Gee­ly

Gee­ly drängt auf den Welt­markt, Vol­vo und Lo­tus hat der chi­ne­si­sche Kon­zern be­reits ge­kauft. Nun grün­det er mit Lynk & Co ei­ne neue in­ter­na­tio­na­le Mar­ke, die vie­les an­ders ma­chen will

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Mar­kus Bach

Mit der neu­en Mar­ke Lynk & Co wagt der chi­ne­si­sche Kon­zern den Schritt auf den Welt­markt

Der Na­me klingt wie ein Mo­de­la­bel. Doch Lynk & Co ist der nächs­te Ver­such der Chi­ne­sen, ei­ne welt­wei­te Au­to­mar­ke zu eta­blie­ren – nach dem Schei­tern von Land­wind und Bril­li­an­ce nun der nächs­te An­lauf. Aber die­ses Mal soll­te man die Chi­ne­sen ernst neh­men. Denn hin­ter der Mar­ke mit dem au­ßer­ge­wöhn­li­chen Na­men steckt der Au­to­her­stel­ler Gee­ly. Nie ge­hört? Kein Wun­der, denn Gee­ly ver­kauft sei­ne Au­tos fast aus­schließ­lich in Chi­na – 2016 rund 766.000 Fahr­zeu­ge. Im Ge­gen­satz zu den chi­ne­si­schen Staats­kon­zer­nen, die mit VW, To­yo­ta und Co. zu­sam­men­ar­bei­ten, ist Gee­ly ei­ne der größ­ten pri­va­ten Au­to­fir­men der Volks­re­pu­blik. Im Jahr 2010 trat der Kon­zern aus Hang­zhou erst­mals ins Licht der Welt­öf­fent­lich­keit, als die Chi­ne­sen Vol­vo über­nah­men. Wa­ren die Be­den­ken An­fangs groß, funk­tio-

niert die Zu­sam­men­ar­beit bis­her gut: Die neu­en Vol­vo-Mo­del­le sind bei den Kun­den be­liebt, die Ver­käu­fe der Schwe­den stie­gen seit 2012 um 26,6 Pro­zent. Gee­ly und Vol­vo grün­de­ten ein ge­mein­sa­mes Ent­wick­lungs­zen­trum in Gö­te­borg, in dem ei­ne kom­pak­te Platt­form, CMA ge­nannt, ent­stand. Aber da­zu spä­ter mehr. Und die Ein­kaufs­tour der Chi­ne­sen ging noch wei­ter: 2013 er­war­ben sie das Tra­di­ti­ons­un­ter- neh­men Lon­don Ta­xi – Gee­ly in­ves­tier­te rund 350 Mil­lio­nen Eu­ro in ein neu­es Werk in Co­ven­try und ent­wi­ckel­te ein elek­trisch an­ge­trie­be­nes, kom­plett neu­es Mo­dell, das 2017 star­ten soll. Vor we­ni­gen Wo­chen ge­lang dann der nächs­te Streich: Die Chi­ne­sen über­nah­men Pro­ton. An dem Her­stel­ler aus Ma­lay­sia war der fran­zö­si­sche PSA-Kon­zern eben­falls in­ter­es­siert. Mit Pro­ton be­kommt Gee­ly auch de­ren Toch­ter­mar­ke Lo­tus. Gee­ly selbst möch­te sei­nen Ab­satz – oh­ne die aus­län­di­schen Töch­ter – bis 2020 mehr als ver­dop­peln: Zwei Mil­lio­nen Fahr­zeu­ge sind das Ziel. Und hier kommt Lynk & Co ins Spiel. Da die Ver­ant­wort­li­chen um das ge­rin­ge Image chi­ne­si­scher Au­tos im Aus­land wis­sen, ist die neue Mar­ke be­tont glo­bal auf­ge­stellt. So er­in­nert das De­sign des ers­ten Se­ri­en­mo­dells Lynk & Co 01 et­was an das von Por­sche, ist aber viel ei­gen­stän­di­ger als das an­de­rer Chi­na-Au­tos. In­nen do­mi­niert ein gro­ßer Touch­screen, auch ein di­gi­ta­ler Ta­cho ist mit an Bord. Die Ver­ar­bei­tung wirkt für ein Chi­na-Mo­dell pas­sa­bel, das Platz­an­ge­bot ist or­dent­lich. Un­ter der Ka­ros­se­rie steckt die CMA-Platt­form, auf der auch die künf­ti­gen kom­pak­ten Vol­vo V 40 und XC 40 ste­hen. Das soll eu­ro­päi­sche Qua­li­tät und – noch wich­ti­ger – ein ho­hes Si­cher­heits­ni­veau ga­ran­tie­ren. Denn hier dür­fen sich die Chi­ne­sen kei­ne Blö­ße mehr ge­ben. An­ge­trie­ben wird der 01 von Vol­vo-Tur­bo­ben­zi­nern mit drei und vier Zy­lin­dern. Das Leis­tungs­spek­trum soll zum Markt­start von 148 bis 197 PS rei­chen. Spä­ter ist auch ein Plug-in-Hy­brid ge­plant. Kom­bi­niert wer­den die Ben­zi­ner mit ei­nem Sie­ben­gan­gDop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be, Front­an­trieb ist im 01 Se­rie, All­rad op­tio­nal zu ha­ben. Ge­baut wird das SUV in ei­ner Vol­vo-Fa­b­rik im chi­ne­si­schen Lu­qiao. Der ei­gent­li­che Clou: Die Chi­ne­sen bie­ten ei­ne le­bens­lan­ge Ga­ran­tie und ei­ne freie Kon­nek­ti­vi­tät für Erst­käu­fer an. Der 01 star­tet En­de des Jah­res in Chi­na, 2019 sol­len Eu­ro­pa und die USA fol­gen. Lynk & Co setzt da­bei nicht auf klas­si­sche Händ­ler, son­dern möch­te sei­ne Au­tos über das In­ter­net ver­trei­ben. Le­dig­lich Flagship-Sto­res sind in gro­ßen Städ­ten ge­plant. War­tung und Re­pa­ra­tur könn­ten die Vol­vo-Be­trie­be über­neh­men. Auch beim Preis geht die Mar­ke ei­ge­ne We­ge: Es soll kei­ne Kon­fi­gu­ra­ti­ons-Viel­falt, son­dern nur vier Aus­stat­tungs­li­ni­en ge­ben. Man will zu­dem mit Fest­prei­sen oh­ne Ra­bat­te ar­bei­ten. Nach dem 01 sol­len schnell wei­te­re Mo­del­le auf den Markt kom­men: zu­erst die be­reits als Stu­die ge­zeig­te Li­mou­si­ne 03, dann ein vier­tü­ri­ges Cou­pé. 2020 möch­te Lynk & Co welt­weit 500.000 Au­tos jähr­lich ver­kau­fen. Nicht schlecht für ein Mo­de­la­bel …

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