24h Nür­burg­ring Exot: Der Bo­li­de des US-Ma­gna­ten Ja­mes Gli­cken­haus sorg­te für Über­ra­schun­gen

Fast hät­te ein gel­ber Exot das 24h-Esta­blish­ment ge­rockt: Der Gli­cken­haus SCG003 C über­rasch­te am Ring

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Gre­gor Mes­ser

Könn­te es viel­leicht sein, dass je­der ex­trem au­to­ver­narr­te Mensch ir­gend­wann ein­mal sein ei­ge­nes Au­to­mo­bil bau­en und so sei­nen Traum ver­wirk­li­chen möch­te? Und wenn ei­ner dann auch noch ein gro­ßer Freund des Renn­sports ist und oben­drein den Nür­burg­ring mit sei­ner Nord­schlei­fe liebt, weil er ihn als ein­zig­ar­ti­ge Her­aus­for­de­rung be­trach­tet, dann ist das Re­sul­tat ein Su­per-Sport­wa­gen, wie ihn der US-Ame­ri­ka­ner Ja­mes Gli­cken­haus für sich hat bau­en las­sen. Die gel­be Flun­der heißt mit vol­lem Na­men SCG003 C. Ent­zif­fert be­deu­tet die­se No­men­kla­tur: Scu­de­ria Ca­me­ron Gli­cken­haus. Es ist das drit­te von Gli­cken­haus in Auf­trag ge­ge­be­ne Au­to­mo­bil-Pro­jekt, und das C steht für Com­pe­ti­zio­ne. Seit 2015 wird das Au­to, das sehr an ei­nen LMP-Pro­to­ty­pen er­in­nert, in der Langstre­cken-Meis­ter­schaft ein­ge­setzt. Der klei­ne wie auch der ganz gro­ße Er­folg sind bis­lang aus­ge­blie­ben. Al­so al­les ei­ne Fra­ge der Zeit? Beim sechs­stün­di­gen Qua­li­fi­ka­ti­ons­ren­nen für die 24h wä­re es En­de April fast so­weit ge­we­sen. Doch nur 20 Mi­nu­ten vor Ren­nen­de führ­te das Ver­sa­gen der Brems­an­la­ge zum Crash. Aber die Ku­gel war im Lauf: Beim 24-St­un­den-Ren­nen stell­te der na­he­zu un­be­kann­te Ame­ri­ka­ner Jeff West­phal den SCG003 C – je­der nennt das Au­to üb­ri­gens Gli­cken­haus – auf die pres­ti­ge­träch­ti­ge Po­le Po­si­ti­on. In­ner­halb von nur fünf Wo­chen ver- setz­te das Au­to das Nord­schlei­fenEsta­blish­ment er­neut in Schock. Da­bei war mit dem Er­folg frü­her oder spä­ter zu rech­nen ge­we­sen. Die Trieb­fe­der hin­ter dem Pro­jekt bil­den zwei Män­ner: In­ge­nieur Pao­lo Ga­rel­la, der lan­ge Zeit erst in der Rei­fen­in­dus­trie und dann beim De­sign­stu­dio Pinin­fa­ri­na tä­tig war – und na­tür­lich Ja­mes Gli­cken­haus him­s­elf. Der Cow­boy­hut-Fan ent­stammt ei­ner Fa­mi­lie aus dem In­vest­ment-Busi­ness. Sein Va­ter Seth hat­te es zum Mil­li­ar­där ge­bracht, Ja­mes Gli­cken­haus je­doch eta­blier­te sich als Film­pro­du­zent und Re­gis­seur, meist von Ac­tion­thril­lern. Gleich­zei­tig wuchs in ihm das Ver­ständ­nis für schö­ne Au­to­mo­bi­le, was ei­ner net­ten Samm­lung be-

son­de­rer Old­ti­mer den Weg be­rei­te­te, gleich­zei­tig aber auch das Be­dürf­nis nach ei­ge­nen Krea­tio­nen för­der­te. So ließ der Fer­ra­ri-Fan 2011 auf der Ba­sis ei­nes GT2-Fer­ra­ri F430 ei­nen wun­der­ba­ren Fer­ra­ri P4/5-Retro-Ren­ner bau­en. Beim SCG003 C frei­lich han­delt es sich um ei­ne kom­plet­te Ei­gen­kon­struk­ti­on. Das Koh­le­fa­ser- Mo­no­co­que wiegt nur 105 Ki­lo­gramm und bil­det die Grund­la­ge für ei­ne auf der Nord­schlei­fe an­sons­ten un­be­kann­te Renn­wa­gen-Gat­tung: Hier wur­de ein Le Mans-Pro­to­ty­pen-Kon­zept für ein GT-Au­to an­ge­wandt. Er­go star­tet der Flach­mann – 1108 Mil­li­me­ter hoch – in der SP-X-Klas­se, in der gro­ße tech­ni­sche Frei­hei­ten herr­schen.

Lan­ge nach Mo­tor ge­sucht

Rund 100 CFD-Mo­del­le wur­den durch­ge­spielt, be­vor sich Meis­ter Ga­rel­la für den Bau der jet­zi­gen Ver­si­on ent­schied. Be­son­de­ren Wert leg­te der In­ge­nieur auf das ae­ro­dy­na­mi­sche Kon­zept: Ein ho­her Ab­trieb bei ge­rin­gem Luft­wi­der­stand lau­te­te die Vor­ga­be. Bei Tem­po 180 ge­ne­riert der SCG003 C 900 Ki­lo­gramm Ab­trieb. Beim Trieb­werk be­kam die USRenn­ab­tei­lung von Hon­da (HPD), den Zu­schlag – auch weil Chrys­ler, Nis­san und Ford sich nicht in der La­ge sa­hen, die An­fra­ge von Gli­cken­haus zu be­die­nen. 70.000 Eu­ro kos­te­te der 3,5-Li­ter-V6-Bi­tur­bo, der oh­ne die dros­seln­de BoP-Ein­stu­fung 680 PS leis­tet, in luft­men­gen­be­grenz­ter Ein­stel­lung je­doch kaum mehr als 550 PS an die Hin­ter­ach­se bringt. Am Ring sah nur ein SCG003 C das Ziel – als 19. nach ei­ni­gen Pro­blem­chen. Die an­fangs von der Po­le Po­si­ti­on füh­ren­de Start­num­mer 704 flog nach 19 St­un­den am Flug­platz ab. Te­am­chef Gli­cken­haus lässt sich nicht ent­mu­ti­gen: „Wir kom­men wie­der.“

Pu­re Renn­wa­gen­tech­nik: Der 3,5-Li­ter-V6-Bi­tur­bo von Hon­da leis­tet 680 PS

Ein GT-Ren­ner im LMP-De­sign: Der SCG003 C be­weist ae­ro­dy­na­mi­sche Ef­fi­zi­enz

Oft mit Son­nen­bril­le, im­mer mit Hut: Ja­mes Gli­cken­haus er­füll­te sich den Traum vom ei­ge­nen kon­kur­renz­fä­hi­gen Sport­wa­gen

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