SUV

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Micha­el God­de FO­TOS Daniela Loof ]

Al­fa Ro­meo Stel­vio · Au­di Q5 · Por­sche Ma­can

Die Gi­u­lia hat Al­fa Ro­meo zu­rück ins Ram­pen­licht ka­ta­pul­tiert. Mit dem Stel­vio folgt nun der zwei­te Akt. Wie gut das neue SUV ist, muss es im ers­ten Ver­gleichs­test ge­gen die eta­blier­ten Kon­kur­ren­ten Au­di Q5 und Por­sche Ma­can be­wei­sen

Im Ver­gleich zu Q5 und Ma­can bie­tet der Stel­vio im In­nen­raum spür­bar mehr Platz

Die SUV sind das Schwei­zer Mes­ser der Au­to­mo­bil­in­dus­trie: Die ho­he Sitz­po­si­ti­on ver­schafft ei­ne gu­te Über­sicht, der va­ria­ble In­nen­raum mit Kom­bi­heck er­füllt na­he­zu al­le Trans­port­auf­ga­ben, or­dent­li­che Fe­der­we­ge sor­gen für gu­ten Kom­fort, und mit All­rad­an­trieb so­wie er­höh­ter Bo­den­frei­heit sind sie auch noch dort ein­satz­fä­hig, wo an­de­re Fahr­zeu­ge auf­ge­ben. So wie das Mul­ti­funk­ti­ons­werk­zeug den Weg in fast je­den Haus­halt ge­fun­den hat, so er­obern SUV die Ga­ra­gen der Re­pu­blik. Die Her­stel­ler pro­fi­tie­ren da­von: Der Ma­can ist Top­sel­ler der Schwa­ben, und auch der Q5 lässt bei Au­di die Kas­sen klin­geln. Die ho­hen Ein­stiegs­prei­se sor­gen für gu­te Er­trä­ge. Dar­an will auch Al­fa Ro­meo end­lich teil­ha­ben und legt sein neu­es Mul­ti­tool Stel­vio in die Aus­la­ge. Ob das ita­lie­ni­sche SUV mehr zu bie­ten hat als Au­di Q5 oder Por­sche Ma­can, klärt der Ver­gleichs­test.

Ka­ros­se­rie

Der Stel­vio bie­tet vor al­lem mehr Platz. Im Al­fa Ro­meo sind die Sit­ze wei­ter in die Fahr­zeug­mit­te ge­rückt – dass schafft ein an­ge­nehm luf­ti­ges Raum­ge­fühl mit viel Be­we­gungs­frei­heit für die Ell­bo­gen. Im Au­di und im noch schma­ler ge­schnit­te­nen Por­sche kom­men die In­sas­sen schnel­ler mit Tür und Dach­ein­zug in Kon­takt – das gilt auch für den Fond. Die groß­zü­gi­ge Bein­frei­heit im Fond des Al­fa geht zu Las­ten des La­de­vo­lu­mens bei auf­ge­stell­ter Fond­leh­ne. Je­doch bie­tet hier nur der Au­di ge­ring­fü­gig mehr. Legt man die Leh­ne um, glänzt auch der Stel­vio mit bis zu 1600 Li­tern – im­mer­hin 50 Li­ter mehr als der Au­di und gar 100 Li­ter mehr als der Por­sche . Zu­dem zeigt sein von der La­de­kan­te bis zu den Vor­der­sit­zen eben ver­lau­fen­der La­de­bo­den, dass die Funk­tio­na­li­tät bei Al­fa ei­nen hö­he­ren Stel­len­wert in der Ent­wick­lung er­hal­ten hat. In Q5 und Ma­can liegt die La­de­kan­te deut­lich hö­her als der Kof­fer­raum­bo­den, wo­durch das Her­aus­zie­hen sper­ri­ger Ge­gen­stän­de er­schwert wird. Auch bei der Be­die­nung bleibt Al­fa sach­lich und ori­en­tiert sich

per zen­tra­lem Dreh-Drück-Stel­ler am mus­ter­gül­ti­gen Be­dien­sys­tem von BMW. Al­ler­dings blei­ben ein­zel­ne Me­nü­punk­te den­noch oh­ne Rat aus der Be­die­nungs­an­lei­tung im Dun­keln. Selbst das kom­ple­xe­re Sys­tem des Q5 mit deut­lich mehr Me­nü­tie­fe lässt sich in­tui­ti­ver er­kun­den. Zu­dem nutzt nur Au­di die ein­fa­che Art, über das Touch­pad Na­vi­ga­ti­ons­zie­le oder Te­le­fon­num­mern per Fin­ger­strich ein­zu­ge­ben. Por­sche da­ge­gen setzt auf ei­ne Kom­bi­na­ti­on aus Touch­screen und ei­ner mit Tas­ten über­sä­ten Mit­tel­kon­so­le. Das ver­langt vom Fah­rer ins­be­son­de­re wäh­rend der Fahrt mehr Auf­merk­sam­keit als in Al­fa und Au­di. Wäh­rend beim Ma­can und beim Q5 die Sys­te­me je­der­zeit sta­bil und schnell ar­bei­ten, bleibt beim Stel­vio wäh­rend der Rou­ten­füh­rung schon mal der Kar­ten­auf­bau hän­gen – är­ger­lich bei un­über­sicht­li­chen Ver­kehrs­si­tua­tio­nen. Auch die Gra­fik, die farb­lich kei­nen Un­ter­schied zwi­schen Land­und Bun­des­stra­ßen oder Au­to­bah­nen macht, wirkt im Ver­gleich zu den hoch­wer­ti­gen Darstel­lun­gen der Kon­kur­renz über­holt. Bei der Si­cher­heits­aus­stat­tung ist der Stel­vio mit dem Ma­can dann wie­der auf Au­gen­hö­he. Al­ler­dings feh­len dem Ita­lie­ner und dem Schwa­ben un­ter an­de­rem As­sis­ten­ten, die den Qu­er­ver­kehr er­ken­nen und St­au­fol­ge­fahr­ten er­mög­li­chen. Der Au­di of­fe­riert hier mehr. Des­halb und dank der ma­kel­lo­sen Ver­ar­bei­tung si­chert sich der Q5 den ers­ten Ka­pi­tel­sieg vor dem neu­en Ita­lie­ner.

Fahr­kom­fort

Die Sorg­falt, mit der sich Au­di der Ver­ar­bei­tungs­qua­li­tät hin­gibt, las­sen die Bay­ern auch der Fahr­werks­ab­stim­mung zu­kom­men. Der Q5 bleibt un­ter al­len Um­stän­den trotz der 20-Zoll-Rä­der be­ein­dru­ckend sou­ve­rän. Auf Kan­ten, Wel­len oder Schlag­lö­chern prä­sen­tiert er sich im­mer ei­ne Spur ge­las­se­ner als der eben­falls mit op­tio­na­ler Luft­fe­de­rung aus­ge­stat­te­te Ma­can. Wie der Au­di zeigt auch der mit 21-Zöl­lern be­stück­te Por­sche ein aus­ge­spro­chen fein­füh­li­ges An­sprech­ver­hal­ten. Le­dig­lich die Gr­und­no­te ist spür­bar

Der Al­fa hat dank mehr Leis­tung und we­ni­ger Ge­wicht ge­gen Au­di und Por­sche

leich­tes Spiel

mehr auf Sport ge­trimmt als beim Au­di, des­sen kom­for­ta­bles Set-up ei­ne Spur bes­ser in den All­tag passt. Dem Al­fa fehlt im Ver­gleich das sen­si­ble An­sprech­ver­hal­ten der bei­den deut­schen SUV. Auf holp­ri­gen Pis­ten kommt der Süd­län­der schon mal ins Stu­ckern. Mit stei­gen­der Zu­la­dung bes­sert sich das An­spre­chen der Fe­der­ele­men­te al­ler­dings ein we­nig. Das op­tio­na­le ad­ap­ti­ve Dämp­fer­sys­tem war im Al­fa-Test­wa­gen üb­ri­gens nicht ein­ge­baut … Den Se­ri­en­sit­zen des Al­fa Ro­meo fehlt der fes­te Halt der op­tio­na­len Por­sche-Sport­sit­ze und auch der ge­die­ge­ne Langstre­cken­kom­fort der eben­falls auf­preis­pflich­ti­gen Sport­sit­ze des Au­di. Al­ler­dings ha­ben die Ita­lie­ner durch­aus Sport­sit­ze mit stark aus­ge­präg­ter Kon­tur im Pro­gramm – aber auch die­se hat un­ser Test­wa­gen nicht. Zur Ver­bes­se­rung der Ge­räusch­däm­mung lässt sich in der Al­faP­reis­lis­te kein Ex­tra fin­den. Por­sche und Au­di sind nicht zu­letzt dank Dop­pel­ver­gla­sung vor al­lem bei ho­hem Tem­po deut­lich lei­ser un­ter­wegs als der Stel­vio.

Mo­tor / Ge­trie­be

Das feh­len­de En­ga­ge­ment bei der Ab­stim­mung für ein sen­si­bles Fahr­werks-Set-up gleicht Al­fa mit ei­nem lei­den­schaft­lich sprit­zi­gen An­triebs­strang aus. Der Stel­vio för­dert nicht nur gie­ri­ge 28 PS und fül­li­ge 30 New­ton­me­ter mehr Dreh­mo­ment aus sei­nen Brenn­räu­men als Q5 und Ma­can, son­dern er wiegt auch noch über 100 Ki­lo­gramm we­ni­ger als die bei­den Ri­va­len. Und die­se Glei­chung geht zu­guns­ten des Ita­lie­ners voll auf: Er sprin­tet von null auf Tem­po 100 in nur 5,5 Se­kun­den. Schon hier hin­ken die bei­den deut­schen SUV mit über ei­ner hal­ben Se­kun­de chan­cen­los hin­ter­her. Der Vier­zy­lin­der des Ita­lie­ners hängt da­bei in al­len Dreh­zahl­be­rei­chen gie­ri­ger am Gas und legt auch ober­halb von 100 km/ h noch mäch­tig nach. Bei Tem­po 180 ist der Al­fa dem Q5 mit über zwei und dem Ma­can mit über vier Se­kun­den Vor­sprung be­reits da­von­ge­fah­ren. Dass der Por­sche zu­dem auch noch den höchs­ten Test­ver­brauch auf sei­nem Kon­to ver­bucht, ent­täuscht. Der Au­di be­nö­tigt mit neun Li­tern pro 100 km 1,2 Li­ter we­ni­ger als der Ma­can – der Stel­vio 0,9 Li­ter. Un­term Strich si­chert sich der Ita-

lie­ner hier sei­nen ers­ten Ka­pi­tel­sieg ganz knapp vor dem Au­di und sou­ve­rän vor dem Por­sche.

Fahr­dy­na­mik

Auch wenn es dem Ma­can mit Vier­zy­lin­der-Tur­bo am nö­ti­gen Biss fehlt, so ist er auf dem Hand­ling­par­cours nicht zu schla­gen. Er fährt in sei­ner ei­ge­nen Li­ga. Das auf Dy­na­mik ge­trimm­te Fahr­werks-Set-up macht das SUV ab dem ers­ten Ein­lenk­punkt zum Sport­wa­gen. Der Por­sche nimmt so viel Ge­schwin­dig­keit mehr mit in die Kur­ve, dass er den Rück­stand, den er auf der Ge­ra­den noch hat­te, schon am ers­ten Schei­tel­punkt auf­ge­holt hat. Da­bei bie­tet er ein in­ten­si­ves Feed­back, folgt je­dem Rich­tungs­wunsch sei­nes Fah­rers spon­tan, be­geis­tert mit ul­ti­ma­ti­ver Prä­zi­si­on, bleibt sto­isch in der Spur und be­sticht mit Ver­zö­ge­rungs­wer­ten auf Su­per­sport­wa­gen­ni­veau. Trotz sei­ner zu­rück­hal­ten­den Mo­tor­leis­tung hat er sei­ne Kon­kur­renz da­her schon nach ei­ner Run­de dü­piert. Der Al­fa kann die­ses Tem­po nicht mit­ge­hen, be­ein­druckt aber den­noch mit sei­nem si­che­ren Fahr­ver­hal­ten. Le­dig­lich die zu leicht­gän­gi­ge Len­kung sorgt für Un­ru­he beim Ein­len­ken. Dem Au­di fehlt da­ge­gen die Ba­lan­ce. Er drückt stär­ker über die Vor­der­ach­se nach au­ßen und zeigt bei Last­wech­seln ei­ne Ten­denz zum Über­steu­ern. Das beim Ita­lie­ner nicht ab­schalt­ba­re ESP wie­der­um bremst die­sen in der Sla­lom­gas­se et­was ein. Die da­durch ver­ge­be­nen Punk­te kann er selbst mit sei­nen gu­ten Warm­brems­wer­ten ge­gen­über dem Q5 nicht mehr aus­glei­chen.

Um­welt / Kos­ten

Wie Au­di und Por­sche will auch Al­fa mit dem Stel­vio Geld ver­die­nen, was der stol­ze Ba­sis­preis von 49.000 Eu­ro un­miss­ver­ständ­lich klar macht. Da­mit ist er nur 900 Eu­ro güns­ti­ger als der Q5. Der Ma­can spielt mit ei­nem Ein­stiegs­preis von 56.264 Eu­ro wie bei der Fahr­dy­na­mik al­ler­dings in ei­ner ei­ge­nen Li­ga. Wäh­rend es für den Stel­vio noch kei­ne On­li­ne-An­bin­dung gibt, bie­ten Au­di und Por­sche ein zeit­ge­mä­ßes Mul­ti­me­di­a­s­or­ti­ment an. Und so ent­puppt sich der Q5 in die­sem Ka­pi­tel als das at­trak­tivs­ten An­ge­bot. Al­fa Ro­meo hat mit dem Stel­vio 2.0 Tur­bo Q4 den rich­ti­gen Weg ein­ge­schla­gen. Das SUV punk­tet nicht nur mit viel Platz, son­dern de­mons­triert mit sei­nem leis­tungs­be­rei­ten An­triebs­strang ge­gen­über Au­di und Por­sche Stär­ke. Den­noch bleibt nur der drit­te Rang. Als Sie­ger ver­lässt der Au­di Q5 2.0 TFSI quat­tro den Platz. Er bringt den ge­lun­ge­nen Fahr­kom­fort mit, der dem Stel­vio fehlt. Zu­dem über­zeugt er mit sei­ner um­fas­sen­den Si­cher­heits­aus­stat­tung und ei­ner sou­ve­rä­nen Ver­ar­bei­tung. Der Por­sche Ma­can po­si­tio­niert sich da­zwi­schen. Er ist fahr­dy­na­misch un­schlag­bar und leis­tet sich den­noch kei­ne Schwä­chen beim Kom­fort. Der ho­he Preis und der ver­hal­te­ne An­trieb ver­hin­dern aber ein bes­se­res Er­geb­nis.

Der Stel­vio über­zeugt mit sehr si­che­rem und dy­na­mi­schem Fahr­ver­hal­ten Al­fa

Schi­cke Ar­chi­tek­tur mit weit­ge­hend or­dent­li­cher Ver­ar­bei­tung

1780 mm 920 mm 700 mm 945 mm Funk­tio­na­ler La­de­raum mit drei­ge­teil­ter Leh­ne und na­he­zu ebe­nem La­de­raum

Die Se­ri­en­sit­ze bie­ten we­nig Sei­ten­halt

Fahr­pro­gramm­reg­ler auf der Mit­tel­kon­so­le

Bei ho­hem Kur­ven­tem­po neigt der Q5 stär­ker zum Un­ter­steu­ern als sei­ne Ri­va­len Au­di

Hoch­wer­ti­ge Ver­ar­bei­tung mit viel­fäl­tig kon­fi­gu­rier­ba­ren Mo­ni­to­ren

1800 mm 1040 mm 790 mm 910 mm Prak­tisch: drei­ge­teil­te Leh­ne, aber kei­ne voll­stän­dig ebe­ne La­de­flä­che

Sit­ze mit sehr gu­tem Langstre­cken­kom­fort

Op­tio­nal in­di­vi­du­ell ein­stell­ba­res Set-up

FA­ZIT Micha­el God­de

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