Ver­gleichs­test: BMW M760 Li xD­ri­ve ge­gen Por­sche Pan­ame­ra Tur­bo Exe­cu­ti­ve

Die End­stu­fe der BMW 7er-Rei­he trägt erst­mals das be­rühm­te M-Ab­zei­chen und wird von ei­nem V12-Bi­tur­bo an­ge­trie­ben. Reicht die­ses Pa­ket ge­gen den Por­sche Pan­ame­ra Tur­bo Exe­cu­ti­ve mit V8-Ag­gre­gat?

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Paul Eng­lert FO­TOS Klaus Huber-Abend­roth ]

Lan­ger Rad­stand plus Ben­zin­mo­tor heißt bei BMW Li. Klingt ir­gend­wie chi­ne­sisch und ist im Fal­le der neu­en 7er Speer­spit­ze viel­leicht ganz prak­tisch, denn Chi­na soll ei­ner der Haupt­ab­satz­märk­te für den M760Li xD­ri­ve wer­den, der ers­ten Münch­ner Lu­xus­li­mou­si­ne mit M-Si­g­net auf Heck, Flan­ke und Mo­tor. Doch wie viel M steckt wirk­lich im Top-7er? Ei­ne span­nen­de Fra­ge, die wir im Ver­gleichs­test mit dem Por­sche Pan­ame­ra Tur­bo klä­ren wol­len, dem Chef­dy­na­mi­ker in der Lu­xus­klas­se. Und weil’s auf der ei­nen Sei­te ein Li ist, steht auf der an­de­ren ein Exe­cu­ti­ve –was in Zuf­fen­hau­sen lan­ger Rad­stand heißt.

Ka­ros­se­rie

Von den in die Län­ge ge­zo­ge­nen Ka­ros­se­ri­en spürt man vorn nichts, da­für aber, dass der M760 et­was mehr Raum für die El­len­bo­gen bie­tet und der Pan­ame­ra ei­ne et­was wuch­ti­ge­re Mit­tel­kon­so­le hat. Au­ßer­dem ist das Raum­ge­fühl im licht­durch­flu­te­ten BMW an­ge­neh­mer. Hin­ten ist das Platz­an­ge­bot eben­falls sehr ähn­lich, ob­wohl man sich von au­ßen be­trach­tet fragt, wie man un­ter der fla­chen Por­sche-Ka­ros­se­rie so viel Platz schaf­fen kann. Ganz ein­fach, in­dem man die Ein­zel-Sit­ze recht tief in­stal­liert. Im BMW sitzt man hö­her und kann des­halb das Ver­kehrs­ge­sche­hen bes­ser über­bli­cken – üb­ri­gens auch aus der Fah­rer­per­spek­ti­ve. Prak­ti­ker kom­men mit dem Pan­ame­ra auf ih­re Kos­ten, denn die Sport-Li­mo kommt als Fließ­heck mit drei­ge­teilt um­klapp­ba­ren Fond­leh­nen und ma­xi­mal knapp 1500 Li­tern Kof­fer­raum­vo­lu­men. BMW bie­tet hier le­dig­lich ei­ne Durch­la­de­öff­nung, zum Bei­spiel für Skier. Auf der an­de­ren Sei­te darf der Münch­ner rund 130 Ki­lo­gramm mehr Ge­wicht an Bord und zur Not auch noch ei­nen Hän­ger an den Ha­ken (Op­ti­on) neh­men. Das The­ma Be­die­nung und Funk­ti­on lö­sen bei­de Pre­mi­um-Her­stel­ler auf ih­re ganz ei­ge­ne Art. Ge­mein ha­ben bei­de, dass ei­ne drei­stel­li­ge Zahl von Knöp­fen, Schal­tern und Tas­ten in Fah­rer­reich­wei­te liegt und vie­le Funk­tio­nen über be­rüh­rungs­sen­si­ti­ve Ober­flä­chen (Touch) ge­löst sind, die un­nö­tig vom Ver­kehrs­ge­sche­hen ab­len­ken. Und wenn die Auf­merk­sam­keit mal nach­lässt, er­in­nert der 7er dar­an, doch mal ei­ne Pau­se zu ma­chen. Wenn das nicht aus­reicht, warnt er vor Hin­der­nis­sen im To­ten Win­kel, lenkt de­zent ge­gen, soll­te man aus Unacht­sam­keit die Spur ver­las­sen, oder bremst au­to­ma­tisch, wenn plötz­lich Hin­der­nis­se vor, hin­ter oder seit­lich vom Fahr­zeug auf­tau­chen. Mit an­de­ren Wor­ten: Der M760Li bie­tet ab Werk qua­si al­les, was es an se­ri­en­rei­fen As­sis­tenz­sys­te­men auf dem Markt gibt – der Por­sche da­ge­gen nur ei­nen Bruch­teil da­von und oft nur ge­gen Auf­preis (z.B. Ma­trix-LED-Licht, Ab­stands­reg­ler, Not­brems­as­sis­tent).

Fahr­kom­fort

Weil der stärks­te 7er al­ler Zei­ten kein ech­ter M ist, ist sei­ne Fahr­werks­ab­stim­mung höchst kom­for­ta­bel, spricht sen­si­bel an und ent­kop­pelt die Ka­ros­se­rie sehr ef­fi­zi­ent. Nur sel­ten wird klar, dass man die un­ge­fe­der­ten Mas­sen in Form von gro­ßen 20-Zöl­lern nicht voll­stän­dig ka­schie­ren kann. Al­ler­dings wirkt der M760Li zeit­wei­se et­was schwam­mig, be­wegt sich auch dann noch sanft, wenn die Une­ben­heit längst pas­sé ist. Ab­hil­fe schafft ei­ne straf­fe­re Dämp­fer­kenn­li­nie, die per Knopf­druck

ak­ti­viert wird. Das geht auch im Pan­ame­ra, wo­bei die­ser oh­ne­hin straf­fer aus­ge­legt ist, auf noch grö­ße­ren Rä­dern rollt (Op­ti­on), sei­ne Ka­ros­se­rie schnel­ler und stär­ker an­ge­regt wird, die Stra­ßen­la­ge da­für aber sat­ter aus­fällt. Apro­pos: Lie­gen kann man auf den elek­trisch ver­stell­ba­ren Fond­sit­zen (Op­ti­on) in bei­den Limos nicht, je­doch fin­det der Ma­na­ger hier wie dort sehr be­que­me Ru­he­po­si­tio­nen zwi­schen zwei Ter­mi- nen oder nach ei­nem lan­gen Ar­beits­tag. Der Chauf­feur hin­ge­gen kann wäh­len zwi­schen ei­nem be­que­men Sport­sitz mit in­te­grier­ter Kopf­stüt­ze im Pan­ame­ra oder ei­nem noch be­que­me­ren Kom­fort­sitz mit zig Ver­stell­mög­lich­kei­ten für je­de Kör­per­form im 7er. Für die rich­ti­ge Tem­pe­ra­tur im In­nen­raum und auf den Sit­zen des Münch­ners sorgt ein Heer von se­ri­en­mä­ßi­gen Ven­ti­la­to­ren und Heiz­dräh­ten. Al­lein ein auf Knopf­druck war­mes Lenk­rad kos­tet ex­tra, bei Por­sche auch, ge­nau­so wie die Sitz­be­lüf­tung vorn und hin­ten.

Mo­tor / Ge­trie­be

V12, 6,6 Li­ter Hu­b­raum, zwei Tur­bo­la­der. Das kommt Ih­nen be­kannt vor? Stimmt, die­ses Ag­gre­gat wird auch in Mo­del­len von Rolls-Roy­ce ver­baut. Spe­zi­ell für den M760Li ent­wi­ckelt (z.B. neue Pleu­el und Zy­lin­der), leis­tet der N74B66TÜ ge­nann­te V12-Bi­tur­bo 610 PS, stemmt be­reits ab 1550 Tou­ren 800 New­ton­me­ter Dreh­mo­ment und hält die­ses Ni­veau bis 5000/min. Dank die­ser Po­wer sprin­tet der Top-7er in 3,7 Se­kun­den auf 100 km/ h – oh­ne Laun­chCon­trol, denn die kos­tet den 2267-Ki­lo-Bro­cken ein bis zwei Zehn­tel. Im 72 Ki­lo leich­te­ren Pan­ame­ra ar­bei­tet das Sprint-Sys­tem da­ge­gen per­fekt, ka­ta­pul­tiert die Li­mou­si­ne in 3,5 Se­kun­den auf Tem­po 100 – dank Bi­tur­bo-V8 mit vier Li­tern Hu­b­raum und 550 PS. Erst­mal auf Land­stra­ßen­tem­po, packt der M760Li aber den Leis­tungs-Ham­mer aus, zieht am Pan­ame­ra Tur­bo bis 200 km/ h lang­sam vor­bei und ist ma­xi­mal 305 km/ h schnell (Op­ti­on). Noch über­zeu­gen­der als das Sprint­ver­mö­gen ist die Art der Leis­tungs­ent­fal­tung des V12 in Kom­bi­na­ti­on mit der Acht-Stu­fen-ZF-Au­to­ma­tik, die nicht bei je­dem klei­nen Zu­cken im Gas­fuß gleich hek­tisch zu­rück­schal­tet,

Bis 100 km/ h liegt der Por­sche vorn , dar­über packt der BMW den Ham­mer aus

son­dern den Gang hält und das Dreh­mo­ment nutzt. Auch die Lauf­kul­tur des sei­den­weich dre­hen­den Ag­gre­gats ist be­ein­dru­ckend. Je­doch hat je­de Me­dail­le ih­re Kehr­sei­te und die zeigt sich an der Tank­stel­le: 16,1 Li­ter Su­per braucht der BMW-Mo­tor, 13,8 Li­ter Su­per Plus das Por­sche-Ag­gre­gat, wo­bei das Acht­gang-Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be (eben­falls von ZF) im Schie­be­be­trieb in den Leer­lauf geht (Se­geln) und bei leich­tem Ga­s­ein­satz oft et­was vor­ei­lig zu­rück­schal­tet.

Fahr­dy­na­mik

Den Rück­stand, den sich der Por­sche in den Ka­pi­teln Ka­ros­se­rie und Kom­fort ein­fängt, holt er sich bei der Fahr­dy­na­mik dop­pelt zu­rück: So prä­zi­se, si­cher und schnell wie der Pan­ame­ra fährt sonst kei­ne Lu­xus­li­mou­si­ne. Und da­bei es ist egal, ob man durch ei­ne lang­ge­zo­ge­ne Au­to­bahn­kur­ve mit weit über 200 km/ h pfeilt oder durch die schnel­le Kur­ven­kom­bi­na­ti­on auf der Test­stre­cke we­delt. Der Pan­ame­ra macht ge­nau das, was man er­war­tet, lenkt ex­akt ein– Kor­rek­tu­ren sind nicht nö­tig –, stützt sich mit der Hin­ter­ach­se ex­zel­lent ab, ver­zeiht auch mal Feh­ler, hat selbst nach vie­len Run­den auf dem Hand­ling-Par­cours ei­nen kon­stan­ten Pe­dal­druck, bremst ob­jek­tiv wie ein Su­per­sport­ler und liegt da­bei wie das sprich­wört­li­che Brett. Und was ler­nen wir dar­aus? Ei­nen Pan­ame­ra mit lan­gem Rad­stand kann man sich ei­gent­lich spa­ren, denn wer die­ses Au­to nicht sel­ber fah­ren will, der soll­te zu Fuß ge­hen. Die Per­for­mance des M760Li liegt auf ho­hem Ni­veau, er­reicht aber nicht den ex­trem ho­hen Pan­ame­ra-Le­vel. Be­son­ders der teils et­was ner­vö­se Gera­de­aus­lauf, die leicht­gän­gi­ge, zu we­nig Ge­fühl ver­mit­teln­de Len­kung und das un­ter Be­las­tung leicht schwam­mi­ge Ge­fühl auf dem Brems­pe­dal lässt Spiel­raum für Ver­bes­se­run­gen. Al­ler­dings muss der BMW auch oh­ne Kar­bon-Ke­ra­mik-Brems­schei­ben aus­kom­men, die den ho­hen Be­las­tun­gen im har­ten Ver­gleichs­test bes­ser stand­hal­ten wür­de.

Um­welt / Kos­ten

Wer re­det in die­ser Preis­klas­se schon über Kos­ten? Teu­er sind bei­de Luxus-Limos – doch das weiß man spä­tes­tens dann, wenn der Kauf­ver­trag un­ter­schrie­ben ist.

Egal, wie sehr man sich zu­rück­hält: Der V12Bi­tur­bo ver­langt viel Sprit. Im­mer!

Al­lein das V12-Lo­go hin­term iD­ri­ve-Drehrad macht den Un­ter­schied zu an­de­ren, voll aus­ge­stat­te­ten 7ern

Mas­sig Platz dank lan­gem Rad­stand (Se­rie). Fond-En­ter­tain­ment kos­tet 3100 Eu­ro

In Kur­ven neigt sich der 2267 Ki­lo schwe­re M760Li stark nach au­ßen

Der Dreh­mo­ment­ham­mer mit 800 Nm, 610 PS und 6,6 Li­tern Hu­b­raum wur­de sicht­ge­schützt ver­packt

Die be­que­men Kom­fort­sit­ze (Se­rie) pas­sen zu je­der Fah­rer­fi­gur

Et­was en­ger ge­schnit­te­nes Pan­ame­ra-Cock­pit, kla­res De­sign, vie­le Funk­tio­nen mit Touch-Be­die­nung

Viel Platz, aber ein mä­ßi­ges Raum­ge­fühl im Pan­ame­ra-Fond mit zwei Ein­zel­sit­zen

So cool und prä­zi­se wie der Pan­ame­ra carvt kei­ne Lu­xus­li­mo

Tief in­stal­lier­ter Vier­li­ter-V8-Bi­tur­bo mit 550 PS, 770 Nm und Dom­stre­be oben­drauf

Sport­li­che, et­was en­ge­re Sit­ze vorn mit in­te­grier­ter Kopf­stüt­ze

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