Ge­spräch Die Abt/Scha­eff­ler-Pi­lo­ten Da­ni­el Abt und Lu­cas di Gras­si dis­ku­tie­ren über die The­men der Se­rie

Seit Be­ginn der For­mel E im Jahr 2014 sind Da­ni­el Abt und Lu­cas di Gras­si Kol­le­gen im Abt-Scha­eff­lerTeam. Im Dia­log mit­ein­an­der spre­chen bei­de über Ver­gan­gen­heit und Zu­kunft, Elek­tro­mo­bi­li­tät, die For­mel E und So­zia­le Me­di­en

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Abt: Lu­cas, du en­ga­gierst dich sehr stark für die For­mel E. Siehst du dich als ei­ne Art Mar­ken­bot­schaf­ter? Di Gras­si: Nicht wirk­lich, aber ir­gend­wie schon. Was ei­ni­ge Men­schen 2012 als Vi­si­on er­kann­ten – es ist ja kei­ne fünf Jah­re her –, dar­über wa­ren sich die Leu­te nicht so si­cher: Ist Elek­tro­mo­bi­li­tät die Zu­kunft? Auch ich ha­be da erst­mals ver­stan­den, was E-Mo­bi­li­tät be­deu­tet. Ich ha­be mich dann dar­über schlau ge­macht. Mir wur­de klar, dass ernst­haft be­trie­be­ner Motorsport ei­nes Ta­ges auch elek­trisch be­trie­be­ner Motorsport sein muss. Und dass E-Tech­no­lo­gie pro­mo­tet wer­den muss. Abt: Die Men­schen ha­ben jetzt schon das The­ma Elek­tro­mo­bi­li­tät viel bes­ser ver­stan­den, oder? Di Gras­si: Künf­tig wird es im Au­to­bau ei­nen Mix aus Ver­schie­de­nem ge­ben: E-Mo­bi­li­tät samt Brenn­stoff­zel­le, tra­di­tio­nel­le Ver­bren­nungs­mo­to­ren, Bio-Kraft­stof­fe. Aber der Motorsport muss ei­ne füh­ren­de Rol­le aus­üben, E-Mo­bi­li­tät zu pro­mo­ten. Zu­dem kann ich hier zwei Din­ge mit­ein­an­der kom­bi­nie­ren: den Renn­sport, den ich lie­be. Und ei­ne po­si­ti­ve Mes­sa­ge ver­brei­ten, um den Men­schen die E-Po­wer nä­her zu brin­gen.

Abt: Der Weg ist vor­ge­zeich­net, schon jetzt sind un­ter den zehn For­melE-Teams neun Her­stel­ler ver­tre­ten.

Di Gras­si: Und ab Sai­son 5, al­so 2018/19, sind es ver­mut­lich zwölf. Di Gras­si: Wie nimmst du E-Mo­bi­li­tät wahr? Abt: Wenn ich für mei­ne Ge­ne­ra­ti­on spre­chen darf, se­he ich zwei Pro­ble­me. Ers­tens – und das gilt nicht für mich: Ge­ne­rell ist sehr vie­len Men­schen in mei­nem Al­ter das Au­to nicht mehr so wich­tig wie frü­her. Vie­le Men­schen le­ben in gro­ßen Städ­ten. Ih­nen ist es gleich, ob sie mit dem ei­ge­nen Au­to fah­ren oder mit Bus und Bahn. Die Sicht­wei­se hat sich ge­än­dert.

Di Gras­si: und zwei­tens?

Abt: Mit sei­nem Image ist das Elek­tro­au­to noch nicht da, wo es sein soll­te. Die meis­ten Leu­te wol­len mit ei­nem, ich sa­ge mal: ÖkoI­mage nichts zu tun ha­ben. Sie den­ken, das sei nicht be­son­ders cool. Was na­tür­lich ab­so­lut nicht stimmt. Ich den­ke eher, dass sie ein­fach noch nicht mit ei­nem EAu­to ge­fah­ren sind. Aber wenn sie das Elek­tro­au­to erst­mals er­le­ben, drin sit­zen, be­schleu­ni­gen und Fahr­spaß ha­ben, dann wer­den sie auch wis­sen, wie so ein Au­to ab­geht. Und dann wer­den die Leu­te das E-Au­to auch mö­gen.

Di Gras­si: Dein Ur-Ur­groß­va­ter hat eu­re Fir­ma ja mit ei­ner Pfer­de­schmie­de ge­grün­det. Aber nichts ist so be­stän­dig wie Wan­del und Fort­schritt. Abt: Eben. Wan­del ist nor­mal. Des­halb ha­ben wir uns auch in der For­mel E mit un­se­rem Team en-

ga­giert. Nicht weil uns lang­wei­lig war, son­dern weil wir be­wusst in die­se Rich­tung woll­ten. Wir woll­ten in der Elek­tro-Tech­no­lo­gie Know­how sam­meln. Auch weil sie ei­ne wich­ti­ge Rol­le in un­se­rem Ta­ges­ge­schäft hat. Ich bin über­zeugt, dass man im Le­ben im­mer auf­ge­schlos­sen für Neu­es sein muss.

Di Gras­si: Die For­mel E geht neue We­ge, um über So­ci­al Me­dia neue Ziel­grup­pen zu er­rei­chen. Wie nimmst du dar­an teil?

Abt: Als die For­mel E be­gann, ge­schah dies mit ei­nem al­ter­na­ti­ven An­satz. Die so­zia­len Me­di­en sind ein sehr wich­ti­ger Part. Man woll­te jun­ge Men­schen wie uns an­lo­cken. Wir schau­en kaum noch Fern­se­hen. An­de­res ist wich­ti­ger ge­wor­den. Man muss un­ter­schied­li­che We­ge fin­den, um Leu­te für den Sport zu be­geis­tern. So­zia­le Me­di­en sind der Schlüs­sel da­zu. Die For­mel-E-Or­ga­ni­sa­ti­on för­dert das. Aber es gibt noch so viel, was wir tun kön­nen. Das se­he ich bei mir selbst.

Di Gras­si: Wie?

Abt: Ich ha­be an­ge­fan­gen, Vi­de­os zu ma­chen, die ich auf mei­nem YouTu­be-Chan­nel hoch­la­de. Der Im­pact ist grö­ßer, als man er­war­ten wür­de. Mitt­ler­wei­le ha­be ich 60.000 Fol­lo­wer. Kom­me ich heu­te et­wa auf ein DTM-Ren­nen, wer­de ich oft an­ge­spro­chen. Nicht weil ich ein wei­te­rer Renn­fah­rer bin, son­dern weil mich mei­ne Vi­de­os be­kann­ter ge­macht ha­ben. Und wenn ich dann sa­ge, For­mel E und Elek­tro-Mo­bi­li­tät sind cool, dann wer­den sich die­se Fol­lo­wer für die Se­rie in­ter­es­sie­ren. Ich glau­be, das wird künf­tig ei­nen wich­ti­gen Part spie­len – in der For­mel E und auch in je­dem an­de­ren Sport.

Abt: Du bist schon in so vie­len Ka­te­go­ri­en ge­fah­ren. Wie schwie­rig fin­dest du die For­mel E?

Di Gras­si: Das fra­gen mich vie­le, da die For­mel E doch nur 220, 230 km/ h Top­speed hat. Aber Speed ist re­la­tiv. Die For­mel-E-Se­rie wur­de ent­wi­ckelt, um auf en­gen, tem­po­rä­ren Stadt­kur­sen aus­ge­tra­gen zu wer­den. Der Grip-Le­vel ist sehr ge­ring. Der Pi­lot muss viel kom­ple­xe­re Sys­te­me be­die­nen, um sei­ne zur Ver­fü­gung ste­hen­de Ener­gie­men­ge von 28 kW pro Au­to zu ver­wal­ten. Zu­dem hat man nur ei­ne sehr ge­rin­ge Trai­nings­zeit. Die muss aber rei­chen, um sich an ei­ne meist sehr holp­ri­ge, sehr rut­schi­ge Stre­cke zu ge­wöh­nen, die sich zu­dem vor­her nicht trai­nie­ren lässt. Plus: Das Au­to lässt sich mit dem vol­len Dreh­mo­ment des E-Mo­tors sehr schwer fah­ren.

Abt: Wie viel E-Mo­bi­li­tät steht bei dir zu Hau­se in der Ga­ra­ge?

Di Gras­si: Mehr als du denkst. Ich ha­be vier E-Bi­kes. Zwei da­von ha­be ich so­gar selbst ge­baut. Die ha­be ich auch in Mon­te Car­lo im All­tags­ge­brauch. Dann be­sit­ze ich noch ein E-Skate­board. Und im Herbst be­kom­me ich ei­nen Au­di Q7 e-tron. Der ist schon be­stellt.

Di Gras­si: Und du?

Abt: Ich ha­be na­tür­lich auch ein Moun­tain-E-Bi­ke. Bei uns im All­gäu geht es ja steil die Ber­ge hin­auf. An­sons­ten muss ich pas­sen. Ich bin aber sehr scharf dar­auf, bald ein All­tags-E-Au­to zu fah­ren.

Di Gras­si: Wir kom­men jetzt nach Ber­lin, wo wir im ver­gan­ge­nen Jahr ge­mein­sam auf dem Po­dest stan­den.

Abt: Ich bin schon auf­ge­regt. Auch we­gen des Drum­herums. Im ver­gan­ge­nen Jahr konn­te ich mit mei­nem Ein­satz­au­to bis vor das Bran­den­bur­ger Tor fah­ren. Ich den­ke, wir wer­den wie­der viel Un­ter­stüt­zung der Fans be­kom­men.

No­tiert von Gre­gor Mes­ser

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