Re­gle­ment Neue Auf­la­gen bei Ae­ro­dy­na­mik & Rei­fen

Mit Ein­schrän­kun­gen bei Ae­ro­dy­na­mik und Rei­fen­aus­wahl ver­su­chen die Re­gel­ma­cher, die Re­kord­zei­ten auf der Nord­schlei­fe ein­zu­däm­men

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Gre­gor Mes­ser

So at­trak­tiv die Au­tos der Klas­sen SP9 und SP-X – al­so GT3und Ex­pe­ri­men­tal-Au­tos – für die Fans auch sind, sie ber­gen ein Pro­blem: Sie sind zu schnell. Bes­ser ge­sagt zu schnell ge­wor­den. Das ist die An­sicht der Re­gel­hü­ter des DMSB. Be­reits im Ok­to­ber 2014 wur­de die Acht­mi­nu­ten-Mar­ke für die Nord­schlei­fe mit Mer­ce­des-Are­na und GPKurzan­bin­dung bei ei­nem Lauf

( zur VLN ge­knackt. Run­den­schnit­te von et­wa 200 km/ h sind die Norm ge­wor­den. Da­für ist nicht ein­mal ei­ne über­trie­ben star­ke Mo­tor­leis­tung aus­schlag­ge­bend, son­dern eher die Aus­wir­kung von Ae­ro­dy­na­mik und Rei­fen­tech­no­lo­gie. Der DMSB ver­sucht nun, mit di­ver­sen Än­de­run­gen den Re­kor­d­rausch auf der Nord­schlei­fe zu brem­sen. In drei Be­rei­chen wur­de ein­ge­schrit­ten, um die Au­tos lang­sa­mer zu ma­chen: Heck­flü­gel, Fahr­zeug­hö­he, Rei­fen. „Über al­lem steht die Si­cher­heit“, sagt Nor­bert Krey­er, Vor­sit­zen­der des Nord­schlei­fen-Tech­nik­aus­schus­ses. „Vor al­lem geht es dar­um, die Kur­ven­ge­schwin­dig­kei­ten zu re­du­zie­ren.“Die Än­de­run­gen wur­den nicht uni­so­no be­grüßt. Vie­le Teams kri­ti­sie­ren die Kurz- fris­tig­keit, mit der der DMSB die Re­ge­län­de­run­gen durch­ge­setzt hat – und un­mit­tel­bar da­mit zu­sam­men­hän­gend auch die Un­aus­ge­go­ren­heit der Maß­nah­men. Am prak­ti­ka­bels­ten er­schei­nen die Ein­schnit­te am Heck­flü­gel. Zu­sam­men mit dem Un­ter­bo­den wirkt der Flü­gel am stärks­ten auf die Ae­ro­dy­na­mik. Bei der Wir­kungs­re­duk­ti­on gilt hier nun ei­ne Zeh­ner-For­mel: Ent­we­der rückt das Bau­teil um zehn Zen­ti­me­ter nä­her an die Heck­schei­be – dann darf sei­ne Brei­te un­ver­än­dert blei­ben. Oder man be­schnei­det den Flü­gel, sa­gen wir mal um sechs

„ Es geht dar­um, das Kur­ven­tem­po zu re­du­zie­ren“Nor­bert Krey­er, Vor­sit­zen­der Nord­schlei­fen-Tech­nik­aus­schuss

Zen­ti­me­ter in der Brei­te, dann muss er nur um vier Zen­ti­me­ter nä­her an die Heck­schei­be rü­cken. Und so wei­ter. In der Sum­me müs­sen die Zen­ti­me­ter-Schrit­te al­so im­mer zehn er­ge­ben. Die Bo­den­frei­heit wur­de zu­dem von 65 auf 70 Mil­li­me­ter ver­grö­ßert. Klei­ne Ur­sa­che, gro­ße Wir­kung: Auch da­durch ver­lie­ren die Au­tos er­heb­lich an ae­ro­dy­na­mi­schem Ab­trieb und durch­ei­len die Kur­ven nun lang­sa­mer. Wie die­se Maß­nah­me al­ler­dings ob­jek­tiv kon­trol­liert wer­den soll, bleibt kon­tro­vers: Ei­ne zu Be­ginn der re­la­tiv un­ebe­nen Bo­xen­gas­se im Bo­den ein­ge­las­se­ne Rol­le, die je­der SP9- und SP-X-Teil­neh­mer zwi­schen die Rä­der neh­men soll, lie­fert nur un­prä­zi­se Er­geb­nis­se. Und ei­ne sta­ti­sche Kon­trol­le mit ebe­ner Re­fe­renz­flä­che fehlt am Ring.

Kei­ne Ent­wick­lungs­rei­fen

Nur auf den ers­ten Blick un­kom­pli­zier­ter er­schei­nen die neu­en Rei­fen­richt­li­ni­en: Um dem wil­den Ent­wick­lungs­drang der Rei­fen­in­dus­trie, für die der Langstre­cken­Klas­si­ker ei­ne ver­kauf­s­träch­ti­ge Pres­ti­ge­an­ge­le­gen­heit ist, ein­zu­däm­men, ver­füg­te der DMSB, dass sämt­li­che Mi­schun­gen der Rei­fen­her­stel­ler frei käuf­lich sein müs­sen. Das war bei den vor­her ver­wen­de­ten Ent­wick­lungs­rei­fen, so­ge­nann­ten Con­fi­den­ti­al-Rei­fen, nicht mög­lich. So­mit aber – und weil kein Rei­fen­her­stel­ler sei­nen Kon­kur­ren­ten neu­es­tes Know­how über­las­sen will – ber­gen die Stan­dard- Kun­den­rei­fen kei­ne Ge­heim­nis­se. Al­ler­dings: Im Fall von Mi­che­lin et­wa, die Front-, Mit­tel-, und Heck­mo­tor-Au­tos be­stü­cken, sum­mie­ren sich die­se auf 40 Rei­fen­ty­pen. Da­von be­hält der DMSB je ein Mus­ter zur Kon­trol­le un­ter Ver­schluss …

Re­du­zier­ter Wett­be­werb: Al­le Rei­fen­her­stel­ler müs­sen ih­re Gum­mis der Kon­kur­renz frei ver­käuf­lich ma­chen. Son­der­rei­fen, wie sie auch in an­de­ren Renn­se­ri­en ver­wen­det wer­den, gibt es nicht mehr Kon­troll­in­stru­ment: Die Rol­le prüft, ob die GT3und SP-X-Bo­li­den auf ei­ne nun 70 Mil­li­me­ter ho­he Bo­den­frei­heit aus­ge­legt sind – fünf Mil­li­me­ter mehr als 2016 Ge­än­dert: Statt durch zeit­re­gu­lie­ren­de Tank­kan­nen („Tank­pi­lot“) wer­den die Au­tos nun per üb­li­cher Zapf­pis­to­le be­füllt. Neu ist da­bei ein dop­pel­tes Si­cher­heits­ven­til am Tank

Der brei­te Heck­flü­gel der GT3-Bo­li­den bie­tet die bes­te Re­gu­lie­rungs­maß­nah­me ge­gen die zu­letzt ge­stie­ge­nen Kur­ven­ge­schwin­dig­kei­ten: Den Her­stel­lern bleibt es über­las­sen, ihn ent­we­der links und rechts zu be­schnei­den oder aber nä­her an die Heck­schei­be zu rü­cken

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