Al­les, was Sie über DIE­SEL jetzt wis­sen müs­sen

Beim Die­sel-Gip­fel ha­ben Politik und In­dus­trie den Be­frei­ungs­schlag für den Selbst­zün­der ge­sucht. Wir sa­gen, was die Er­geb­nis­se für Au­to­be­sit­zer be­deu­ten

AUTO ZEITUNG - - VORDERSEITE - Mar­kus Bach

1 Sind Fahr­ver­bo­te jetzt vom Tisch?

Noch nicht, die Rich­ter am Ver­wal­tungs­ge­richt in Stutt­gart ha­ben Soft­ware-Up­dates, wie sie jetzt be­schlos­sen wur­den, als nicht aus­rei­chend ge­wer­tet. Doch die Ein­füh­rung von Fahr­ver­bo­ten ist eben­falls nicht be­schlos­sen: Das Ge­richt leg­te kein kon­kre­tes Da­tum fest. Zu­dem ist da­von aus­zu­ge­hen, dass das Land in Be­ru­fung geht und der Streit vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt lan­det.

2 Wer über­nimmt die Kos­ten für das Up­date?

Ins­ge­samt sol­len über fünf Mil­lio­nen Die­sel mit der Ab­gas­norm Eu­ro 5 und Eu­ro 6 durch ei­ne neu auf­ge­spiel­te Mo­tor-Soft­ware sau­be­rer wer­den. Das be­trifft aber nur die Fahr­zeu­ge deut­scher Mar­ken. Die Kos­ten da­für (100 bis 200 Eu­ro pro Au­to) tra­gen die Her­stel­ler. Ei­ne viel teu­re­re tech­ni- sche Hard­ware-Nach­rüs­tung leh­nen sie je­doch ab.

3 Muss ich das Up­date auf­spie­len las­sen?

Der Au­to­mo­bil-Ver­band ver­spricht zwar kei­ne Aus­wir­kun­gen auf Mo­tor­leis­tung, Ver­brauch und Le­bens­dau­er. Die Her­stel­ler haf­ten aber nicht für mög­li­che Fol­gen. Das Up­date ist al­ler­dings frei­wil­lig, die Die­sel er­fül­len (auf dem Prüf­stand) schließ­lich die NOX

Grenz­wer­te und sind da­mit le­gal. Im Ge­gen­satz zum VW-Die­selRück­ruf droht al­so kei­ne Still­le­gung der Au­tos.

4 Wel­che Die­sel kann ich noch kau­fen?

Al­le ak­tu­el­len Selbst­zün­der er­fül­len die neu­es­te Ab­gas­norm Eu­ro 6. Die­se wä­ren laut Aus­sa­ge von Bund und Län­dern von kei­nem mög­li­chen Die­sel-Fahr­ver­bot be­trof­fen. Im­mer­hin sto­ßen Selbst- zün­der mit die­ser Ab­gas­norm nur noch 80 mg NOX pro km aus. Zum Ver­gleich: Ben­zi­ner lie­gen mit 60 mg NOX pro km nur un­we­sent­lich nied­ri­ger. Wer aber ganz auf Num­mer si­cher ge­hen möch­te, soll­te beim Kauf ei­nen Die­sel mit SCR-Kat und AdBlue-Ein­sprit­zung be­vor­zu­gen.

5 Soll ich mei­nen al­ten Die­sel jetzt ver­kau­fen?

Äl­te­re Selbst­zün­der mit der Ab­gas­norm Eu­ro 4 und schlech­ter kom­men nicht in den Genuss des Soft­ware-Up­dates. Doch ein Pa­nik­ver­kauf lohnt nicht: Ak­tu­ell ist die Stimmung sehr auf­ge­heizt, und vor al­lem Pri­vat­käu­fer sind ver­un­si­chert. Laut der Deut­schen Au­to­mo­bil Treu­hand (DAT) nimmt die Preis­sta­bi­li­tät von ge­brauch­ten Die­seln im Ver­gleich zu Ben­zi­nern deut­lich stär­ker ab. Es gibt aber ei­ne loh­nens­wer­te Al­ter­na­ti­ve zum Pri­vat­ver­kauf (Punkt 6).

6 Loh­nen sich die neu­en Kauf­prä­mi­en?

Die Au­to­her­stel­ler bie­ten Be­sit­zern äl­te­rer Die­sel ei­ne Um­stiegs­Prä­mie an. So för­dert Ford den Kauf ei­nen Neu­wa­gens mit ei­nem Um­welt­bo­nus von 2000 bis 8000 Eu­ro, wenn man sei­nen al­ten Die­sel (Eu­ro 3 oder schlech­ter) in Zah­lung gibt. Bei BMW gibt es bis zu 2000 Eu­ro für Eu­ro-4-Mo­del­le oder äl­te­re Selbst­zün­der. Und To­yo­ta spen­diert 2000 Eu­ro Die­selEin­tausch­bo­nus plus 2000 Eu­ro Hy­brid­prä­mie beim Kauf ei­nes Hy­bri­den. Auch an­de­re Her­stel­ler wie et­wa Daim­ler ha­ben ähn­li­che Ak­tio­nen an­ge­kün­digt. Bei ei­nem ak­tu­el­len durch­schnitt­li­chen Die­sel-Wert­ver­fall von 200 bis 500 Eu­ro loh­nen sich die­se An­ge­bo­te.

7 Was ist mit Lea­singFahr­zeu­gen?

Die gro­ße Mehr­heit der Lea­singFah­rer kann entspannt ab­war­ten: Beim Ki­lo­me­ter-Lea­sing – der mit Ab­stand häu­figs­ten Form in Deutsch­land – trägt der Au­to­händ­ler oder die Her­stel­ler-Bank das Rest­wert-Ri­si­ko. Le­dig­lich beim sel­te­ne­ren Rest­wert-Lea­sing haf­tet der Käu­fer für den Wie­der­ver­kaufs­wert des Fahr­zeugs.

8 Gibt es Al­ter­na­ti­ven zum Die­sel?

Für Langstre­cken­fah­rer wird die Aus­wahl dünn: Ver­gleich­ba­re Ben­zi­ner sind durch den Mehr­ver­brauch ge­gen­über den Selbst­zün­dern teu­rer. Zu­dem sto­ßen sie mehr kli­ma­schäd­li­ches CO2 aus. Ei­ne Al­ter­na­ti­ve sind Au­tos mit Erd­gas­an­trieb (CNG). Sie sind spar­sa­mer und um­welt­freund­li­cher als Ben­zi­ner. Noch ist ih­re Aus­wahl ge­ring, doch in den nächs­ten Jah­ren gibt es vie­le neue Mo­del­le. Auch das Tank­stel­len­netz soll aus­ge­baut wer­den. Elek­tro­au­tos sind da­ge­gen nur für Pend­ler mit fes­ten La­de­mög­lich­kei­ten in­ter­es­sant und noch zu teu­er. Plug-in-Hy­bri­de zei­gen sich lei­der nur auf dem Pa­pier spar­sa­mer als Die­sel. Im WLTP-Ver­brauchs­zy­klus, der ab Sep­tem­ber für neu auf den Markt kom­men­de Mo­del­le gilt, wer­den sie deut­lich mehr ver­brau­chen.

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