Mo­to­ren-Trend Künf­ti­ge Ben­zin-, Die­sel- und Gas-An­trie­be sind mehr als nur Brü­cken­tech­nik zur E-Mo­bi­li­tät

Mehr als 1000 Mo­to­ren­ex­per­ten und Spit­zen­ma­na­ger der Au­to­bran­che dis­ku­tier­ten auf dem Wie­ner Mo­to­ren­sym­po­si­um über künf­ti­ge An­trie­be. Die High­lights

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Hol­ger Ip­pen

VW Erd­gas-Mo­tor

VW setzt ne­ben der Elek­tri­fi­zie­rung auf den ver­stärk­ten Ein­satz von bi­va­len­ten Erd­gas­mo­to­ren. Ein neu­es, in Wi­en vor­ge­stell­tes Drei­zy­lin­derTur­bo­trieb­werk mit 1,0 Li­ter Hu­b­raum und 90 PS kann so­wohl mit Ben­zin als auch mit Erd­gas (CNG) be­trie­ben wer­den. Der emis­si­ons­ar­me 1.0 TGI soll künf­tig Klein­wa­gen der Kon­zern­mar­ken VW, Seat und Sko­da spar­sam so­wie preis­güns­tig an­trei­ben. Um den Kat schnell auf Be­triebs­tem­pe­ra­tur zu brin­gen, wer­den beim Warm­lau­fen zwei Zy­lin­der mit fet­tem und ei­ner mit ma­ge­rem Ge­misch be­feu­ert.

Au­di CNG-Platt­form

Auch Au­di setzt ver­stärkt auf den CNG-Be­trieb (Erd­gas) und hat den g-tron wei­ter­ent­wi­ckelt. 170 PS, ein ma­xi­ma­les Dreh­mo­ment von 270 Nm und 500 km CNG-Reich­wei­te sind für A4 Avant 2.0 g-tron und A5 Sport­back 2.0 g-tron vor­ge­se­hen. Das Herz­stück der neu­en CNG-Stra­te­gie ist je­doch ei­ne neue CNG-Platt­form, die künf­tig bis zu vier Gas­druck­tanks aus fa­ser­ver­stärk­tem Kunst­stoff auf­nimmt.

Con­ti­nen­tal Be­heiz­ter Par­ti­kel­fil­ter

Zur Emis­si­ons­min­de­rung wird ein mo­tor­na­her, elek­trisch be­heiz­ba­rer Ka­ta­ly­sa­tor (EMICAT) ein­ge­setzt. Mit ei­ner kurz­zei­tig an­lie­gen­den Leis­tung von bis zu drei Ki­lo­watt bringt er den da­hin­ter­lie­gen­den SCR-Ka­ta­ly­sa­tor – un­ab­hän­gig von der Mo­tor­tem­pe­ra­tur – be­reits nach kur­zer Zeit auf Be­triebs­tem­pe­ra­tur, um mit der Stick­oxid-Rei­ni­gung zu star­ten.

Scha­eff­ler Ja­gu­ar-Zy­lin­der­kopf

Die neue UniAir-Ge­ne­ra­ti­on soll Fahr­zeu­ge der Ober­klas­se spar­sam und emis­si­ons­arm ma­chen. Mit zwei hy­drau­li­schen No­cken­wel­len­ver­stel­lern wird sie in den neu­en In­ge­ni­um-Vier­zy­lin­derBen­zi­nern von Ja­gu­ar ein­ge­setzt und er­mög­licht ei­nen spon­ta­nen Dreh­mo­men­t­auf­bau so­wie ein vi­bra­ti­ons­ar­mes Ab­schal­ten und blitz­schnel­les Star­ten bei ak­ti­vier­tem Start-Stopp-Mo­dus.

Scha­eff­ler Kur­bel­wel­len­frei­lauf

Das kom­pak­te Bau­teil an der Kur­bel­wel­le er­mög­licht wahl­wei­se ei­nen Kalt-, Kom­fort- oder Hoch­dreh­zahl­start des Mo­tors oh­ne üb­li­che Rit­zelTech­nik und ar­bei­tet da­mit be­son­ders lei­se. Der elek­tri­sche Star­ter ist via Zahn­rie­men an­ge­bun­den und kann bei je­der Dreh­zahl ak­ti­viert wer­den. Er ist va­ria­bel und platz­spa­rend un­ter­ge­bracht, ei­ne auf­wän­di­ge Ge­trie­be­glo­cken­an­pas­sung ent­fällt.

Del­phi Tu­la-Zy­lin­der­ab­schal­tung

Mit Dy­na­mic Skip Fi­re (DSF) prä­sen­tie­ren Del­phi und ein Start-up aus dem Si­li­con Val­ley ei­ne Re­gel­stra­te­gie, die das voll­va­ria­ble Ab­schal­ten je­des ein­zel­nen Zy­lin­ders er­mög­licht. Das soll zehn Pro­zent Sprit ein­spa­ren. Der Vor­gang läuft für die In­sas­sen un­be­merkt ab, wie wir bei ei­ner Pro­be­fahrt be­reits „er­fah­ren“konn­ten.

Der Trend ist klar: Künf­ti­ge An­triebs­lö­sun­gen müs­sen we­ni­ger Schad­stof­fe emit­tie­ren. Die­se Kampf­an­sa­ge gilt so­wohl dem Kli­ma­gas CO2 und den Stick­oxi­den als auch den Feinst­par­ti­keln – und zwar nicht nur auf dem Rol­len-Prüf­stand, son­dern im rea­len All­tags­ver­kehr. Un­ter den Ent­wick­lern herrscht Ei­nig­keit: E-An­trie­be müs­sen sein, doch oh­ne Ver­bren­nungs­mo­tor geht es in ab­seh­ba­rer Zeit nicht. Laut Stu­di­en zum Bei­spiel von AVL, FEV Con­sul­ting, Zu­lie­fe­rer Mah­le und Hoch­schu­len wer­den bis 2030 in 80 bis 90 Pro­zent al­ler Neu­fahr­zeu­ge Ver­bren­nungs­mo­to­ren in Form von Mild-, Voll- und Plug-in-Hy­bri­den ar­bei­ten. Des­halb gilt es, die Ver­bren­ner (Ben­zi­ner/Die­sel) wei­ter zu per­fek­tio­nie­ren. Die Sum­me vie­ler in Wi­en vor­ge­stell­ter De­tail­lö­sun­gen zeigt, dass hier noch ein rie­si­ges Po­ten­zi­al be­reit­steht. Da­zu zäh­len die Was­ser­ein­sprit­zung, ein op­ti­mier­tes Ther­mo­ma­nage­ment, syn­the­ti­sche Kraft­stof­fe, va­ria­ble Ver­dich­tun­gen so­wie die 48-Volt-Tech­nik für Mo­tor­start, An­fah­ren, Re­ku­pe­ra­ti­on, Ran­gier­ver­kehr und den An­trieb der Hilfs­ag­gre­ga­te. Im­mer wich­ti­ger wird die Ge­s­amt-Öko-Bi­lanz für Pro­duk­ti­on, Be­trieb und Re­cy­cling ei­nes Fahr­zeugs. Mah­le-Chef Wolf-Hen­ning Schei­der rech­net vor: „Der Ver­bren­ner fährt die ers­ten vier Jah­re mit ei­ner deut­lich güns­ti­ge­ren CO2-Bi­lanz als ein Elek­tro-Au­to bei deut­schem Strom­mix. Ein Au­to mit Erd­gas-Mo­tor (CNG) kann so­gar acht Jah­re lang emis­si­ons­är­mer fah­ren. Das ent­spricht fast ei­nem Au­to­le­ben.“Grund: Beim CNG-Be­trieb, al­so beim Ver­bren­nen von Methan­gas, ent­ste­hen 25 Pro­zent we­ni­ger CO2, kei­ne Par­ti­kel und nur we­nig Stick­oxid. Der Au­to­käu­fer hat zu­dem ei­nen mo­ne­tä­ren Vor­teil: Wäh­rend et­wa ein VW Up EcoFu­el (CNG) nur 1650 Eu­ro mehr als ein Ben­zi­ner kos­tet, sind für ei­nen e-Up (Elek­tro) statt­li­che 15.600 Eu­ro mehr zu zah­len (exkl. För­de­rung). So lohnt sich CNG dop­pelt, nutzt der Um­welt und schont die Haus­halts­kas­se. VW nimmt sol­che Über­le­gun­gen als An­lass, mit ei­nem at­trak­ti­ven TGI-Mo­del­l­an­ge­bot zu re­agie­ren und den Aus­bau des CNG-Tank­stel­len­net­zes von der­zeit 900 auf 2000 zu för­dern. Künf­tig sol­len im VW-Kon­zern mit vier ga­s­op­ti­mier­ten Mo­to­ren (1,0/1,4/1,5/2,0 Li­ter Hu­b­raum) zwölf CNG-Mo­del­le bei Au­di, Seat, Sko­da und VW in vier Fahr­zeug­klas­sen an­ge­bo­ten wer­den. Be­son­ders in­ter­es­sant scheint zu­dem das e-Gas Kon­zept, bei dem aus re­ge­ne­ra­ti­vem Über­schuss­strom kom­pri­mier­tes Methan­gas (CNG) syn­the­tisch her­ge­stellt wird. Hier se­hen Au­di und VW ei­nen Bei­trag zur Ener­gie­wen­de.

Der An­las­ser des Mo­tors wan­dert dank des kom­pak­ten Frei­laufs von der Ge­trie­be­auf die Steu­er­ket­ten­sei­te

Das Ab­schal­ten ein­zel­ner Ven­ti­le ge­schieht über ei­nen He­bel­arm (gelb), der von ei­nem Sperr­stift in un­ter­schied­li­cher Po­si­ti­on ge­hal­ten wird Zy­lin­der ab­ge­schal­tet

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