schwei­ßen oder üb­li­che Ver­schrau­bun­gen sind hier oft un­taug­lich. Im Au­di-Leicht­bau­zen­trum Neckar­sulm ent­stan­den so neue, ganz un­ter­schied­li­che Ver­bin­dungs­tech­ni­ken. Je nach Ma­te­ri­al-Paa­rung und An­wen­dungs­ort kom­men beim neu­en A8 bis zu 14 ver­schie­de­ne Fü­ge­tech­ni­ken zum Ein­satz. Nur so kön­nen die ho­hen Fes­tig­keits­an­for­de­run­gen er­füllt und ei­ne Kon­takt­kor­ro­si­on bei di­rek­ter Be­rüh­rung un­ter­schied­li­cher Me­tal­le ver­mie­den wer­den.

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