Ci­ty-Cars Ford Ka+ · Hy­un­dai i10 · Kia Pi­can­to · VW Up

Kurz, wen­dig, tren­dig: Stadt-Au­tos sind der Hit, wenn es eng wird. Kia schickt Pi­can­to Num­mer drei in den Dschun­gel aus As­phalt, Be­ton und Glas – hier flit­zen Ka+, i10 und Up be­reits her­um

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Paul Eng­lert FO­TOS Mar­kus Sen­de ]

Wenn es gilt, um brei­te Park­haus­pfei­ler zu zir­keln, en­ge Lü­cken zu fül­len oder sich am warn­blin­ken­den Last­wa­gen in der drit­ten Par­k­rei­he vor­bei­zu­quet­schen, sind Puls- und Tem­pe­ra­tur­an­stieg vor­pro­gram- miert. Aber nicht mit die­sen vier Ci­ty-Au­tos der Un­ter-Vier­Me­ter-Ka­te­go­rie, de­ren Cool­nes­sFak­tor schnell auf die Fah­rer ab­strahlt. Schul­ter­blick, ein­ge­lenkt, ge­wen­det, al­les ea­sy. Bis En­de Mai wur­den fast 100.000 die­ser Kleinst­wa­gen in Deutsch­land neu zu­ge­las­sen – Ten­denz stei­gend. Rund 60 Pro­zent da­von wer­den ge­werb­lich ge­nutzt, denn um im hek­ti­schen Groß­stadt-Dschun­gel von A nach B zu kom­men, sind die­se Fahr­zeu­ge ide­al – zum Bei­spiel für Pfle­ge­diens­te oder den ei­li­gen Lie­fer­ser­vice. Seit 2004 ist Kia mit dem Pi­can­to im Seg­ment der Kleins­ten ak­tiv, jetzt star­tet Ge­ne­ra­ti­on drei – ers­ter Ver­gleichs­test mit der 1,2-Li­ter-Ben­zi­ner-Ver-

si­on (84 PS) ge­gen den Hy­un­dai i10 mit dem glei­chen, aber drei PS stär­ke­ren Ag­gre­gat. Der Ford Ka+ 1.2 (86 PS) und der VW Up 1.0 TSI mit 90 PS star­kem Drei­zy­lin­derTur­bo run­den das Feld ab.

Ka­ros­se­rie

Bei rund 30 Zen­ti­me­ter mehr Län­ge und zehn Zen­ti­me­ter mehr Rad­stand müss­te der Ford Ka+ im Ver­gleich mit i10, Pi­can­to und Up ei­gent­lich ein Raum­wun­der sein – ist er aber nicht. Okay, vorn und hin­ten sind El­len­bo­gen- so­wie Bein­frei­heit für die­se Fahr­zeug­klas­se üp­pig, und der Kof­fer­raum (270 Li­ter) fasst mit fünf nutz­ba­ren Sitz­plät­zen knap­pe 20 Li­ter mehr. Den­noch ist der Grö­ßen­un­ter­schied nicht so enorm wie man das bei die­sen Au­ßen­ma­ßen er­war­tet. Zu­dem ist die Dach­him­mel­aus­for­mung im Fond nicht op­ti­mal ge­löst, so­dass die Kopf­frei­heit ein­ge­schränkt ist. An die­ser Stel­le bie­tet der neue Kia Pi­can­to mehr Platz. Über­haupt ist das Raum­ge­fühl im Ko­rea­ner ziem­lich gut, und auch die Über­sicht­lich­keit stimmt dank gro­ßer Fens­ter­flä­chen und Au­ßen­spie­gel. 255 Li­ter schluckt das Ge­päck­ab­teil min­des­tens, bei um­ge­leg­ten Fond­leh­nen (asym­me­trisch teil­bar) ent­steht ein Stau­raum von 1010 Li­tern mit nur leicht an­stei­gen­der La­de­flä­che. Die höchs­ten Zu­la­dun­gen ver­tra­gen aber der i10 (440 kg) und der Ka+ (431 kg). 73 Ki­lo oder ei­nen Er­wach­se­nen we­ni­ger ver­trägt der sehr über­sicht­li­che, weil kan­tig ge­form­te VW Up, des­sen um­ge­klapp­ten Fond­leh­nen eben­falls ei­ne nur leicht an­stei­gen­den La­de-Ebe­ne er­ge­ben. Ge­mein­sam mit i10 und

Pi­can­to macht der Up den bes­ten Qua­li­täts­ein­druck, die Ver­ar­bei­tung von Hy­un­dai und VW ist je­doch noch­mals so­li­der als im Pi­can­to. Der wie­der­um bie­tet die um­fang­reichs­te, wenn auch teils op­tio­na­le Si­cher­heits­aus­stat­tung mit Rück­fahr­ka­me­ra (890 Eu­ro) so­wie Not­brems-(590 Eu­ro) und Ge­gen­len­kas­sis­ten­ten – letz­te­rer soll den Pi­can­to in Kombination mit dem ESC (ESP) zum Bei­spiel beim Aus­wei­chen durch ge­ziel­te Len­k­ein­grif­fe sta­bi­li­sie­ren. Au­to­nom fah­ren kann man mit die­sem As­sis­ten­ten aber nicht. Auch Hy­un­dai und VW lei­ten bei Ge­fahr au­to­nom Voll­brem­sun­gen ein (op­tio­nal), der Up al­ler­dings nur bis Tem­po 30. Au­ßer­dem gibt es für die hin­te­ren VW-Pas­sa­gie­re kei­ne Kopf­air­bags. Beim i10 wird die au­to­ma­ti­sche Ver­zö­ge­rungs­funk­ti­on mit ei­nem Spur­hal­teas­sis­ten­ten kom­bi­niert – das bei ei­ner Voll­brem­sung fla­ckern­de Brems­licht ist aber erst ab der Aus­stat­tung Style (920 Eu­ro Auf­preis) an Bord, zu­sam­men mit Ber­gan­fahr­hil­fe, Ne­bel­schein­wer­fern und Ab­bie­ge­licht. Die­se vier Fea­tu­res sind beim Ka+ zwar Se­rie, an­sons­ten ist er aber recht karg aus­ge­stat­tet. Op­tio­nal spen­diert Ford nur ein Re­ser­ve­rad (60 Eu­ro) und elek­tri­sche Fond-Fens­ter­he­ber (400 Eu­ro im Pa­ket). Die­se ste­hen beim vier­sit­zi­gen VW Up nicht in der Preis­lis­te, denn auch mit den bei­den Fond­tü­ren (480 Eu­ro) sind hin­ten nur Aus­stell­schei­ben ver­füg­bar. Merk­wür­dig: Fens­ter­he­ber mit Au­to-Schließ­funk­ti­on und Ein­klemm­schutz ha­ben al­le vier Ci­ty-Au­tos nur in der Fah­rer­tür – doch wer quetscht schon sei­ne ei­ge­nen Fin­ger?

In Sa­chen Be­die­nung und Funk­ti­on lie­gen al­le Klein­wa­gen auf ei­nem Ni­veau, weil man die we­ni­gen Funk­tio­nen leicht steu­ern kann und sämt­li­che Tas­ten und Knöp­fe ein­deu­tig ge­kenn­zeich­net sind. Auch die Ra­dio- und Mul­ti­me­di­a­sys­te­me ge­ben kaum Rätsel auf.

Fahr­kom­fort

Wer ei­nen be­son­ders kom­for­ta­blen Stadt­flit­zer sucht, kommt am Hy­un­dai i10 kaum vor­bei. Die straff ge­pols­ter­ten, aus­rei­chend kon­tu­rier­ten Sit­ze vorn mit in Hö­he und Tie­fe ein­stell­ba­ren Kopf­stüt­zen tau­gen auch für län­ge­re Tou­ren, die gu­te Ge­räusch­däm­mung und das recht kom­for­ta­ble Fahr­werk spre­chen eben­falls für den äl­te­ren der bei­den Ko­rea­ner im Test. Nur die Fe­der-Dämp­ferAb­stim­mung des Ford spricht noch bes­ser an – hier macht sich wie­der der lan­ge Rad­stand be­merk­bar. Klei­nes Man­ko: Den Kof­fer­raum des Ka+ kann man le­dig­lich mit dem Funk­schlüs­sel oder per Tas­ten­druck links vom Lenk­rad öff­nen. Apro­pos: Al­le vier Len­k­rä­der las­sen sich aus­schließ­lich in der Hö­he, al­so ver­ti­kal, ein­stel­len. Ein Her­an­zie­hen oder Weg­rü­cken (axia­le Ein­stel­lung) ist nicht mög­lich. Der neue Kia Pi­can­to ist eher straff ab­ge­stimmt und ver­ar­bei­tet Une­ben­hei­ten we­ni­ger sen­si­bel als die drei Wett­be­wer­ber. Zu­dem ist er we­ni­ger gut ge­räusch­ge­dämmt als der i10. Scha­de ist, dass in bei­den Ko­rea­nern die Fond­leh­ne et­was zu schräg nach hin­ten ge­neigt ist, so­dass man bei auf­rech­ter Sitz­po­si­ti­on die Kopf­stüt­zen nicht op­ti­mal nut­zen kann. Den­noch reist man im Pi­can­to hin­ten be­que­mer dank bes­ser nutz­ba­rer Bein­auf­la­ge so­wie ei­nes Hauchs von Leh­nen-Kon­tur. Den er­go­no­mi­sche­ren Ein­druck hin­ter­lässt je­doch der i10 mit ei­ner grö­ße­ren Aus­wahl an prak­tisch plat­zier­ten Abla­gen – in die TürAus­spa­run­gen pas­sen Ein­li­terFla­schen – und der et­was nied­ri­ge­ren La­de­kan­te. Auf der Ha­ben­sei­te des Kia steht et­wa der sehr gut er­reich­ba­re, im Ar­ma­tu­ren­trä­ger in­stal­lier­te Touch­screen im Ta­ble­tFor­mat – sehr gut ab­les­ba­re, ana­lo­ge Rund­in­stru­men­te bie­ten aber al­le vier Ci­ty-Cars.

Mo­tor / Ge­trie­be

Dank sei­nes Ein­li­ter-Tur­bo­mo­tors ist der Up deut­lich sprit­zi­ger als Ford, Hy­un­dai und Kia mit ih­ren 1,2-Li­ter-Saug­mo­to­ren, denn der Drei­zy­lin­der ent­wi­ckelt mehr Dreh­mo­ment, und das auch schon knapp über Leer­lauf­dreh­zahl. Klar, dass der Mi­ni-VW die Sprint- und Elas­ti­zi­täts­mes­sun­gen für sich ent­schei­det und die bes­te Kraft­ent­fal­tung hat – in Sa­chen Spit­zen­tem­po fährt er eben­falls vorn­weg. Oben­drein glänzt er mit den nied­rigs­ten Dreh­zah­len (2150 Tou­ren bei 100 km/ h im fünf­ten Gang; Kia 2600, Hy­un­dai 3000, Ford 2800 Um­dre­hun­gen) und der an­ge­nehms­ten, weil prä­zi­se ge- führ­ten so­wie ex­akt zu be­die­nen­den Schal­tung. Ab­stri­che muss man beim Up nur in punc­to Lauf­kul­tur ma­chen, wo­bei das Klang­bild des kon­struk­ti­ons­be­dingt rau und ker­nig dre­hen­den Drei­zy­lin­ders nicht ner­vig ist. Die Ar­beit am Kia-Schalt­knauf wird beim Ran­gie­ren et­was ha­ke­lig, wenn man oft zwi­schen dem ers­ten und dem Rück­wärts­gang wech­selt. An­sons­ten bleibt neue Pi­can­to in die­sem Ka­pi­tel un­auf­fäl­lig und über­zeugt ähn­lich wie der i10 mit ei­nem recht kul­ti­vier­ten, aus­rei­chend dreh­freu­di­gen Mo­tor. Trotz Tur­bo­tech­nik und des kleins­ten Hu­b­raums ver­braucht der VW ei­nen Sprit­zer mehr Su-

Der neue Pi­can­to braucht fast fünf Me­ter we­ni­ger Brems­weg im Ver­gleich zum Ford Ka+

per­ben­zin (5,4 Li­ter) als die Ko­rea­ner, wo­bei Pi­can­to und Up von Start-Stopp-Sys­te­men un­ter­stützt wer­den. Den­noch: Spar­sams­ter im Quar­tett ist der Hy­un­dai i10 1.2, der da­mit auch die größ­te Reich­wei­te of­fe­riert (769 km). Aus der Rei­he fällt der Ford mit sei­nem im Stand et­was rau lau­fen­den Saug­mo­tor, zä­her Kraft­ent­fal­tung und re­du­zier­ter Dreh­freu­de. Zu­dem be­nö­tigt er mehr Kraft­stoff, was ihn vie­le Punk­te kos­tet. Auch die recht sof­te Schal­tung ge­fällt im Ver­gleich we­ni­ger.

Fahr­dy­na­mik

Was sei­ne sport­li­che GT Li­ne-Aus­stat­tung ver­spricht, das hält der Kia Pi­can­to auch: Er wu­selt mit fast 66 km/ h durch den Sla­lom- kurs und ist auch im Hand­ling Schnells­ter – zu­sam­men mit dem VW Up. Der Wolfs­bur­ger wird, wie auch der Ford Ka+, in der Sla­lom­gas­se durch sei­ne kon­ser­va­ti­ve ESP-Ab­stim­mung ein­ge­bremst, denn der elek­tro­ni­sche Ret­tungs­an­ker wit­tert in den en­gen Wech­sel­kur­ven schnell ei­ne Ge­fahr und funkt mit hef­ti­gen Re­gel­ein­grif­fen da­zwi­schen. Bei den Brems­tests lie­gen Pi­can­to (mit op­tio­na­len Schei­ben­brem­sen hin­ten), i10 und Up auf ei­nem Le­vel, der Ford Ka+ fällt mit rund 40 Me­ter Ver­zö­ge­rungs­weg (100-0 km/ h) da­ge­gen aus dem Rah­men. Auch die we­nig mit­teil­sa­me Len­kung kos­tet ihn Punk­te. Die höchs­te Fahr­si­cher­heit ver­mit­telt der VW mit sat­ter Stra­ßen­la­ge – auch dank der op­tio­na­len 17-Zoll-Be­rei­fung – und Gut­mü­tig­keit im Grenz­be­reich.

Leicht­ge­wicht im Test ist mit 993 Ki­lo­gramm der VW Up. Ki­as Pi­can­to wiegt nur fünf Ki­lo mehr

Der ge­wach­se­ne Ford ist mit fast 3,93 Me­tern das größ­te Ci­ty-Car in die­sem Test

Viel Platz für die Fü­ße, we­nig Kopf­frei­heit, kon­tur­lo­se, aber an­ge­nehm stei­le Leh­ne

Schwarz in Schwarz ist das Ford-In­te­ri­eur. Re­du­zier­te In­stru­men­te, ge­räu­mig

Wei­che Pols­ter, zu sehr ge­neig­te Kopf­stüt­ze, Arm­leh­ne für 300 Eu­ro

Die Kli­ma­an­la­ge und das Sync-Au­dio-Sys­tem mit USB sind bei Cool & Sound in­klu­si­ve

Ho­hes Heck und gro­ße Schei­be. In den Kof­fer­raum pas­sen 252 bis 1064 Li­ter Ge­päck

Straf­fe Pols­ter im Fond, zu dritt sehr eng, nach hin­ten ge­neig­te Leh­ne, kaum Kon­tur

Bi-Co­lor-Am­bi­en­te im klar struk­tu­rier­ten, or­dent­lich ver­ar­bei­te­ten i10-Cock­pit

Or­dent­li­che Kon­tu­rie­rung, hart ge­pols­ter­te, aber in der Tie­fe ein­stell­ba­re Kopf­stüt­ze

Spur­hal­te- und Not­brems­as­sis­ten­ten für 720 Eu­ro, Lenk­rad­hei­zung: Se­rie

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