Die 23 St­un­den von Le Mans

Über ei­ne St­un­de lang stand der Por­sche Num­mer zwei zur Re­pa­ra­tur in der Box. Dass er den­noch sieg­te, ver­dank­te er den Aus­fäl­len der Kon­kur­renz – und ei­ner ir­ren Auf­hol­jagd

AUTO ZEITUNG - - SPORT · 24 STUNDEN LE MANS - Gregor Mes­ser

Letzt­lich kreuz­te wie­der Por­sche als Sie­ger auf: Ti­mo Bern­hard führ­te das Au­to mit der Num­mer zwei zum 19. Le Mans-Sieg für Zuf­fen­hau­sen. Zwei 919 Hy­brid und drei To­yo­ta TS050 woll­ten das Ren­nen un­ter sich aus­ma­chen. Doch kei­ner der fünf LMP1-WerksPro­to­ty­pen blieb oh­ne Pro­ble­me. Drei schie­den so­gar ganz aus. Auch nach sechs Jah­ren ist das The­ma Hy­bri­di­sie­rung im Langstre­cken­sport kei­nes­falls zu­ver­läs­sig ge­löst. „Da sieht man mal, wo­hin der Ver­an­stal­ter mit sei­nem Re­gle­ment die­ses Ren­nen ge­trie­ben hat“, ätz­te ein In­si­der. Der im­men­se Auf­wand –das Bud­get ei­ner WM-Sai­son über­steigt samt Le Man­sEin­satz die 300-Mil­lio­nen-Eu­ro-Mar­ke deut­lich und liegt hö­her als das der F1-Top­teams – recht­fer­tigt den Ein­satz kaum noch. Der ver­an­stal­ten­de Au­to­mo­bil Club de l’Ou­est denkt in­des wei­ter, um sich mit dem Ruf als Vor­rei­ter von Zu­kunfts-Tech­no­lo­gi­en im Renn­sport zu pro­fi­lie­ren: Ab 2020 sol­len die LMP1Bo­li­den mit Plug-in-Hy­brid an den Start rol­len, Bo­xen­ein- und aus­fahrt sol­len nur mit Elek­tro-Po­wer be­wäl­tigt wer­den, eben­so die Fahrt über die Zi­el­li­nie. Die Her­stel­ler wa­ren bei der Aus­ar­bei­tung des Re­gle­ments be­tei­ligt. Auch Peu­geot. Ob die Fran­zo­sen aber wirk­lich kom­men? Und ob Por­sche und To­yo­ta blei­ben? Zwei­fel sind an­ge­bracht. Por­sche-Star­pi­lot Ti­mo Bern­hard fei­er­te der­weil sei­nen zwei­ten Le Mans-Sieg. 2010 ge­wann er noch auf Au­di. Doch als Por­sche-Nach­wuchs­pi­lot ist er sei­ner Mar­ke be­reits seit 1999 ver­bun­den. „Mis­si­on er­füllt“, froh­lock­te Bern­hard nach dem Ziel. Die Aus­lauf­run­de nahm er nur ver­schwom­men wahr: zu vie­le Trä­nen der Freu­de. „Nor­ma­ler­wei­se bin ich nicht so ein emo­tio­na­ler Typ. Heu­te hat es mich aber voll ge­ris­sen“, sag­te der 36-jäh­ri­ge Saar­pfäl­zer. Grund da­für war nicht nur sein lan­ger Weg mit Por­sche. Auch wie der Er­folg zu­stan­de kam, sorg­te für Dra­ma­tik. Am frü­hen Sams­tag­abend leg­te ei­ne de­fek­te Elek­tro­ma­schi­ne den An­trieb an der Vor­der­ach­se lahm. „Der De­fekt hat­te sich schon vor­her lang­sam an­ge­kün­digt“, sag­te Bern­hard. Mit Earl Bam­ber am Steu­er blo­ckier­te die Vor­der­ach­se so­gar. Der Wech­sel des Ag­gre­gats kos­te­te Start­num­mer zwei 66 Mi­nu­ten – und zu­nächst 18 Run­den. „Ge­nau zur hei­ßes­ten Zeit

„ Un­se­ren Sieg ha­ben wir un­se­ren Mecha­ni­kern zu ver­dan­ken“Por­sche-Te­am­chef Andreas Seidl

des Tages, wenn die Son­ne voll in die Box scheint“, wie Bern­hard sag­te. „Un­se­ren Sieg ha­ben wir un­se­ren Mecha­ni­kern zu ver­dan­ken“, be­stä­tig­te Te­am­chef Andreas Seidl. „Hät­ten wir nur fünf Mi­nu­ten län­ger re­pa­rie­ren müs­sen, wä­re der Sieg futsch ge­we­sen“, un­ter­strich Bern­hard. Tat­säch­lich lag bis nur ei­ne Drei­vier­tel­stun­de vor Ren­nen­de der ex­zel­lent ge­fah­re­ne Ore­ca mit Num­mer 38 aus der schwä­che­ren LMP2-Ka­te­go­rie in Front – auch, weil mor­gens um elf der mit 13 Run­den Vor­sprung füh­ren­de Por­sche Num­mer eins mit An­dré Lot­te­rer ei­nen spon­ta­nen Mo­tor­scha­den nach Öl­druck­ver­lust er­lit­ten hat­te. Und auch, weil To­yo­ta ver­sag­te. Die bei­den Sie­ge in Sil­vers­to­ne und Spa stem­pel­ten die Ja­pa­ner zu­nächst zum Fa­vo­ri­ten, eben­so die Best­zeit beim Vor­test und dass To­yo­to mit ei­nem Au­to mehr als Por­sche an­trat. Haupt­säch­lich war es aber die un­fass­ba­re Po­le Po­si­ti­on von Ka­mui Ko­ba­ya­shi mit ei­ner Run­de in 3.14,8 Mi­nu­ten: 251,9 km/ h, so schnell war in Le Mans noch nie­mand. Aber im Ren­nen schei­ter­te erst die Num­mer acht mit kokeln­der Elek­tro-Ma­schi­ne, dann die Num­mer sie­ben di­rekt nach Mit­ter­nacht mit Kupp­lungs­de­fekt. Num­mer neun ge­riet kurz dar­auf in ei­ne Kol­li­si­on. „To­yo­ta fehl­te der Re­spekt für die­ses Ren­nen“, kri­ti­sier­te der neun­ma­li­ge Sie­ger Tom Kris­ten­sen, „die ha­ben sich hier zu sehr auf ab­so­lu­te Per­for­mance kon­zen­triert.“Je­der woll­te To­yo­ta sie­gen se­hen, qua­si als ei­ne Form von aus­glei­chen­der Ge­rech­tig­keit für die schmerz­li­che Nie­der­la­ge in der letz­ten Run­de im Vor­jahr. Und auch für den 19. Ver­such seit 1985, die­ses Ren­nen zu ge­win­nen. Sie hat­ten das schnells­te Au­to, wa­ren aber zu gie­rig. Und was ist Ko­ba­ya­shis Best­zeit jetzt noch wert?

Kol­li­si­on um 1:10 Uhr Ei­ne Unacht­sam­keit von La­pier­re führ­te zum Aus­fall des drit­ten To­yo­ta. Er muss­te auf der Fel­ge hum­pelnd kurz vor den Bo­xen auf­ge­ben.

To­yo­ta in Trou­ble Der Wech­sel von Elek­tro­ma­schi­ne und Bat­te­rie kos­te­te Bu­emi/Da­vid­son/Na­ka­ji­ma 28 Run­den. Sie wur­den auf Rang acht klas­siert.

Sie­ger Earl Bam­ber, Bren­don Hart­ley, LMP1-Lei­ter Fritz En­zin­ger, Ti­mo Bern­hard. Für den Neu­see­län­der Hart­ley war es der ers­te Tri­umph in Le Mans.

Dra­ma in der letz­ten Run­de Der Kampf in der GTE-Klas­se zwi­schen As­ton Mar­tin, Cor­vet­te, Ford, Por­sche und Fer­ra­ri riss die 250.000 Fans von den Sit­zen.

Ex­zel­lent pi­lo­tiert Oli­ver Jar­vis, Ho-Pin Tung und New­co­mer Tho­mas Lau­rent la­gen im pri­vat ein­ge­setz­ten LMP2-Ore­ca bis um 13.40 Uhr in Füh­rung.

Re­pa­ra­tur In der Re­kord­zeit von 66 Mi­nu­ten wech­sel­ten die Mecha­ni­ker die Elek­tro­ma­schi­ne des sieg­rei­chen 919 Hy­brid. Da­nach lag das Au­to auf Rang 56.

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