Vol­ker Strycek Por­trait des Motorsport-Tau­send­sas­sas

1976 be­stritt Vol­ker Strycek erst­mals das 24-St­un­denRen­nen auf dem Nür­burg­ring. Der Motorsport-Tau­send­sas­sa star­te­te nun schon zum 40. Mal beim Langstre­cken-Klas­si­ker

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Gre­gor Mes­ser

So wie es ganz frü­her in der Wer­bung über den VW Kä­fer im­mer hieß „Er läuft und läuft und läuft“, so lässt sich das Zi­tat auf Vol­ker Strycek um­dich­ten in „Er rennt und rennt und rennt“. Bei der 45. Aus­ga­be des Langstre­cken­klas­si­kers stand Strycek zum 40. Mal am Start. Ei­ne ein­zig­ar­ti­ge Sta­tis­tik. Bei sei­ner ers­ten Teil­nah­me 1976 – mit 18 Jah­ren – durf­te der ge­bür­ti­ge Es­se­ner nur mit Son­der­li­zenz star­ten. Er er­füll­te sich da­mit den Traum, der ihn schon nach sei­nem ers­ten Trip an die Nord­schlei­fe als klei­ner Bub fort­an um den Schlaf ge­bracht hat­te: Der Traum von Nür­burg­ring und Nord­schlei­fe und dar­auf Ren­nen zu fah­ren, hat sich schon längst von der Pro­fes­si­on in die Pas­si­on ge­mor­pht. „Wer hat schon die Chan­ce, 40 Jah­re lang das 24h-Ren­nen zu be­strei­ten?“, wirft Strycek in

den Raum, und das Glück, das er bei dem Ge­dan­ken emp­fin­det, ist ihm deut­lich an­zu­mer­ken. Na­tür­lich kann Strycek un­ge­zähl­te An­ek­do­ten er­zäh­len: vom frü­hen Aus in der ers­ten St­un­de bis zum er­nüch­tern­den Fi­nish 2007, als sein Team in Füh­rung lag, der Co-Pi­lot aber in der Schluss­run­de in ei­nem lang­sam dem Ziel ent­ge­gen­krie­chen­den Pulk ein­ge­klemmt war, wor­auf der Ver­fol­ger dreist über die Gras­nar­be der letz­ten Kur­ve drif­te­te. Der Klas­sen­sieg ging mit kaum 50 Me­ter Rück­stand ver­lo­ren. Doch es sind fast nur gu­te Er­in­ne­run­gen, die Strycek an die Nord­schlei­fe und an das „Ren­nen al­ler Ren­nen“be­hal­ten hat. Die 24 St­un­den und die Nord­schlei­fe sind je­des Mal ei­ne neue Her­aus­for­de­rung, je­des Mal ei­ne neue Er­fah­rung, je­des Mal ein hef­ti­ger Schub Ner­vo­si­tät wie beim ers­ten Start – und je­des Mal ei­ne be­son­de­re Form von Pri­vi­leg: „Mit das Wich­tigs­te ist: Du darfst nie den Re­spekt vor der Nord­schlei­fe ver­lie­ren.“Als Ama­teur hat der aus­ge­bil­de­tet Kfz-Meis­ter den Nür­burg­ring ken­nen­ge­lernt, lan­ge ging er als Pro­fi an den Start, nun ist er längst wie­der als Ama­teur da­bei. 2003, als die Rüs­sels­hei­mer noch un­ter Stryceks Ägi­de als Opel-Sport­chef im Spit­zen­sport un­ter­wegs wa­ren, hol­te er im DTM-As­tra den Ge­samt­sieg. „Die­sen Er­folg stel­le ich noch über mei­nen Ti­tel­ge­winn 1984 in der DTM“, un­ter­streicht Strycek das größ­te High­light sei­ner Kar­rie­re. „Wenn ich nur dar­an den­ke, be­kom­me ich so­fort Gän­se­haut.“

Fa­mi­li­en­team als Stei­ge­rung

Es war ein Tri­umph, den ihm je­der ge­gönnt hat­te, vor al­lem die vie­len Fans rund um die Nord­schlei­fe, die in dem bo­den­stän­di­gen Opelaner im­mer ei­nen of­fe­nen An­sprech­part­ner mit rau­schen­dem Herz­blut für den Motorsport fin­den. Da­zu ge­hört frei­lich, dass Strycek nun­mehr seit 2005 zur Stamm­trup­pe des Kiss­lin­gMan­ta zählt, der eu­ro­pa­wei­ten Kult­sta­tus ge­nießt. „ Auch dar­auf mit­fah­ren zu dür­fen, ist ein tol­les Pri­vi­leg“, be­tont Strycek. Es gibt aber noch ei­ne Stei­ge­rung zum Sieg 2003: „Mit den ei­ge­nen Kin­dern an­zu­tre­ten.“Team Strycek gibt es seit 2015. Va­ter Vol­ker kauf­te ei­nen ge­brauch­ten As­tra und rich­te­te ihn mit Toch­ter Le­na und Sohn Ro­bin für die Klas­se VT2 (Pro­duk­ti­ons­wa­gen mit Tur­bo­mo­tor bis zwei Li­ter) her. Le­na hat sich ihr fah­re­ri­sches Rüst­zeug im OPC Ra­ce Camp er­ar­bei­tet. Sie gilt bei schwie­ri­gen Be­din­gun­gen als sehr schnell. Ro­bin wie­der­um ist ein Kan­di­dat des För­der­sys­tems dmsj vom Deut­schen Mo­tor Sport Bund. Beim letz­ten 24-St­un­den-Ren­nen muss­te der Fi­li­us zwar krank­heits­be­dingt zu­rück­ste­cken, doch 2018 wird Fa­mi­lie Strycek wie­der ge­mein­sam an­grei­fen – wie schon 2016. „Ro­bin ist mir vom Speed schon sehr na­he“, sagt der Se­ni­or, der selbst noch so lan­ge fah­ren will, „bis ich das Tem­po nicht mehr hal­ten kann“. Strycek, der Dau­er­ren­ner, be­teu­ert aber auch: „Mein Feu­er brennt noch. Doch ich wer­de mich hü­ten, nach Aus­re­den zu su­chen, soll­te ich ei­nes Ta­ges zu lang­sam sein.“

Mit Toch­ter Le­na vor dem Start: Ge­mein­sam hol­ten sich die Stryceks den VT2-Klas­sen­sieg

Im­mer da­bei: Ehe­frau Mag­gie ist bei je­dem 24-St­un­den-Ren­nen der ru­hen­de Pol hin­ter den Ku­lis­sen

Re­la­xed in der Start­auf­stel­lung im Fa­mi­ly-Ren­ner: Die Ner­vo­si­tät vor dem 24h-Ren­nen lässt sich Strycek bei sei­nem 40. Start nicht an­mer­ken

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.