Sai­son-Rück­schau & Fa­vo­ri­ten Abt/ Scha­eff­ler-Fah­rer Lu­cas di Gras­si und Re­nault-Pi­lot Sé­bas­ti­en Bu­emi do­mi­nie­ren die For­mel E seit ih­rem Be­ste­hen

Seit Be­ginn der For­mel-E-Se­rie vor drei Jah­ren prä­gen das Auf­ein­an­der­tref­fen von Sé­bas­ti­en Bu­emi und Lu­cas di Gras­si die Kämp­fe um Sie­ge und Ti­tel. Auch für Ber­lin gel­ten sie als Fa­vo­ri­ten

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Das For­mel- EDu­ell Bu­emi ge­gen di Gras­si zählt zu den Klas­si­kern des Renn­sports

Der Au­to­mo­bil­sport wird stets von le­gen­dä­ren Du­el­len ge­prägt, die seit je­her sei­ne His­to­rie be­stimmt ha­ben – egal ob bei Fah­rer-Welt­meis­ter­schaf­ten oder Mar­ken-Cham­pio­na­ten. In der seit 2014 exis­tie­ren­den For­mel E ist das nicht an­ders. Si­cher ha­ben in der noch jun­gen Se­rie für rein elek­trisch be­trie­be­ne Renn­wa­gen bis­her auch an­de­re Teams und Pi­lo­ten oft­mals ein hell fla­ckern­des Stör­feu­er ge­zün­det. Aber den ganz gro­ßen Kampf lie­fern sich seit Be­ginn Sé­bas­ti­en Bu­emi und Lu­cas di Gras­si. Wie eben auch ih­re re­spek­ti­ven Renn­stäl­le, das Re­nault eDams-Team und die Trup­pe von Abt Scha­eff­ler Au­di. Von bis­lang ins­ge­samt 27 For­mel-E-Ren­nen ha­ben die bei­den Haupt-Prot­ago­nis­ten 16 ge­won­nen. In die­ser Sai­son frei­lich springt Re­naul­tS­tar Bu­emi be­son­ders hart­nä­ckig auf die obers­ten Stu­fen der Sie­ger­po­di­en. Bei fünf von bis­her sechs Meis­ter­schafts­läu­fen hat­te der 28-Jäh­ri­ge die Ober­hand und ist auf dem bes­ten Weg, sei­nen Ti­tel zu ver­tei­di­gen. „Wir ho­len das Ma­xi­mum aus un­se­rem Au­to her­aus. Aber Bu­emi sitzt im bes­se­ren Au­to“, sagt di Gras­si oft ge­nug. Bu­emi kon­tert: „Wenn ich Au­di wä­re, wä­re ich nicht so hap­py dar­über, dass mein Fah­rer das dau­ernd sagt. Mitt­ler­wei­le hat das Te­chee­tah-Team ex­akt das glei­che Pa­ket wie wir. Auch die fah­ren mit un­se­rer An­triebs­tech­no­lo­gie. Aber au­ßer mir hat noch nie­mand mit un­se­rem Au­to ge­won­nen.“Da­mit un­ter­streicht Bu­emi selbst­be­wusst sei­ne Fahr­kunst. Da­bei muss er wohl die drei Er­fol­ge sei­nes Team­kol­le­gen Ni­co­las Prost in den bei­den ers­ten For­mel-E-Sai­sons glatt ver­ges­sen ha­ben. Tat­säch­lich wur­den die An­triebs­strän­ge für die drit­te Sai­son so­wohl bei Re­nault als auch bei Abt-Scha­eff­ler en

dé­tail ver­bes­sert, und auch die be­ste­hen­de Tech­no­lo­gie vor al­lem im elek­tro­ni­schen Be­reich wur­de noch fei­ner be­ar­bei­tet. Doch schon 2015/16 zeig­ten sich die Fran­zo­sen im Vor­teil – wenn auch nur leicht. Bu­emi und di Gras­si be­geg­nen sich in vie­len Renn­se­ri­en: bis in das ver­gan­ge­ne Jahr ne­ben der For­mel E auch in der Langstre­cken-WM – Bu­emi für To­yo­ta, di Gras­si für Au­di. „Lu­cas ist ein su­per­star­ker Fah­rer“, weiß Bu­emi sei­nen Dau­er­ri­va­len zu schät­zen, „hier in der For­mel E, wo es sehr vie­le gu­te Pi­lo­ten gibt, sticht Lu­cas im­mer her­aus, weil er stets ein gu­tes Er­geb­nis holt, weil er kei­ne ver­rück­ten Sa­chen macht und im­mer kon­stant ist.“Bei­de tra­ten frü­her ge­mein­sam in der For­mel 3 ge­gen­ein­an­der an, dann in der GP2-Se­rie so­gar im glei­chen Team. Die zwei ken­nen sich gut, aber gu­te Bud­dies sind sie nicht. „Da sind in der Ver­gan­gen­heit Sa­chen pas­siert, die blei­ben. Aber ich ha­be Re­spekt für ihn als Fah­rer“, sagt Bu­emi. Wi­der­sa­cher di Gras­si be­tont der­weil, dass er sich im Du­ell mit Bu­emi kei­ne Sor­gen macht: „Ich muss mich auf mich und mein Team kon­zen­trie­ren, und wir müs­sen sie­gen und Punk­te ho­len, wo im­mer wir kön­nen.“Der

32 Jah­re al­te Bra­si­lia­ner kann in die­ser Sai­son auf ei­ni­ge be­acht­li­che Come­backs ver­wei­sen: Beim Auf­takt in Hong­kong crash­te er zwar im Trai­ning und star­te­te nur von Platz 19. Er muss­te nach dem Start we­gen ei­ner Kol­li­si­on so­gar die Front tau­schen las­sen, er­ziel­te aber dank ge­wief­ter Stra­te­gie ei­nen kaum für mög­lich ge­hal­te­nen zwei­ten Rang. In Mar­ra­kesch fuhr di Gras­si mit ei­nem schlecht lie­gen­den Au­to noch auf den fünf­ten Platz. Beim drit­ten Lauf in Bu­e­nos Ai­res ge­lang di Gras­si dann sei­ne ers­te Po­le Po­si­ti­on in der For­mel E, doch tech­ni­sche Pro­ble­me lie­ßen ihn zu­rück­fal­len – den­noch reich­te es am En­de für Platz drei. Ein ech­tes Husa­ren­stück ge­lang di Gras­si und der Abt-Scha­eff­ler-Trup­pe in Me­xi­co (mehr zu sei­nem bis­lang ein­zi­gen Sai­son­sieg ab Sei­te 98). Dem folg­te ein star­ker zwei­ter Platz in Mon­te Car­lo: „Wie in der For­mel 1 kann man hier kaum über­ho­len“, be­stä­tigt di Gras­si, der in der Schluss­pha­se den er­neut sieg­rei­chen Bu­emi noch mäch­tig un­ter Druck set­zen konn­te. Nach der Null­run­de von Paris liegt di Gras­si auf Ta­bel­len­platz zwei mitt­ler­wei­le 43 Punk­te zu­rück. Bei so viel Rück­stand wä­re er in Sa­chen Ti­tel na­he­zu chan­cen­los. Doch von den ver­blei­ben­den sechs Ren­nen – je­weils Dop­pel­läu­fe in Ber­lin, New York und Mon­tre­al – wird Bu­emi bei der Ver­an­stal­tung in den USA Mit­te Ju­li feh­len: Der Schwei­zer muss zeit­gleich am Nür­burg­ring für To­yo­ta in der Langstre­cken-WM an­tre­ten, wo er eben­so Ti­tel­chan­cen hat. „Das hat Vor­rang, so steht es in mei­nem Ver­trag“, sagt Bu­emi und klagt, dass es dem Welt­ver­band FIA nicht ge­lun­gen sei, das WEC-Ren­nen am Ring um ei­ne Wo­che zu ver­schie­ben. „Die Chan­cen, mei­nen Ti­tel zu ver­tei­di­gen, sind des­we­gen sehr ge­ring“, fürch­tet er. Mög­lich, dass wie im ver­gan­ge­nen Jahr der Meis­ter erst beim Fi­na­le ge­kürt wird. Für Serien-Pro­mo­ter Ale­jan­dro Agag ist das si­cher die op­ti­ma­le Si­tua­ti­on. Auch er weiß um die Be­son­der­heit der bei­den Fah­rer­per­sön­lich­kei­ten: „Bu­emi und di Gras­si ste­hen für ei­nes der gro­ßen Du­el­le im Renn­sport. Und das auch noch für vie­le wei­te­re Jah­re.“

Su­per­star im Re­nault Bu­emi konn­te in der ak­tu­el­len Sai­son bis­lang fünf von sechs Ren­nen ge­win­nen Aus­nah­me­pi­lot im Abt Scha­eff­ler-Au­to Di Gras­si gilt als be­son­ne­ner Fah­rer mit ge­rin­ger Feh­ler­quo­te

In ei­nem Boot: Für For­mel-E-Pro­mo­ter Ale­jan­dro Agag (l.) ist das Du­ell Bu­emi con­tra di Gras­si Gold wert

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