Re­por­ta­ge: Der neue Hon­da Ci­vic Ty­pe R mit 320 Tur­bo-PS fühlt sich auf der Nord­schlei­fe be­son­ders wohl …

Wo tes­tet man ei­nen neu­en Ci­vic Ty­pe R am bes­ten? Na­tür­lich dort, wo er sich laut Hon­da am wohls­ten fühlt – in der Ei­fel, am Nür­burg­ring. Ge­nau­er: auf der Nord­schlei­fe

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Paul Eng­lert FO­TOS Zbi­gniew Ma­zar ]

Stel­len Sie sich vor, App­le wür­de Ih­nen schon heu­te das neue iPho­ne zum Aus­pro­bie­ren in die Hand drü­cken. Ein­zi­ge Be­din­gung: Al­le neu­en Funk­tio­nen sind ta­bu – al­so nur te­le­fo­nie­ren, WhatsApps schrei­ben und Si­ri aus­fra­gen. So ähn­lich wä­re das ge­we­sen, hät­ten wir den neu­en Hon­da Ci­vic Ty­pe R meh­re­re Wo­chen vor der of­fi­zi­el­len Prä­sen­ta­ti­on nur ein biss­chen über die Au­to­bahn ge­scheucht, wä­ren mit ihm StVO-kon­form durch ein paar kur­vi­ge Land­stra­ßen ge­zu­ckelt oder hät­ten uns in ei­nen der ki­lo­me­ter­lan­gen Staus rund um Köln ge­stellt. Doch weil ers­tens der Nür­burg­ring nur ei­ne St­un­de von Köln ent­fernt liegt und zwei­tens die Ja­pa­ner erst kürz­lich ge­nau dort mit dem Ty­pe R in 7:43,8 Mi­nu­ten ei­nen neu­en Run­den­re­kord auf­ge­stellt ha­ben (für front­ge­trie­be­ne Se­ri­en­fahr­zeu­ge), dür­fen Sie ra­ten, was wir ge­macht ha­ben ... Nein, die Fa­bel­zeit des Test­fah­rers ha­ben wir nicht über­prüft, da­für aber al­les an­de­re am neu­en Ci­vic Ty­pe R – und zwar im Tou­ris­ten­fah­rerBe­trieb, bei dem der 20,832 Ki­lo­me­ter lan­ge Kurs zur maut­pflich­ti­gen Ein­bahn­stra­ße wird. Der Ty­pe R 2017 ist län­ger, brei­ter und fla­cher als sein noch gar nicht so al­ter Vor­gän­ger (Markt­start 2015) und bie­tet des­halb vor al­lem hin­ten et­was mehr Platz. Au­ßer­dem wur­de das Cock­pit kom­plett um­ge­räumt: Es wirkt nun we­ni­ger ver­spielt, über­sicht­li­cher, ist ein­fa­cher zu be­die­nen – aus­ge­nom­men das nach wie vor für Stirn­run­zeln sor­gen­de, weil un­prak­tisch zu hän­deln­de Mul­ti­me­di­a­sys­tem. Doch wir wol­len ja kei­ne Tas­ten, son­dern auf die Tu­be drü­cken. Al­so kon­zen­trie­ren wir uns auf die tech­ni­schen Neu­ig­kei­ten: et­wa die et­was kür­ze­re Ge­samt­über­set­zung des ma­nu­el­len Sechs­gang-Ge­trie­bes,die um 65 Mil­li­me­ter brei­te­re Spur an der Hin­ter­ach­se, die brei­te­re und nun 20 Zoll gro­ße Con­tiS­por­tCon­tact 6-Be­rei­fung. Oder auf den ab­ge­senk­ten Fahr­zeu­gSchwer­punkt, den ge­glät­te­ten Un­ter­bo­den, die 16-kg-Ge­wichts­re­duk­ti­on und die grö­ße­ren Brem­bo-Schei­ben. Das al­les, so Hon­da, soll den Ty­pe R noch schnel­ler und fahr­ba­rer ma­chen. Soll. Und wie ist das wirk­lich? Wir schnal­len uns in den eng an­lie­gen­den Sport­sit­zen fest, be­mer­ken, dass man nun tie­fer, aber im­mer noch nicht tief ge­nug sitzt – ob­wohl der Kraft­stoff­tank nicht mehr un­ter, son­dern hin­ter

Ver­rückt: Rei­se­bus und El­fer ge­mein­sam in der Lau­da-Kur­ve

ei­nem plat­ziert ist – und swit­chen vom eben­falls neu­en Com­fort-Mo­dus über Sport in die R-Fahr­stu­fe. So­fort ver­här­ten die ad­ap­ti­ven Dämp­fer, re­agiert der auf 320 PS er­stark­te Vier­zy­lin­der-Tur­bo mit zwei Li­ter Hu­b­raum noch sen­si­bler auf Gas­pe­dal-Be­we­gun­gen. Das AHASys­tem (Agi­le Hand­ling As­sist; ESP) bleibt ak­ti­viert. Wir rü­cken di­rekt vor bis zur Schran­ke an der Nord­schlei­fen-Zu­fahrt, che­cken per QRCo­de auf dem Smart­pho­ne ein (seit neu­es­tem kann man Ti­ckets auch per App kau­fen) und wär­men erst ein­mal die Rei­fen an. Zwei­ter Gang, drit­ter – die Gän­ge flut­schen nur so rein mit ul­tra­kur­zen Schalt­we­gen und per­fekt zur Hand lie­gen­dem Schalt­knauf. Erst ab Flug­platz las­sen wir den Ty­pe R rich­tig von der Lei­ne, wer­fen ihn ins Schwe­den­kreuz und ver­zö­gern

dann gen Arem­berg. Her­un­ter­schal­ten ist ein Kin­der­spiel, vor al­lem, weil man sich den Stepp­tanz auf der Pe­da­le­rie spa­ren kann: Die Mo­tor-Ge­trie­be-Steue­rung gibt Zwi­schen­gas. Schon nach kur­zer Zeit stel­len wir fest: Der Neue hat zwar beim Kur­ven­tem­po zu­ge­legt, sein Sperr­dif­fe­ren­zi­al sorgt in Kom­bi­na­ti­on mit den Con­ti-Pneus nach wie vor für ei­ne fan­tas­ti­sche Trak­ti­on am Kur­ven­aus­gang, und die Len­kung ist die ei­nes Ty­pe R wür­dig. Al­ler­dings be­wegt sich der auf fast 4,60 Me­ter Län­ge ge­wach­se­ne Kom­pak­te mit dem Heck er­staun­lich viel und wirkt auf den Ver­satz­stü­cken Ab­fahrt Fuchs­röh­re, beim Kerb­schnei­den im Hat­zen­bach oder in Rich­tung Schwal­ben­schwanz zap­pe­lig. Wir star­ten die zwei­te Run­de, le­gen et­was Tem­po drauf, fah­ren den Ty­pe R be­wusst här­ter, zwin­gen ihn in Kur­ven, statt ihn zu füh­ren. Und sie­he da: Als ha­be er nur auf Peit­schen­hie­be ge­war­tet, fügt sich das Flü­gel­we­sen plötz­lich, liegt spür­bar ru­hi­ger, sat­ter und gibt sich sei­nem Schick­sal hin. Fehlt al­so nur noch die Run­den­zeit. Beim nächs­ten Mal viel­leicht …

Rast vorm Aus­ras­ten: auf ei­nen Cap­pu­ci­no ins bunt be­mal­te Pad­dock-Ca­fé in Nür­burg, dann zur Nord­schlei­fe

Flü­gel­we­sen: Ge­schmacks­sa­che Hon­da-Heck. Doch die aus­ge­klü­gel­ten Areo-An­bau­ten ge­ne­rie­ren Ab­trieb

Schau­lau­fen: PS-Ge­sprä­che ge­hö­ren an der Nord­schlei­fen­zu­fahrt da­zu. Man(n) zeigt halt gern, was man hat

Hoch da­mit: Wenn der Schlag­baum nach oben schwingt, steigt der Puls um wei­te­re 50 Schlä­ge pro Mi­nu­te

End­lich auf­ge­räumt: Hier fin­den wir uns bes­ser zu­recht als im Vor­gän­ger

Wie­der Schnells­ter: Hon­da hol­te sich den Front­trieb­lerRe­kord zu­rück mit 7:43,8 min

Flie­gen­fried­hof: Hoch­druck­du­sche nach dem Test

Klei­nes Plus: Der Tur­bo­mo­tor leis­tet zehn PS mehr

Mit al­len Eh­ren: gro­ßes Nord­schlei­fen-Ab­zei­chen

Ab­ge­senkt: Die Sit­ze sind nun 25 mm tie­fer in­stal­liert

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