Tech­nik Scha­eff­ler- Tech­no­lo­gie­vor­stand Pe­ter Gutz­mer gibt Ein­bli­cke in die Fort­schrit­te der E-Mo­bi­li­tät

Für den welt­weit tä­ti­gen Zu­lie­fe­rer Scha­eff­ler dient das seit Jah­ren er­folg­rei­che En­ga­ge­ment in der For­mel E als op­ti­ma­le De­mons­tra­ti­on sei­ner Tech­nik­kom­pe­tenz

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Gre­gor Mes­ser

D au­er­haf­te Zuf­rie­den­heit kann sich im Renn­sport nie­mand er­lau­ben, denn stän­di­ges Wett­rüs­ten treibt die In­ge­nieu­re zu Höchst­leis­tun­gen. Auch wenn die An­triebs­tech­no­lo­gie der For­mel-E-Mo­no­pos­tos vor dem Sai­son­auf­takt ho­mo­lo­giert wird – und so­mit für die Dau­er der Sai­son un­an­ge­tas­tet blei­ben muss –, so wird in den La­bors und auf den Prüf­stän­den mit vol­ler Man­power wei­ter­ent­wi­ckelt. In der ers­ten For­mel-E-Sai­son be­strit­ten die Teams die zehn Ren­nen mit Ein­heits-Tech­no­lo­gie. Erst im zwei­ten Jahr – 2015/16 – der noch jun­gen Motorsport-Ka­te­go­rie durf­ten die Her­stel­ler ei­ge­ne An­trie­be ent­wi­ckeln. „ Un­ser ers­ter Mo­tor war so­fort er­folg­reich. Be­reits das zwei­te Ren­nen konn­ten wir mit ihm ge­win­nen. Dar­auf sind wir stolz“, sagt Scha­eff­lerTech­no­lo­gie-Vor­stand Pe­ter Gutz­mer. Zu­dem ließ sich wei­te­res Ver­bes­se­rungs­po­ten­zi­al er­ken­nen, das für die ak­tu­el­le Sai­son 2016/17 in Schrit­ten voll­zo­gen wur­de. Aus dem For­mel-E-Pro­jekt zieht Scha­eff­ler gro­ßes Know­how für be­reits an­ge­bahn­te oder künf­ti­ge Pro­jek­te mit Kun­den in al­ler Welt. „Die Mo­bi­li­tät wird sich sehr stark in Rich­tung Elek­tro­mo­bi­li­tät ent­wi­ckeln“, un­ter­streicht Pe­ter Gutz­mer. „Und die For­mel E als ein Feld der Tech­no­lo­gie der Zu­kunft für die­se An­triebs­strän­ge und de­ren Kom­po­nen­ten hat sich aufs Äu­ßers­te be­währt.“Mit der Fir­ma Com­pact Dy­na­mics konn­te Scha­eff­ler den ak­tu­el­len An­trieb wei­ter­ent­wi­ckeln – und die Ef­fi­zi­enz noch­mals stei­gern. „So et­was ge­lingt nur mit auf­wän­di­ger, ge­ziel­ter Klein­ar­beit“, sagt Gutz­mer und er­wähnt Punk­te wie Ma­gnetan­ord­nung, Ther­mo-Ma­nage­ment, Leis­tungs­ent­nah­me und na­tür­lich Re­ku­pe­ra­ti­on. „ Al­les The­men, die für die Se­rie ei­ne Rol­le spie­len und die wir grund­sätz­lich über­neh­men kön­nen. Wenn auch nicht im De­tail“, be­tont Gutz­mer, „denn da wird sich der Renn­sport von der Se­rie im­mer un­ter­schei­den.“ Für Scha­eff­ler-Tech­no­lo­gie­vor­stand Pe­ter Gutz­mer stellt die For­mel E das idea­le Um­feld für die schnel­le Ent­wick­lung der Elek­tro­mo­bi­li­tät dar Mit sei­nem En­ga­ge­ment in der For­mel E de­mons­triert Scha­eff­ler frei­lich Kom­pe­tenz: Ne­ben der tech­no­lo­gi­schen Er­kennt­nis ist dem frän­ki­schen Un­ter­neh­men wich­tig, dass es nicht nur den Fahr­zeug­her­stel­lern, son­dern auch dem End­kun­den, der sich für EMo­bi­li­tät in­ter­es­siert, zei­gen kann, dass es die­se neue Tech­no­lo­gie be­herrscht. Gutz­mer ver­weist auf ei­nen ex­trem schnell wach­sen­den Markt: „Wir be­ar­bei­ten heu­te schon acht Se­ri­en­auf­trä­ge. Da­zu zäh­len 18 Ent­wick­lungs­ar­bei­ten. Die Auf­trags­la­ge wird wei­ter stei­gen.“Ei­ne zwei­te Ten­denz ist der stark wach­sen­de Markt in Chi­na. „Und der drit­te deut­li­che Hin­weis auf die stei­gen­de Nach­fra­ge nach E-Mo­bi­li­tät ist ei­ne gro­ße Dy­na­mik, die sich im Markt durch den Wett­be­werb ent­wi­ckelt“, so Gutz­mer. Da­zu ad­die­ren sich „ei­ne gan­ze An­zahl an Vor­ent­wick­lun­gen, Ge­sprä­chen und Kon­zept­stu­di­en für Kun­den“. 2018/19 wird Scha­eff­ler mit den ers­ten Pro­duk­ten in Se­rie ge­hen – und zwar als Zu­lie­fe­rer für die wich­tigs­ten Her­stel­ler aus Deutsch­land, den USA und Chi­na. Gutz­mer hebt zu­dem ei­nen gro­ßen Vor­teil der Scha­eff­ler-Grup­pe mit ih­ren vie­len Tech­no­lo­gie-Be­rei­chen her­vor: „Der Elek­tro­an­trieb braucht na­tür­lich ei­ne Ver­bin­dung zur Stra­ße, al­so durch das Ge­trie­be. Die­se Sys­tem­kom­pe­tenz ha­ben wir.“E-Mo­bi­li­tät ist ei­ne Sa­che, die für jun­ge Men­schen in­ter­es­sant ist. „Sie ist be­son­ders at­trak­tiv für die Gen Y“, er­klärt Gutz­mer und weist auf die Men­schen, die ab 1980 ge­bo­ren wur­den. Hier herr­schen an­de­re Nut­zungs­prin­zi­pi­en, die mit ei­ner Ver­städ­te­rung ein­her­ge­hen. Auch in Deutsch­land le­ben nur noch 40 Pro­zent der Be­völ­ke­rung in länd­li­chen Ge­bie­ten. Die der­zei­ti­ge Dis­kus­si­on um Die­sel­an­trie­be, Fe­in­staub und Stick­oxi­de ist beim The­ma E-Mo­bi­li­tät eben­falls zu be­ach­ten. Gutz­mer: „Es wird ei­nen zu­sätz­li­chen Schub in Rich­tung E-Mo­bi­li­tät und hy­bri­di­sches Fah­ren ge­ben.“Zu­rück zum Tech­no­lo­gie­trans­fer von der For­mel E in die Se­rie. Die Trup­pe von Com­pact Dy-

„ Die Mo­bi­li­tät wird sich sehr stark in Rich­tung

E- Mo­bi­li­tät ent­wi­ckeln und mas­siv wach­sen“

na­mics wur­de letz­ten Som­mer von Scha­eff­ler ak­qui­riert und in den Kon­zern in­te­griert. Das Team von Com­pact Dy­na­mics hat nicht nur den For­mel-E-Mo­tor ent­wi­ckelt. Künf­tig wer­den die­se In­ge­nieu­re den nächs­ten Scha­eff­ler-ei­ge­nen E-Mo­tor bau­en, der um 2020 in Se­rie ge­bracht wird. An­fang 2018 kommt der ers­te Pro­to­typ auf den Prüf­stand. „Der E-Mo­tor wird die Leis­tungs­klas­sen er­fül­len, die die E-Mo­bi­li­tät nach 2020 braucht“, be­tont Gutz­mer. Das Trieb­werk wird zwi­schen 80 und 150 kW ha­ben. Scha­eff­ler hat in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren ei­ne Ab­tei­lung mit 1200 Mit­ar­bei­tern für die E-Mo­bi­li­tät auf­ge­baut. „Bis 2020, wenn wir mit un­se­ren E-Tech­no­lo­gie-Pro­duk­ten in Se­rie ge­hen, wer­den wir noch­mal so vie­le Mit­ar­bei­ter ein­stel­len“, er­wähnt Gutz­mer. Al­so In­ge­nieu­re Kauf­leu­te, Qua­li­täts­ma­na­ger, Pro­duk­ti­ons­kräf­te. Gutz­mer: „Wir sind da­bei, die­se Ein­heit als ei­ge­nen Ge­schäfts­be­reich zu de­fi­nie­ren.“Der An­trieb, den das Abt-Scha­eff­ler-Team für die kom­men­de Sai­son 2017/18 brin­gen wird (wenn Au­di of­fi­zi­ell als Werks­part­ner da­zu­stößt), läuft heu­te schon auf dem Prüf­stand. „Das muss er auch“, be­tont Pro­jekt­lei­ter Si­mon Opel, „denn wir müs­sen al­le Kom­po­nen­ten aus­tes­ten.“Das Wich­tigs­te ist, ei­nen noch ef­fi­zi­en­te­ren An­triebs­strang zu ent­wi­ckeln. Hier kon­zen­triert sich die For­schung stark auf das The­ma Ma­gnet­ma­te­ria­li­en. Aber auch Fer­ti­gungs-Tech­no­lo­gi­en, die Kühl-Tech­no­lo­gie und das Ther­mo-Ma­nage­ment sind The­men, die oben­drein für die Se­rie re­le­vant sind. Mit teu­rem, aber hoch­ef­fi­zi­en­tem Si­li­zi­um­car­bid wer­den die Halb­lei­ter in der Leis­tungs­elek­tro­nik nutz­ba­rer ge­macht – auch dies sind Kom­po­nen­ten, die auf ih­re Se­ri­en­taug­lich­keit ge­tes­tet wer­den. „Letzt­lich“, sagt Opel, „ist das gan­ze Pa­cka­ging sehr wich­tig. Schließ­lich müs-

sen al­le Kom­po­nen­ten in der Ge­trie­be­glo­cke Platz fin­den.“Der jun­ge In­ge­nieur Opel wie auch sein Chef Gutz­mer sind stän­dig auf der Su­che nach wei­te­ren Op­ti­mie­rungs­mög­lich­kei­ten und Lö­sun­gen. Auch wenn sie im Mo­ment sehr zu­frie­den aus­se­hen.

Si­mon Opel zeich­net bei Scha­eff­ler für Son­der­pro­jek­te im Motorsport ver­ant­wort­lich

Mit dem Fies­ta E-Wheel dri­ve zeigt Scha­eff­ler, wie sich An­triebs­tech­nik platz­spa­rend ins Rad ver­le­gen lässt

Wäh­rend die Kraft des Ver­bren­ners die Vor­der­rä­der an­treibt, wird beim De­mons­tra­ti­ons­fahr­zeug die elek­tri­sche 48-Vol­tHin­ter­ach­se mit ei­ner Leis­tung von 20 kW mo­bi­li­siert

Rad­na­ben­mo­tor: Elek­tri­scher An­trieb und Brem­se sind hier kom­pakt im Rad plat­ziert

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