24h-Vor­schau Die­se Her­stel­ler fah­ren um den Sieg

Zum 45. Mal wird das 24-St­un­den-Ren­nen auf dem Nür­burg­ring aus­ge­tra­gen. Fünf Her­stel­ler und 161 Teams kämp­fen um Klas­sen­und Ge­samt­sieg. Sel­ten war ei­ne Sie­gerPro­gno­se so schwie­rig wie in die­sem Jahr

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Gre­gor Mes­ser

ull-Feh­ler-Job – das ist das At­tri­but, das heut­zu­ta­ge nicht mehr nur den Er­fol­gen bei Sprint-Ver­an­stal­tun­gen wie der For­mel 1 an­haf­tet, son­dern seit Jah­ren auch den Tri­um­phen bei Langstre­cken-Klas­si­kern à la Le Mans, Se­bring und Day­to­na. Und na­tür­lich Nür­burg­ring. Hier si­cher­lich so­gar noch et­was mehr als an­ders­wo: Zu vie­le Fak­to­ren las­sen Un­wäg­bar­kei­ten und Ri­si­ko viel schwie­ri­ger kal­ku­lie­ren: et­wa die sa­gen­haf­te, al­les for­dern­de, ex­trem schwer zu fah­ren­de Nord­schlei­fe. Dann ist da noch das Wet­ter: 2016 muss­te das Ren­nen in der An­fangs­pha­se nach ei­nem Jahr­hun­dert-Ha­gel­schau­er un­ter­bro­chen wer­den. Was wird Pe­trus in die­sem Jahr in pet­to ha­ben? Und schließ­lich das Start­feld: Über 150 Au­tos in 21 Klas­sen und drei Start­grup­pen neh­men die 45. Aus­ga­be des Ei­felMa­ra­thons un­ter die Rä­der. Am Vo­lant: Voll­pro­fis, er­fah­re­ne Nord­schlei­fen-Spe­zia­lis­ten und nicht sel­ten über­for­der­te Ama­teu­re, ganz gleich ob in ei­nem GT3-Bom­ber oder in ei­nem se­ri­en­na­hen Zwei­li­ter-Tou­ren­wa­gen. Es ist un­mög­lich, sich auf nur ei­nen Sieg­kan­di­da­ten fest­zu­le­gen. Au­di, Mer­ce­des, Por­sche, Bent­ley und BMW schi­cken werks­un­ter­stütz­te Teams ins Ren­nen. Da­zu kom­men exo­ti­sche Au­ßen­sei­ter wie Fer­ra­ri, Lam­bor­ghi­ni oder die bei­den wun­der­ba­ren SCG 003C des US-Mil­lio­närs Ja­mes Gli­cken­haus. Rund 30 Au­tos dür­fen Sieg­chan­cen zu­ge­rech­net wer­den. Doch wer ist der Fa­vo­rit? „Un­mög­lich zu sa­gen“, meint Ma­ro En­gel und schüt­telt mit dem Kopf. Der Mer­ce­des-Pi­lot ent­riss im ver­gan­ge­nen Jahr mit ei­nem bri­san­ten Ma­nö­ver sei­nem Mar­ken­kol­le­gen Chris­ti­an Ho­hen­adel den Sieg – und dies in der letz­ten Run­de. „Der Le­vel ist un­heim­lich hoch“, er­gänzt En­gel. Zu­ver­sicht­li­cher klingt Por­sche Werks­fah­rer Jörg Berg­meis­ter: „Por­sche kommt mit neun Werks­fah­rern plus zwei Werks­ju­nio­ren an den Ring. Wir ha­ben star­ke Teams von Man­they, Fal­ken und Fri­ka­del­li am Start.“Und über­haupt, ein Sieg beim Langstre­cken­klas­si­ker ist für ihn jetzt end­lich mal fäl­lig: „Ich bin hier oben schon so lan­ge da­bei. Mei­ne ers­ten Nord­schlei­fen-Run­den ha­be ich ab­sol­viert, da war mei­ne Mut­ter schwan­ger mit mir.“Auch Au­di-Fah­rer Pier­re Kaf­fer hält nichts vom Tief­sta­peln. „Hier sind vie­le Teams sieg­ver­däch­tig. Ei­ni­ge da­von kann man durch­aus als Kan­di­da­ten her­aus­pi­cken. Aber uns soll­te man auf der Rech­nung ha­ben“, be­tont der stets lus­ti­ge Ei­fela­ner aus­ge­spro­chen ernst. BMW ist schwie­rig ein­zu­schät­zen. „Der M6 war im ver­gan­ge­nen Jahr das schnells­te Au­to im Feld“, sagt Tech­nik-Hü­ter Nor­bert Krey­er, der

Bei den drei Vor­be­rei­tungs­ren­nen hat sich die Kon­kur­renz nur be­lau­ert und tief­ge­sta­pelt

aus hun­der­ten von Pa­ra­me­tern wie­der ei­ne zu­ver­läs­si­ge Ba­lan­ce of Per­for­mance (BoP) ge­strickt hat. Aber nur ei­ni­ge der ins­ge­samt sechs werks­un­ter­stütz­ten M6 sind mit er­fah­re­nen Pi­lo­ten-Cr­ews be­setzt. „Ich ha­be hier viel zu ler­nen“, un­ter­streicht denn auch Ex-DTMCham­pi­on Bru­no Speng­ler, der frei­lich mehr Nord­schlei­fen-Er­fah­rung auf­wei­sen kann als et­wa sei­ne neu­en Mar­ken­kol­le­gen Alex Lynn, Tom Ons­low-Cole oder Ku­no Witt­mer, die an­ders­wo zwar Fron­trun­ner sein mö­gen, aber im Kur­ven­la­by­rinth der Hoch­ei­fel als to­ta­le No­bo­dys mit Skep­sis ver­folgt wer­den. Bent­ley hat in letz­ter Se­kun­de ei­nen drit­ten Con­ti­nen­tal GT3 ge­nannt. „Abt Sports­li­ne hat mit dem Au­to schon sehr viel Er­fah­rung“, lobt Chris­ti­an Ma­me­row sein Ein­satz­team und hofft auf ein Top-Re­sul­tat. Tat­säch­lich er­wies sich der bul­li­ge Bo­li­de in den Vor­be­rei­tungs­ren­nen als kon­kur­renz­fä­hig. Was die Ri­va­len frei­lich be­män­geln: Die BoP- Ma­cher ha­ben nach den bei­den ers­ten Ren­nen zur VLN die Mer­ce­des mit ei­nem mi­ni­mal grö­ße­ren Luft­men­gen­be­gren­zer be­dacht. Die 0,4 Mil­li­me­ter grö­ße­re Öff­nung sorgt für nei­di­sches Stau­nen bei der Kon­kur­renz, ist der Daim­ler doch nun wie­der auf dem glei­chen BoP-Stand wie im ver­gan­ge­nen Jahr, als fünf der AMG GT3 un­ter den ers­ten sechs lan­de­ten. In­so­fern fürch­ten die Fah­rer an­de­rer Her­stel­ler, dass Mer­ce­des auch in die­sem Jahr wie­der do­mi­nie­ren könn­te. Wer auch im­mer am En­de die Na­se vorn ha­ben wird, es wird ein ge­fei­er­ter Ge­win­ner sein. Vor­jah­res­sie­ger Ma­ro En­gel: „Für mich sind die 24 St­un­den Nür­burg­ring das här­tes­te Ren­nen der Welt. Man muss den Rhyth­mus fin­den, die Ba­lan­ce zwi­schen schnell fah­ren und Ri­si­ko kal­ku­lie­ren. Es ist das Ren­nen, das am schwie­rigs­ten zu ge­win­nen ist.“Wie ge­sagt: Hier ist der Null-Feh­ler-Job ge­fragt.

Im 161 Bo­li­den star­ken Star­ter

feld do­mi­niert die schnel­le GT3- Ka­te­go­rie mit 30 Teams

Pu­bli­kums­lieb­ling Der Opel Man­ta von Kiss­ling Motorsport mit Beck­mann/Hass/Strycek/Schul­ten fährt in der stark be­setz­ten SP3-Klas­se und wird je­des Jahr ver­ehrt und ge­ach­tet. Nun star­tet er sein 15. 24h-Ren­nen

SCG 003C Das Pres­ti­ge­ob­jekt von US-Mil­lio­när Ja­mes Gli­cken­haus über­rasch­te mit star­ker Pace und Bei­na­he-Sieg beim Qua­li­fi­ka­ti­ons­ren­nen. Die Flun­der mit Flü­gel­tü­ren star­tet in der SP-X-Klas­se

Fer­ra­ri 488 GT3 Exo­ten sind Au­gen­wei­den für die Fans. Sieg­chan­cen be­ste­hen we­ni­ger: Das Team Wo­chen­spie­gel kommt mit ei­nem Fer­ra­ri, Kon­rad- und Dör­rMo­tor­sport mit je ei­nem Lam­bor­ghi­ni Hu­racán GT3

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