Lam­bor­ghi­ni Hu­racán Per­for­man­te

Mehr Leis­tung, ein noch sport­li­che­res Fahr­werk so­wie ei­ne ak­ti­ve Ae­ro­dy­na­mik sor­gen da­für, dass der Lam­bor­ghi­ni Hu­racán Per­for­man­te sen­sa­tio­nel­le Run­den­zei­ten rea­li­siert – und das ganz läs­sig

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Mar­tin Ur­ban­ke

S icher, schon ein „nor­ma­ler“Lam­bor­ghi­ni Hu­racán ist ein hei­ßes Ge­rät. Ei­ne ras­si­ge Schön­heit aus der Emi­lia Ro­ma­gna, stark, lei­den­schaft­lich, tem­pe­ra­ment­voll, klang­ge­wal­tig – ein sünd­haft kost­spie­li­ges Lust­ob­jekt, um das man sich mit Hin­ga­be be­nei­den lässt. Un­ter guss­ei­ser­nen Sport­lern gilt die Flun­der je­doch eher auf Ef­fekt als auf Ef­fi­zi­enz be­dacht. Falsch! In der neu­es­ten Aus­bau­stu­fe na­mens Per­for­man­te de­klas­siert der Keil aus Sant’ Aga­ta mit ei­ner Fa­bel­zeit von 6:52,01 min auf der Nord­schlei­fe so­gar den Hy­per-Hy­brid Por­sche 918 Spy­der (6:57 min). Wer dar­um er­war­tet, dass der Hu­racán Per­for­man­te end­gül­tig dem Ex­tre­mis­mus ver­fällt, wird über­rascht sein: Der Voll­blut-Stier strahlt bei al­ler Po­tenz ei­ne bei­na­he schon auf­rei­zen­de Läs­sig­keit und Sou­ve­rä­ni­tät aus. Wie geht das?

V10-Sau­ger: brüllt ani­ma­lisch und geht bes­tia­lisch

Op­tisch je­den­falls tritt das Cou­pé noch kon­se­quen­ter auf: Front und Heck ze­le­brie­ren un­ver­klei­de­te Tech­nik, die durch den ein­zig­ar­ti­gen Look der aus for­ged car­bon (ge­här­te­tem Kar­bon) ge­fer­tig­ten Ae­ro­dy­na­mik-Ele­men­te noch in­ten­si­ver wirkt. Ein rie­si­ger Flü­gel do­mi­niert die Rück­sei­te. An­sons­ten zeigt der Per­for­man­te ein paar De­ko­r­ele­men­te und bron­ze­far­be­ne Schmie­de­rä­der. Auch die Zy­lin­der­köp­fe sind in Bron­ze ge­hal­ten und las­sen nur er­ah­nen, wel­che Ur­ge­walt in ih­nen steckt: Der V10 ge­hört zur be­droh­ten Spe­zi­es der Sau­ger, und wer die­ses Pracht­stück von ei­nem Mo­tor je­mals li­ve in Ac­tion er­lebt hat, hin­ter­fragt je­des Tur­bo-Kon­zept aufs Schärfs­te. Ti­t­an­ven­ti­le und ei­ne Ab­gas­an­la­ge mit re­du­zier­tem Stau­druck sind die we­sent­li­chen Mo­di­fi­ka­tio­nen, um 30 PS und 40 Nm zu­sätz­lich zu ge­ne­rie­ren. Den noch­mals in­ten­si­ve­ren Renn­wa­gen-Sound und die bis ins Ek­sta­ti­sche ge­stei­ger­te Dreh­freu­de gibt’s oben­drein. Der V10 hängt aber schon bei niedri- gen Tou­ren gie­rig am Gas und setzt bei nur 1000 Um­dre­hun­gen be­reits 70 Pro­zent sei­nes ma­xi­ma­len Dreh­mo­ments (600 Nm) frei. In Kom­bi­na­ti­on mit dem noch schnel­ler schal­ten­den Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be so­wie dem sen­sa­tio­nell trak­ti­ons­star­ken All­rad­an­trieb er­reicht der Per­for­man­te laut Werk in 2,9 Se­kun­den aus dem Stand 100 km/ h. Tem­po 200 liegt nur sechs Se­kun­den spä­ter an. Die Spit­ze? Über 325 km/ h! Atem­be­rau­ben­de Wer­te. Doch noch be­ein­dru­cken­der ist die Qu­er­dy­na­mik des Per­for­man­te. Das Fahr­werk er­laubt dank ex­klu­siv auf das Au­to ab­ge­stimm­ter Pneus (Pi­rel­li P Ze­ro Cor­sa „L“) ei-

nen im­men­sen Grip. Hin­zu kom­men um zehn Pro­zent här­te­re Fe­dern, um 15 Pro­zent stei­fe­re Sta­bi­li­sa­to­ren so­wie neu ka­li­brier­te Ad­ap­tiv-Dämp­fer (Ma­gneRi­de) und um die Hälf­te fes­te­re Qu­er­len­ker-Buch­sen. Maß­nah­men, die un­er­wünsch­te Ka­ros­se­rie­be­we­gun­gen auf ein ab­so­lu­tes Mi­ni­mum re­du­zie­ren. Der ab­so­lu­te Clou des Per­for­man­te-Kon­zepts ver­steckt sich je­doch hin­ter dem Kür­zel ALA (Ae­ro­di­n­a­mi­ca Lam­bor­ghi­ni At­ti­va – ita­lie­nisch für Flü­gel). Das Dop­pel aus Front­split­ter so­wie frei­ste­hen­dem Heck­flü­gel ge­ne­riert ei­nen enor­men Ab­trieb: Al­lein der hin­te­re Flü­gel bringt es bei 300 km/ h auf 360 Ki­lo­gramm – 750 Pro­zent mehr als beim Hu­racán in Stan­dard-Aus­füh­rung.

Ak­ti­ve Luft­klap­pen neu­tra­li­sie­ren das Spoi­ler­werk

Das ver­hilft dem Lam­bo zu ei­ner schier irr­wit­zig gu­ten Stra­ßen­la­ge, weil der Wa­gen wie von Zau­ber­hand auf der Pis­te ge­hal­ten wird. Doch das ist noch nicht al­les: Ab 70 km/ h öff­nen sich bei Be­darf drei elek­tri­sche Klap­pen (ei­ne hin­ter dem Front­split­ter, je ei­ne im So­ckel der Heck­flü­gel­stüt­zen), die den Ab­trieb beim Be­schleu­ni­gen neu­tra­li­sie­ren und so die Wind- schlüp­fig­keit op­ti­mie­ren. Das ge­schieht in­ner­halb von nur 500 Mil­li­se­kun­den und oh­ne dass sich die Ba­lan­ce zwi­schen Vor­der- und Hin­ter­ach­se än­dern wür­de. Zu­dem un­ter­stützt das Sys­tem Kur­ven­fahrt ak­tiv per Ae­ro-Vec­to­ring: Da­bei öff­net sich nur die Klap­pe auf der Kur­ven­au­ßen­sei­te des Heck­spoi­lers. Die ein­strö­men­de Luft ge­langt durch die hoh­le Stüt­ze des Flü­gels in des­sen Pro­fil und ver­lässt es auf der Un­ter­sei­te. Das re­du­ziert – ein­sei­tig – den Ab­trieb. Fol­ge: Das Au­to lenkt noch agi­ler in die Kur­ve ein. Klingt kom­pli­ziert, funk­tio­niert aber schlicht ge­ni­al und ver­mit­telt dem Pi­lo­ten ein ab­so­lut au­then­ti­sches Fahr­ge­fühl. Nicht zu­letzt des­halb fasst man so­fort Ver­trau­en in die Kom­pe­tenz des Aus­nah­me-Ath­le­ten und ist im Hand­um­dre­hen viel schnel­ler, als man es für mög­lich ge­hal­ten hät­te – selbst mit noch leis­tungs­stär­ke­ren Bo­li­den …

FA­ZIT: Der Lam­bor­ghi­ni Hu­racán Per­for­man­te büßt nichts von sei­nem Show­ta­lent ein, ge­winnt aber dra­ma­tisch an Dy­na­mik hin­zu. Sein V10-Sau­ger ist ein Mo­nu­ment der In­ge­nieurs­kunst, die Stra­ßen­la­ge schlicht­weg sen­sa­tio­nell.

Heck mit Dif­fu­sor und hoch­ge­leg­ten En­d­roh­ren. Der Flü­gel kann durch Hohl­räu­me in den Stüt­zen an­ge­strömt wer­den

ALA-Front­split­ter aus for­ged car­bon (ge­här­te­tem Kar­bon). Ei­ne Klap­pe im Un­ter­bo­den hebt den Ab­trieb ge­zielt auf

Ein In­fo-Dis­play zeigt an, ob und wo das ALA-Sys­tem ge­ra­de auf „Durch­zug“– re­du­zier­ten Luft­wi­der­stand – schal­tet

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