Por­sche will in die For­mel 1!

Por­sche setzt sich nach dem er­neu­ten Sieg in Le Mans neue Zie­le im Mo­tor­sport. Bei den Schwa­ben denkt man of­fen­sicht­lich über ei­ne Rück­kehr in die For­mel 1 nach

AUTO ZEITUNG - - PORSCHE · SPORT - Vol­ker Ko­erdt

Nach dem Hattrick in Le Mans und ins­ge­samt 19 Ge­samt­sie­gen beim an­spruchs­volls­ten und be­rühm­tes­ten 24-St­un­denRen­nen der Welt stellt Por­sche nun die Wei­chen für ei­ne neue mo­tor­sport­li­che Zu­kunft. Die Ver­ant­wort­li­chen ma­chen kei­nen Hehl dar­aus, dass man mit der welt­wei­ten Ver­mark­tung der WEC-Se­rie sei­tens des Pro­mo­ters nicht zu­frie­den ist – zu we­nig TVCo­ver­a­ge und zu we­nig Auf­merk­sam­keit für ei­ne Se­rie, die fast ähn­lich viel Geld ver­schlingt wie die For­mel 1. Nach den zwei­fel­los sehr span­nen­den Du­el­len mit To­yo­ta in 2016 und auch in die­sem Jahr hat die­ser Wett­streit lang­fris­tig je­doch sei­nen Reiz ver­lo­ren. Nach dem Aus­stieg von Au­di sind die Ja­pa­ner der ein­zig ver­blie­be­ne Geg­ner der Zuf­fen­hau­se­ner. Bei­de Mar­ken sind aber mit ih­ren Se­ri­en­fahr­zeu­gen und Kun­den­ziel­grup­pen so weit aus­ein­an­der po­si­tio­niert, dass es für Por­sche aus Image­grün­den lang­fris­tig kei­nen Sinn macht, sich mit To­yo­ta zu mes­sen. Wenn Por­sche wei­ter­hin Mo­tor­sport auf höchs­tem Ni­veau be­trei­ben möch­te, wä­re der Schritt in die For­mel 1 kon­se­quent. „Die­se Renn­se­rie ist im­mer noch die Kro­ne des Mo­tor­sports, und für Por­sche als füh­ren­de Sport­wa­gen­mar­ke im VW-Kon­zern wä­re dies si­cher die pas­sen­de Platt­form“, so ein hoch­ran­gi­ger VW-Ma­na­ger in Le Mans. In der Tat gibt es vie­le Grün­de, die da­für spre­chen. Das Know­how im Team ist je­den­falls vor­han­den. Por­sche-Renn­lei­ter Fritz En­zin­ger und sein Team ha­ben größ­ten­teils For­mel-1-Er­fah­rung, die sie frü­her bei BMW und Sau­ber ge­sam­melt ha­ben. Im Um­feld von Kon­zern-Mo­tor­sport­ko­or­di­na­tor Wolf­gang Dür­hei­mer ar­bei­tet mit Ro­bin Tu­lu­ie, ehe­mals Research and De­ve­lop­ment- Chef von Re­nault F1 so­wie bis 2015 Chief Sci­en­tist bei Mer­ce­des GP, zu­dem ein wei­te­rer aus­ge­wie­se­ner For­mel- 1- Ex­per­te. Au­ßer­dem wol­len die neu­en Be­trei­ber der For­mel 1 in der Zeit nach Ber­nie Eccles­to­ne die Se­rie wie­der at­trak­tiv ge­stal­ten und sich ins­be­son­de­re um die Ver­mark­tung im nord­ame­ri­ka­ni­schen Markt küm­mern. Sie wer­den ver­su­chen, Por­sche die Rück­kehr in die For­mel 1 schmack­haft zu ma­chen. Denn al­lein die Vor­stel­lung, dass Fer­ra­ri, Mer­ce­des und Por­sche um den WM-Ti­tel in der Kö­nigs­klas­se kämp­fen wer­den, ver­setzt jetzt schon je­den Mo­tor­sport­fan in Ver­zü­ckung. Ab 2021 sol­len in der For­mel 1 neue Re­geln grei­fen. Noch weiß nie­mand ge­nau, wie das Re­gle­ment aus­se­hen wird. Klar ist, dass auch in der For­mel 1 wei­ter­hin ei­ne Elek­tri­fi­zie­rung und Hy­bri­di­sie­rung statt­fin­den soll. Dies wür­de her­vor­ra­gend zu den Elek­tro­mo­bi­li­täts­plä­nen von Por­sche pas­sen – die Zuf­fen­hau­se­ner ar­bei­ten ge­ra­de an der Ent­wick­lung des Mis­si­on E-Mo­dells mit der 800-Volt-Tech­nik. Die­se wä­re ide­al für den Ein­satz im Renn­sport.

McLa­ren oder Red Bull als Part­ner

Auch gibt es Spe­ku­la­tio­nen, dass Por­sche in die For­mel E geht. Das ist je­doch un­wahr­schein­lich. Zum ei­nen wird Au­di ab der nächs­ten Sai­son mit ei­nem Werks­team in die­ser Meis­ter­schaft ver­tre­ten sein. „Wir wol­len nach Mög­lich­keit nicht in ei­ner Se­rie mit un­se­ren Mar­ken im VW-Kon­zern ge­gen­ein­an­der an­tre­ten“, sagt ein Por­sche-Ma­na­ger. Zum an­de­ren lässt sich die 800-Volt-Tech­nik der­zeit nicht mit den vor­ge­schrie­be­nen Bat­te­ri­en in der For­mel E ver­knüp­fen. Al­ler­dings muss auch Por­sche im Zu­ge des Die­sel­ga­tes meh­re­re hun­dert Mil­lio­nen Eu­ro in den nächs­ten Jah­ren nach Wolfsburg ab­füh­ren, um die Ver­lus­te des Skan­dals zu kom­pen­sie­ren. Por­sche dürf­te des­halb zu­nächst ein­mal den Mo­tor ent­wi­ckeln und ein kom­pe­ten­tes Team su­chen, das ein kon­kur­renz­fä­hi­ges For­mel-1-Chas­sis bei­steu­ert. Na­he­lie­gend wä­re McLa­ren – die Bri­ten sind der­zeit mit den rei­hen­wei­se plat­zen­den Hon­daMo­to­ren un­zu­frie­den. Es ist kein Ge­heim­nis, dass die Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen den Ja­pa­nern und McLa­ren kurz vor dem Aus steht. Hin­zu kommt, dass McLa­ren und Por­sche in den 80ern mit dem McLa­ren-TAG-Por­sche ei­ne er­folg­rei­che Ge­schich­te geschrieben ha­ben und drei­mal Welt­meis­ter wur­den. Ei­ne wei­te­re Al­ter­na­ti­ve wä­re Red Bull – ein Renn­stall, zu dem Por­sche tra­di­tio­nell bes­te Be­zie­hun­gen pflegt. Und nicht zu­letzt fuhr der heu­ti­ge Por­sche-Mar­ken­bot­schaf­ter Mark Web­ber für das in Mil­ton Keynes an­säs­si­ge Renn­team. Das The­ma „ Zu­rück in die Zu­kunft“ist al­so mehr als nur ei­ne Vi­si­on …

Por­sche-Mo­tor­sport­chef Fritz En­zin­ger sam­mel­te be­reits mit BMW F1Er­fah­rung

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