SUV

Peu­geot po­si­tio­niert den 5008 neu: Die zwei­te Ge­ne­ra­ti­on ist kein bra­ver Fa­mi­li­en-Van mehr, son­dern ein statt­li­ches SUV. Zum ers­ten Kräf­te­mes­sen trifft der Fran­zo­se auf den Sko­da Ko­diaq

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Cas­par Win­kel­mann FO­TOS Frank Ra­te­ring ]

Peu­geot 5008 · Sko­da Ko­diaq

SUV- Mo­del­le ge­hö­ren bei den meis­ten Her­stel­lern klas­sen­über­grei­fend längst zum gu­ten Ton. Nur ei­ne kurz­fris­ti­ge Mo­de­er­schei­nung? Fehl­an­zei­ge, viel­mehr ei­ne Fahr­zeug­gat­tung mit enor­mem Zu­kunf­st­po­ten­zi­al. Auch Peu­geot surft flei­ßig auf der SUV-Wel­le und hat mit dem neu­en 3008 ge­ra­de ein fri­sches Cross­over­mo­dell auf den Markt ge­bracht. Die ers­te Ge­ne­ra­ti­on des gro­ßen 5008 stuf­ten die Fran­zo­sen noch als Van ein, durch den Mo­dell­wech­sel wird der Nach­fol­ger jetzt aber zum SUV – und zwar mit VanQua­li­tä­ten. Das be­deu­tet ei­ne deut­lich kan­ti­ge­re Ka­ros­se­rie mit farb­lich ab­ge­setz­ten Kunst­stoff­ver­klei­dun­gen an den Rad­häu­sern und wei­ter­hin gro­ßem La­de­raum so­wie op­tio­nal sie­ben Sitz­plät­zen. Wie es um die Qua­li­tä­ten des Neu­en be­stellt ist, klärt das ers­te Du­ell mit dem Sko­da Ko­diaq, den es eben­falls als Sie­ben­sit­zer gibt. Bei­de Ri­va­len tre­ten mit auf­ge­la­de­nen Vier­zy­lin­der-Ben­zi­nern, au­to­ma­ti­sier­ten Ge­trie­ben und Vor­der­rad­an­trieb an.

Ka­ros­se­rie

Wer im Cock­pit des 5008 Platz nimmt, der staunt zu­nächst über die auf­fäl­li­ge Gestal­tung der Mit­tel­kon­so­le, die auf den Ar­ma­tu­ren­trä­ger auf­ge­setz­ten Di­gi­talIn­stru­men­te und das in­zwi­schen mar­ken­ty­pisch klei­ne Vo­lant. In der ers­ten Rei­he kann das Rau­m­an­ge­bot noch durch­aus über­zeu­gen, al­ler­dings schrän­ken die wuch­ti­ge Kon­so­le so­wie die brei­ten Arm­auf­la­gen in den Tü­ren die Be­we­gungs­frei­heit ein. Der deut­lich nüch­ter­ner ein­ge­rich­te­te Sko­da of­fe­riert Fah­rer und Bei­fah­rer ne­ben ei­ner um über vier Zen­ti­me­ter grö­ße­ren In­nen­brei­te auch mehr Luft über dem Schei­tel. Noch grö­ßer fal­len die Un­ter­schie­de im Fond aus: Ab ei­ner Kör­per­grö­ße von 1,80 Me­tern neh­men die Peu­geot-Pas­sa­gie­re Kon­takt mit dem ver­gleichs­wei­se nied­ri­gen Dach­him­mel auf – auch ein Tri­but an das op­tio­na­le Pan­ora­ma­glas-

dach, das die In­nen­hö­he des Test­wa­gens et­was ein­schränkt. Zu­dem ver­knap­pen die un­güns­tig mon­tier­ten Klapp­ti­sche an den Vor­der­sitz­leh­nen den an­sons­ten zu­frie­den­stel­len­den Knie­raum ein. Platz­man­gel ken­nen Mi­t­rei­sen­de im Ko­diaq al­len­falls vom Hö­ren­sa­gen: Selbst Groß­ge­wach­se­nen ge­ben we­der Bein- noch Kopf­frei­heit An­lass zur Kla­ge. Üb­ri­gens: Die bei­den je­weils op­tio­na­len und im La­de­raum ver­senk­ba­ren zu­sätz­li­chen Sitz­ge­le­gen­hei­ten emp­feh­len sich hier wie dort vor al­lem für Kin­der – Er­wach­se­ne er­mü­den hier we­gen der kau­ern­den Kör­per­hal­tung durch das be­grenz­te Rau­m­an­ge­bot auf län­ge­ren Stre­cken schnell. Ein Trumpf des Peu­geot ist sein gi­gan­ti­sches Kof­fer­raum­vo­lu­men von 780 bis 1940 Li­tern. Zwar über­trifft der Sko­da mit 2065 Li­tern den Ma­xi­mal­wert des 5008, bei fünf­sit­zi­ger Kon­fi­gu­ra­ti­on schluckt der Ko­diaq (650 Li­ter) al­ler­dings we­ni­ger Ge­päck­stü­cke. Va­ria­bel sind bei­de SUV. So las­sen sich et­wa die hin­te­ren Sit­ze ver­schie­ben, und die Nei­gung der Sitz­leh­nen lässt sich va­ri­ie­ren. Den Trans­port sper­ri­ger Ge­gen­stän­de er­leich­tert je­weils – beim 5008 so­gar se­ri­en­mä­ßig – ei­ne Um­klapp­funk­ti­on der Bei­fah­rer­sitz­leh­ne. Wäh­rend der Ko­diaq 649 Ki­lo­gramm zu­la­den und bis zu 1,8 Ton­nen schwe­re An­hän­ger zie­hen darf, for­dert der Peu­geot bei der Zu­la­dung (556 kg) und ge­ra­de im Zug­be­trieb (1350 kg) mehr Zu­rück­hal­tung. Die Si­cher­heits­aus­stat­tung fällt hier wie dort um­fang­reich aus.

Weil Peu­geot den 5008 mit dem star­ken Ben­zin­mo­tor erst ab der Allu­re-Aus­stat­tung an­bie­tet, sind zum Bei­spiel Spur­hal­te- und Spur­wech­sel­as­sis­ten­ten be­reits se­ri­en­mä­ßig an Bord. Ko­dia­qKun­den müs­sen für die­se Hel­fer im Pa­ket 820 Eu­ro ex­tra be­zah­len – al­ler­dings in­klu­si­ve ei­ner für den Peu­geot nicht er­hält­li­chen Qu­er­ver­kehrs­war­nung. Und von ei­ner vor­aus­schau­en­de Crash­sen­so­rik samt Sei­ten­air­bags im Fond liest man auch nur in der Sko­daP­reis­lis­te (440 Eu­ro).

Fahr­kom­fort

Aus­rei­chend groß und straff ge­pols­tert prä­sen­tie­ren sich im 5008 die vor­de­ren Sit­ze, ein­zig der Sei­ten­halt ist im Sko­da bes­ser. Die drei Ein­zel­sit­ze im 5008-Fond bie­ten da­ge­gen deut­lich we­ni­ger Schen­kel­auf­la­ge als die Rück­bank des Ko­diaq. Des­sen Arm­auf­la­gen in den Tü­ren las­sen sich zu­dem bes­ser nut­zen. Gro­ße und pra­xis­ge­rech­te Abla­gen fin­den sich in bei­den Fa­mi­li­en-SUV, wo­bei der Ko­diaq so­gar gleich zwei Hand­schuh­fä­cher als Stau­raum an­bie­tet. Der Peu­geot kon­tert mit ei­nem rie­si­gen Fach un­ter der Mit­tel­arm­leh­ne, in dem auch 1,5-Li­terFla­schen Platz fin­den. In punc­to Fe­de­rungs­kom­fort kann sich der Neu­ling so­gar ab­set­zen: Sei­ne kon­ven­tio­nel­len Fe­derDämp­fer-Ele­men­te zei­gen sich selbst auf schlecht ge­teer­ten Stra­ßen schluck­freu­dig. Zu­dem schwingt der Peu­geot so­wohl bei ein­sei­ti­gen An­re­gun­gen als auch auf Qu­er­fu­gen nicht spür­bar nach. An­ders der Sko­da: Oh­ne ad­ap­ti­ve Fahr­werks­re­ge­lung fe­dert er trotz deut­lich straf­fe­rer Gr­und­ab­stim­mung zwar sen­si­bel an, wirkt beid­sei­tig an­ge­regt je­doch pol­t­rig – un­pas­send für ein gro­ßes SUV. Bo­den­wel­len wer­den oben­drein schon mal mit ver­nehm­ba­ren Aus­fe­der­be­we­gun­gen quit­tiert. Plus­punk­te sam­melt der Ko­diaq da­für mit sei­ner wir­kungs­vol­le­ren Ab­schot­tung ge­gen Ab­roll-, Wind- und Mo­tor­ge­räu­sche.

Mo­tor / Ge­trie­be

Mit ei­nem Test­ver­brauch von 8,3 Li­tern ist der 5008 ge­nüg­sa­mer als sein Ri­va­le (8,9 Li­ter). Bei Ge­schwin­dig­kei­ten von über 160 km/ h ver­lan­gen al­ler­dings bei­de SUV nach deut­lich mehr Kraft­stoff. Ob­wohl das 165 PS leis­ten­de 1,6-Li­ter-Trieb­werk des Peu­geot

Mit 9,4 Se­kun­den sprin­tet der Sko­da deut­lich schnel­ler auf Tem­po 100 als der Peu­geot

et­was stär­ker ist als der 1.4 TSI (150 PS) des Sko­da, fällt der Peu­geot bei der Be­schleu­ni­gung recht deut­lich zu­rück. Gan­ze 11,5 Se­kun­den ver­ge­hen, bis der im­mer­hin 46 kg leich­te­re Gal­li­er Tem­po 100 er­reicht hat. Sein Kon­tra­hent be­nö­tigt für die­se Übung nur 9,4 Se­kun­den. Dass der Mo­tor des Sko­da spon­ta­ner an­spricht, hat der Ko­diaq auch sei­nem stets hell­wach wir­ken­den und blitz­schnell schal­ten­den Sie­ben­gang-Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be zu ver­dan­ken. Die kom­fort­be­ton­te Wand­ler­au­to­ma­tik des Peu­geot wech­selt da­für sanf­ter durch ih­re sechs Fahr­stu­fen, kennt kein Ru­cken beim An­fah­ren und prä­sen­tiert sich beim Ran­gie­ren um­gäng­li­cher.

Fahr­dy­na­mik

Dy­na­mi­schen Am­bi­tio­nen steht das Ge­trie­be des 5008 je­doch im Weg, weil es ge­ra­de beim Her­aus­be­schleu­ni­gen aus Kur­ven zu­wei­len se­kun­den­lang in ei­ner zu ho­hen Fahr­stu­fe bei nied­ri­ger Dreh- zahl ver­harrt, ehe die pas­sen­de Über­set­zung ge­fun­den ist. Der ge­rin­ge Durch­mes­ser des Lenk­rads führt im Peu­geot zwar zu spar­sa­men Lenk­be­we­gun­gen – die­ses Ge­fühl von Agi­li­tät kann aber nicht über das recht be­hä­bi­ge Fahr­ver­hal­ten auf kur­vi­gem Ge­läuf hin­weg­täu­schen. Leicht­fü­ßi­ger prä­sen­tiert sich der Sko­da, des­sen Len­kung zu­dem ei­ne bes­se­re Rück­mel­dung gibt. Al­ler­dings stoppt den Ko­diaq beim Sla­lom sein sehr früh und ri­go­ros re­geln­des ESP. Top sind die Brems­wer­te des Tsche­chen: Mit war­mer An­la­ge steht er aus Tem­po 100 nach nur 33 Me­tern (Peu­geot: 35,1 Me­ter).

Um­welt / Kos­ten

33.600 Eu­ro kos­tet der Peu­geot in der reich­hal­ti­gen Allu­re-Aus­stat­tung – ex­akt 210 Eu­ro mehr als der gleich­falls gut aus­staf­fier­te Sko­da. Vor­tei­le hat der Ko­diaq auch bei den Un­ter­halts­kos­ten so­wie dank sei­ner bei­na­he lü­cken­lo­sen Mul­ti­me­dia-Aus­stat­tung.

Gut: Mit sei­nem sen­si­blen Fe­de­rungs­kom­fort emp­fiehlt sich der Peu­geot 5008 als Rei­se­wa­gen Peu­geot

Auf­fäl­li­ge Mit­tel­kon­so­le, klei­nes Lenk­rad: Das 5008-Cock­pit ist mu­tig de­signt

Die Di­gi­talIn­stru­men­te ge­fal­len mit sehr gu­ter Auf­lö­sung und viel­fäl­ti­gen An­zei­gen­in­hal­ten

805 mm 1000 mm 1941 mm 1165 mm 780 bis 1940 Li­ter Ge­päck pas­sen in das gro­ße La­de­ab­teil. Zu­la­dung: 556 Ki­lo­gramm

Die drei ein­stell­ba­ren Fond­sit­ze bie­ten we­nig Schen­kel­auf­la­ge

In punc­to Fahr­leis­tun­gen setzt sich der 150 PS star­ke Sko­da Ko­diaq deut­lich ab Sko­da

Schnör­kel­lo­ser, gut ver­ar­bei­te­ter und sehr ge­räu­mi­ger Sko­da-Ar­beits­platz

Nüch­ter­ner Sko­da, auf­fäl­li­ger Peu­geot: die Heck­an­sich­ten der statt­li­chen SUV

Die bei­den zu­sätz­li­chen Sit­ze in Rei­he drei eig­nen sich wie im Peu­geot vor al­lem für Kin­der

833 mm 1005 mm 1886 mm 1000 mm 650 bis 2065 Li­ter Ge­päck fasst der Ko­diaq, die Zu­la­dung fällt mit 649 Ki­lo statt­lich aus

Prak­tisch: Beim Öff­nen klappt der Tür­kan­ten­schutz aus

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