Mit fein auf­lö­sen­der Len­kung die Korn­grö­ße im As­phalt be­stim­men

AUTO ZEITUNG - - SPORTS & LUXURY CARS -

Z wi­schen Ca­s­tel­la­ne und La Pa­lud schart sich das Ru­del um den An­füh­rer. Und so­fort bricht wie­der die De­bat­te los: Wer hat das Zeug zum „Sport­wa­gen des Jah­res 2017“? Es geht tur­bu­lent zu. Laut, bunt und lau­nig. AU­TO ZEI­TUNG-Chef Vol­ker Ko­erdt will je­doch Er­geb­nis­se: „Der 911 ist das kom­plet­tes­te, bes­te Au­to. Nach wie vor. Ein­wän­de?“Be­tre­te­nes Schwei­gen. Lang­sam las­sen Ur­ban­ke und God­de den Kol­le­gen Reh­mann aus dem Schwitz­kas­ten, weil der wie­der über den McLa­ren ge­läs­tert hat, Mar­cel Küh­ler hört auf, den Fer­ra­ri zu strei­cheln, und Jür­gen Voigt, der die gan­ze Zeit den Hon­da NSX an­schmach­tet, schaut jetzt ir­ri­tiert auf. Por­sche? Hat­ten wir ei­nen Por­sche da­bei?

Po­po­me­ter und Er­fah­rungs­wer­te

Horst von Saurma as­sis­tiert dem Chef: „Der 911 Tur­bo S ist aus­ge­reift und feh­ler­los. Was die Ent­wick­lungs­tie­fe an­geht, ver­mut­lich das bes­te Au­to der Welt.“Zwölf Köp­fe ni­cken zu­stim­mend, aber oh­ne er­kenn­ba­re Eu­pho­rie. Stil­le. Vo­gel­zwit­schern. Fü­ße schar­ren im Kies. Dann kommt der Ein­wurf: „Letz­tes Jahr hat­ten wir bei Wei­tem nicht so vie­le über­zeu­gen­de Au­tos da­bei. Die­ses Jahr geht es auf den ers­ten fünf Plät­zen zu wie in der DTM: Al­le mit Sieg­chan­ce, al­le der Wahn­sinn. Und to­tal auf­re­gend. Das könn­te für den per­fek­ten Por­sche eng wer­den.“Nach­denk­li­che Stil­le. Köp­fe wer­den zu­sam­men­ge­steckt. Dann tra­gen die al­ten, wei­sen Ha­sen auf ih­rer Lis­te ganz oben auf Platz eins „Por­sche 911 Tur­bo S“ein und un­ter­strei­chen das Rot. Der Rest an­gelt ver­stoh­len nach Fer­ra­ri-, Lam­bor­ghi­ni-, oder AMG-Zünd­schlüs­seln. Denn der „Sport­wa­gen des Jah­res“ist eben vor al­lem ei­nes: Her­zens­sa­che. Es zäh­len die Mo­men­te des Er­kennt­nis­ge­winns auf ei­ner ta­ge­lan­gen, lei­den­schaft­lich ab­sol­vier­ten Fahrt über ei­ne der se­lek­tivs­ten Sport­wa­gen-Test­stre­cken Eu­ro­pas: auf der Au­to­bahn bis Mon­te Car­lo, dann Ral­ly­e­stre­cken durch die See­al­pen, quer durch die Hoch-Pro­vence, das En­de ir­gend­wo zwi­schen Gre­no­ble und Lyon. Am Schluss bleibt dann die­ser Mo­ment im Fer­ra­ri 488 GTB kurz vor Son­nen­un­ter­gang: wild wir­beln­de, schma­le Stra­ße, ein Tur­boV8, der knur­rend vor­an­peitscht, so schnell

und un­mit­tel­bar und re­ak­ti­ons­stark und vor al­lem flamm­heiß-bra­chi­al, dass man er­grif­fen und bis ins Mark ver­stört da­hin­fährt. Pu­re Be­geis­te­rung. Die­se spie­le­ri­sche, selt­sam in sich ru­hen­de und gleich­zei­tig völ­lig ent­hemm­te, ex­plo­si­ve Leich­tig­keit. Die­ses Au­to muss auf der Stel­le an Platz eins ge­setzt wer­den. Kann gar nicht an­ders! Aber dann ist da ja noch Ki­lo­me­ter 1237 im McLa­ren 570GT, in dem du ganz sau­gend in­te­griert bist, das Au­to um dich her­um spürst wie ei­nen at­men­den Or­ga­nis­mus – und das, wo der Mac doch sonst den tech­no­iden Charme ei­ner Jagd­ma­schi­ne aus ei­nem Sci­ence Fic­tion-Thril­ler ver­strömt, herz­er­grei­fend emo­ti­ons­los. Kla­res, de­stil­lier­tes Voll­stre­cken mit ei­ner prä­zi­sen Len­kung, die so fein auf­löst, dass man je­der­zeit die As­phal­tKorn­grö­ße be­stim­men kann, ei­ner Fe­de­rung, die zum Hin­kni­en gut an­spricht und ei­nem Mo­tor, der den „sweet spot“aus Fahr­bar­keit und schwer­kraft­ver­nei­nen­dem An­tritt ide­al ver­bin­det. Sa­gen­haf­te, spek­ta­ku­lä­re Au­ra! Schwie­ri­ger macht es ei­nem der Lam­bor­ghi­ni Aven­ta­dor S, in dem nie­mand wirk­lich gut sitzt, der ei­ne mi­se­ra­ble Über­sicht­lich­keit hat und der al­len tat­säch­lich zu ope­ret­ten­haft dra­ma­tisch ist. Aber dann ist da eben die­se hal­be St­un­de oben in den Ber­gen: Mit of­fe­nen Sei­ten­schei­ben über den Pass to­ben, hin­ter uns bricht sich das Echo des V12Sounds, ein For­mel-1-Ren­ner aus der Höl­le. Bi­zar­re Be­schleu­ni­gung und – der Aven­ta­dor S hat ja jetzt Hin­ter­rad­len­kung – tat­säch­lich so et­was wie Hand­ling, Du kannst gar nicht an­ders als kom­plett durch­zu­dre­hen. Ir­gend­wann brüllst du: „Ver­dammt, wir wer­den

Ab­schied von der CÔ­te d’Azur hin­ter Mon­te Car­lo: Ab jetzt nur noch Kur­ven

Su­per­star­ke Bren­ner aus Ita­li­en: Lam­bor­ghi­ni Aven­ta­dor S und Fer­ra­ri 488 GTB

40.000 Eu­ro güns­ti­ger und deut­lich auf­re­gen­der: Der neue AMG GT R macht dem 911 das Sie­gen schwer

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