Kei­ne Re­al-Politik

Vor den Bun­des­tags­wah­len im Sep­tem­ber ver­su­chen die Par­tei­en, ihr Pro­fil zu schär­fen. Da bleibt auch die Ver­kehrs­po­li­tik nicht au­ßen vor. Die Grü­nen wol­len nun ab 2030 kei­ne Ver­bren­nungs­mo­to­ren mehr zu­las­sen

AUTO ZEITUNG - - MEINUNG - Vol­ker Ko­erdt, Chef­re­dak­teur

Al­le vier Jah­re wie­der geht es vor ei­ner Bun­des­tags­wahl hoch her. Es wird viel ver­spro­chen und ver­kün­det – ob es wirk­lich um­setz­bar ist, in­ter­es­siert nach der Wahl kei­nen mehr. So sind es in die­sem Jahr vor al­lem die Eu­ro-5-Die­sel, bei de­nen in po­li­ti­schen Dis­kus­sio­nen Rauch auf­steigt. Der Die­sel- Skan­dal spal­tet die Par­tei­en. Die Grü­nen for­dern, nun ab 2030 nur noch Elek­tro­fahr­zeu­ge zu­zu­las­sen. Zwei­fels­oh­ne ge­hört der Elek­tro­mo­bi­li­tät ein Groß­teil der mo­bi­len Zu­kunft. Si­cher stimmt auch je­der dem Ziel zu, dass Stick­oxi­de und CO2-Emis­sio­nen der Ver­bren­ner deut­lich ge­senkt wer­den müs­sen. Doch ab 2030 nur noch Elek­tro­fahr­zeu­ge zu­las­sen zu wol­len, ist un­sin­nig, da ein Groß­teil des In­di­vi­du­al­ver­kehrs zum Er­lie­gen kä­me. Denn Ex­per­ten ge­hen da­von aus, dass bis zu die­sem Zeit­punkt le­dig­lich rund 25 Pro­zent der Neu­zu­las­sun­gen ein E-Au­to sein wer­den – fast Drei­vier­tel al­so wer­den mit ei­nem Ver­bren­ner aus­ge­stat­tet sein, vie­le si­cher mit Plug-in-Sys­te­men. Die Elek­tro­mo­bi­li­tät steht vor Her­aus­for­de­run­gen, die bis da­hin nicht ge­löst sein wer­den. Selbst wenn ei­ne flä­chen­de­cken­de In­fra­struk­tur von Strom-Tank­stel­len auf­ge­baut sein soll­te, bleibt im­mer noch das Pro­blem der lan­gen La­de­zeit – man stel­le sich vor, wel­che Schlan­gen sich in der Ur­laubs­zeit an den Au­to­bahn­tank­stel­len bil­den wür­den. SUV mit Pfer­de­und Boots­an­hän­ger, Pkw mit Wohn­wa­gen oder auch gro­ße Tei­le des Schwer­last­ver­kehrs wer­den bis 2030 si­cher nicht elek­trisch fah­ren kön­nen: Das ho­he Ge­wicht der Elek­tro- au­tos re­du­ziert nicht nur die An­hän­ge­last, son­dern auch die Zu­la­dung. Viel sinn­vol­ler wä­re es, wenn man ei­ne „dua­le“Ver­kehrs­po­li­tik be­trei­ben wür­de – das heißt Ver­bren­nungs­mo­to­ren wie Die­sel so­wie Ben­zi­ner wei­ter­zu­ent­wi­ckeln und ne­ben den Elek­tro­fahr­zeu­gen zu ak­zep­tie­ren. Schließ­lich kön­nen auch die Ver­bren­nungs­mo­to­ren noch deut­lich sau­be­rer wer­den – sei es durch syn­the­ti­sche Kraft­stof­fe, die kein fos­si­les CO2 emit­tie­ren und weit­ge­hend oh­ne Fe­in­stau­be­mis­sio­nen ver­bren­nen. Vor al­len Din­gen soll­te man sich von dem Ge­dan­ken ver­ab­schie­den, den Die­sel­mo­tor zu ver­teu­feln.

Die Kli­ma­zie­le sind oh­ne den Die­sel nicht zu er­rei­chen

Oh­ne mo­der­ne Eu­ro-6-Die­sel wer­den die Kli­ma­zie­le in Sa­chen CO2-Aus­stoß nie und nim­mer er­reicht wer­den. Auch der Um­gang mit dem viel ge­schol­te­nen Eu­ro-5-Die­sel soll­te se­riö­ser sein. Jetzt ste­reo­typ Fahr­ver­bo­te zu for­dern und Mil­lio­nen von Kun­den, die im gu­ten Glau­ben vor noch nicht all­zu lan­ger Zeit solch ein Au­to er­wor­ben ha­ben, aus den In­nen­städ­ten zu ver­ban­nen, ver­ur­sacht ne­ben ei­nem volks­wirt­schaft­li­chen Scha­den auch ei­ne Zwei­klas­sen­ge­sell­schaft. Statt­des­sen soll­ten die Eu­ro-5-Die­sel un­ter Hoch­druck um­ge­rüs­tet wer­den. Die Fir­ma Bau­mot Group – ehe­mals Twin­tec – macht es der­zeit vor – sie ent­wi­ckelt für vie­le Eu­ro-5-Die­sel be­reits Nach­rüst­mög­lich­kei­ten, um den NOX-Aus­stoß deut­lich zu ver­rin­gern. Ob und für wen der Die­sel der­zeit ei­ne Kauf­op­ti­on ist, le­sen Sie ab Sei­te 116.

Kein Zug­fahr­zeug: Für das Tes­la Mo­del S gibt es kei­ne An­hän­ger­kupp­lung, und sei­ne Zu­la­dung liegt auf dem Ni­veau ei­nes Klein­wa­gens wie dem Hy­un­dai i10

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