VW ge­gen Sko­da Die Kon­zern­mar­ken sind in der nächs­ten Zukunft auch Wett­be­wer­ber: Elek­tro­au­tos, SUV und die Best­sel­ler ste­hen im Fo­kus

VW durch­läuft ei­ne schwie­ri­ge Pha­se, Sko­da eilt von Er­folg zu Er­folg. Den­noch stel­len sich bei­de für die Zukunft neu auf. Wir ver­ra­ten, wo die Kon­zern­mar­ken ge­trennt an­grei­fen und mit wel­chen Neu­hei­ten sie kon­kur­rie­ren

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Mar­kus Bach, Vol­ker Ko­erdt ]

Es geht um die Zukunft der Mar­ke Volks­wa­gen“, schwor Mar­ke­ting- und Ver­triebs­vor­stand Jür­gen St­ack­mann die VW-Händ­ler un­längst bei ei­ner in­ter­nen Ver­an­stal­tung ein. Trotz des Die­sel-Skan­dals, der längst nicht mehr nur VW, son­dern fast die gan­ze Bran­che be­trifft, be­fin­det sich der Wolfs­bur­ger Rie­se in ei­ner Trans­for­ma­ti­on. Zwar will der Kon­zern wei­ter­hin Mil­li­ar­den in Die­sel- und Ot­to­mo­to­ren in­ves­tie­ren und da­mit das Kern­ge­schäft stär­ken. Zu­sätz­lich soll aber ab 2020 mit dem Mo­du­la­ren Elek­tri­fi­zie­rungs­bau­kas­ten (MEB) ei­ne gro­ße Of­fen­si­ve bei den Stromern ge­star­tet wer­den. Ab 2025 fol­gen

neue Ge­schäfts­mo­del­le wie das An­bie­ten di­gi­ta­ler Di­enst­leis­tun­gen, und bis 2030 will man der Mar­ken­stra­te­gie zu­fol­ge welt­wei­ter Markt­füh­rer in der Elek­tro­mo­bi­li­tät sein. „Wir wol­len die E-Mo­bi­li­tät de­mo­kra­ti­sie­ren“, for­mu­liert St­ack­mann die Zie­le. Da­zu wird auf der Ba­sis des MEB ei­ne kom­plet­te Fa­mi­lie na­mens I.D. ent­wi­ckelt. Be­reits als Con­cept Car vor­ge­stellt wur­de der kom­pak­te I.D., qua­si der Golf des künf­ti­gen Elek­tro­zeit­al­ters. Die­ser hat in den Au­ßen­ma­ßen in et­wa die Grö­ße des Wolfs­bur­ger Er­folgs­ga­ran­ten, weist aber im In­nen­raum dank des platz­spa­ren­den E-An­triebs und ei­nes an- de­ren Pa­cka­ges die Grö­ße ei­nes Pas­sat auf. Wo­mit wir bei ei­nem der gro­ßen Vor­tei­le der Elek­tro­au­tos sind: Bei glei­cher Ver­kehrs­flä­che of­fe­rie­ren sie deut­lich mehr In­nen­raum. Ei­ne Reich­wei­te von 600 km und ein Preis von we­ni­ger als 30.000 Eu­ro sind die am­bi­tio­nier­ten Zie­le des Golf der Zukunft. Selbst­ver­ständ­lich wird der I.D. teil­au­to­no­mes Fah­ren be­herr­schen, sei­ne Con­nec­tivi­ty soll auf dem dann neu­es­ten Stand sein. Die I.D. Fa­mi­lie wird ab­ge­run­det durch den Van I.D. Buzz, der be­reits be­schlos­sen ist. Er könn­te zu­sam­men mit VW Nutz­fahr­zeu­ge in Hannover ge­baut und wei­ter ent­wi­ckelt wer­den. Dem stark

„Bis 2030 wird VW Markt­füh­rer bei den Elek­tro­au­tos sein“Her­bert Diess, Vor­stands­chef VW

wach­sen­den Seg­ment der SUV trägt VW mit dem I.D. Crozz Rech­nung. Er soll ein sport­li­ches Cross­over auf Ba­sis des MEB wer­den. Vier­ter im Bun­de ist der I.D. Lounge, ein Kom­bi mit drei Sitz­rei­hen, der 2021 kom­men könn­te. An der Spit­ze der I.D.-Fa­mi­lie wird der I.D. Ae­ro ste­hen, ein Schräg­heck-Cou­pé mit fünf Tü­ren. Die­ses hat die Au­ßen­ma­ßen des heu­ti­gen Ar­te­on, wird im In­nen­raum aber grö­ßer als der ehe­ma­li­ge Phae­ton sein. Der Ae­ro soll die neue Iko­ne, das Top­mo­dell, von VW wer­den – qua­si der Phae­ton des nächs­ten Jahr­zehnts. Ers­te De­sign-Ent­wür­fe er­in­nern am Heck an den neu­en 6er GT von BMW. Ins­be­son­de­re in den USA und Chi­na möch­te VW mit der Elek­tro­mo­bi­li­tät ers­te stra­te­gi­sche Pf­lö­cke ein­ram­men. In Ame­ri­ka sol­len die sau­be­ren Stro­mer das durch den Die­sel-Skan­dal an­ge­grif­fe­ne Image auf­po­lie­ren. Und in Chi­na, ge­ra­de in den gro­ßen Bal­lungs­ge­bie­ten wie Shang­hai oder Pe­king, wird die Elek­tro­mo­bi­li­tät künf­tig Pflicht. Be­son­ders in der Volks­re­pu­blik, wo der VW-Kon­zern ei­ne markt­be­herr­schen­de Po­si­ti­on in­ne­hat, möch­te man die Elek­tro­mo­bi­li­tät mit gro­ßen Stück­zah­len wirt­schaft­lich gestal­ten. Auch Sko­da fei­ert in Chi­na gro­ße Er­fol­ge: Mitt­ler­wei­le ist die Volks­re­pu­blik der welt­weit größ­te Ein- zel­markt der Tsche­chen. Das Er­folgs­re­zept wa­ren bis­her wie in Eu­ro­pa prak­ti­sche, qua­li­ta­tiv gu­te Au­tos zu ei­nem or­dent­li­chen Preis. E-Mo­bi­li­tät sucht man bei Sko­da da­ge­gen ver­ge­bens. Das will Sko­da-Vor­stands­chef Bern­hard Mai­er je­doch lang­fris­tig än­dern: Bis 2025 sol­len mehr als ein Vier­tel al­ler Mo­del­le der Tsche­chen elek­tri­fi­ziert wer­den. Und En­de 2020 star­tet das ers­te rei­ne Elek­tro­au­to der Tsche­chen: Bei dem Vi­si­on E han­delt es sich um ein SUV-Cou­pé mit nach hin­ten stark ab­fal­len­der Dach­li­nie. Da­her wird das E-Mo­bil auf ei­ne drit­te Sitz­rei­he ver­zich­ten, ob­wohl es mit 4,65 Me­ter Län­ge auf dem Ni­veau des ak­tu­el­len Ko­diaq liegt. Doch die fünf Pas­sa­gie­re dür­fen sich über fürst­li­che Platz­ver­hält­nis­se freu­en: Die Bat­te­ri­en des Vi­si­on E be­fin­den sich wie bei al­len Mo­del­len, die auf dem MEB ba­sie­ren, zwi­schen den bei­den Ach­sen im Un­ter­bo­den. Das er­mög­licht ei­ne üp­pi­ge Fahr­gast­zel­le. Wäh­rend die Ba­sis­va­ri­an­te mit ei­nem E-Mo­tor und Heck­an­trieb aus­kommt, gibt es op­tio­nal All­rad mit zwei E-Mo­to­ren – ei­nem an je­der Ach­se. Zu­sam­men sol­len sie ei­ne Sys­tem­leis­tung von 306 PS er­zie­len. Aber auch die Sko­da-Vo­lu­men­mo­del­le er­hal­ten Stro­mer-Va­ri­an­ten: So gibt es den nächs­ten Oc­ta­via erst­mals als Plug-in-Hy­brid-Mo­dell.

Wäh­rend Sko­da und VW in Chi­na Er­fol­ge fei­ern, ist das US-Ge­schäft VW-Vor­stands­chef Her­bert Diess ein Dorn im Au­ge: In ei­nem Markt von 17,6 Mil­lio­nen ver­kauf­ten Fahr­zeu­gen pro Jahr kommt VW ge­ra­de mal auf ei­nen Markt­an­teil von 1,8 Pro­zent. Doch VW will dort zu ei­nem Vo­lu­men-Her­stel­ler auf­stei­gen und in den nächs­ten Jah­ren ih­re Stück­zah­len ver­dop­peln. Ak­tu­ell ist in den USA das neue SUV At­las an­ge­lau­fen. Im kom­men­den Jahr wer­den mit dem Jet­ta und dem US-Pas­sat zwei neue Li­mou­si­nen ge­launcht. 2019 fol­gen der At­las als fünf­sit­zi­ges Cou­pé und ein SUV un­ter­halb des Ti­gu­an, das bis­lang nur für Chi­na ge­plant war. Auf die­se Wei­se will VW in den USA ab 2020 wie­der schwar­ze Zah­len schreiben. Die SUV-Of­fen­si­ve von Sko­da zielt da­ge­gen auf Eu­ro­pa und Chi­na – ein Markt­ein­tritt in den USA ist für die Tsche­chen noch Zu­kunfts­mu­sik. Und der An­fangs­er­folg des neu­en Ko­diaq zeigt, dass die De­sign­spra­che der neu­en SUV bei den Kun­den an­kommt. „Im vier­ten Quar­tal set­zen wir mit dem Markt­start des neu­en Kom­pak­tSUV Ka­roq ei­nen wei­te­ren Wachs­tums­im­puls“, freut sich Sko­daChef Mai­er. Da­bei wird es nicht blei­ben: Un­ter­halb des Ye­ti-Nach­fol­gers Ka­roq star­tet 2019 der Arc­tic. Die­ser setzt we­ni­ger auf ein üp­pi­ges Platz­an­ge­bot, son­dern viel­mehr auf ein emo­tio­na­le­res De­sign. Tech­nisch ba­siert der Arc­tic wie der VW T-Roc auf dem MQB-Bau­kas­ten und wird mit Front- oder All­rad­an­trieb zu ha­ben sein. Sein Preis soll klar un­ter dem des VW-Kon­zern­bru­ders lie­gen. Das dürf­te auch die chi­ne­si­schen Sko­da-Kun­den freu­en.

In Bra­si­li­en at­ta­ckiert VW, in In­di­en rüs­tet sich Sko­da

VW greift in der Volks­re­pu­blik da­ge­gen zwei Num­mern hö­her an: So steht der Tha­ru, ein cou­pé­haf­tes SUV im B-Seg­ment, in den Start­lö­chern. Die­ses Mo­dell kommt spä­ter auch in den USA auf den Markt. Der Tha­ru wird je­doch auch in an­de­ren Län­dern wie Russ­land (op­tio­nal dann auch mit All­rad) und vor al­lem in Süd­ame­ri­ka er­hält­lich sein. Dort muss­te VW in den ver­gan­ge­nen Jah­ren eben­falls Fe­dern las­sen. Einst Markt­füh­rer mit dem Gol, hat Volks­wa­gen den An­schluss ge­gen­über dem Wett­be­werb ver­passt. Ver­lo­ren­ge­gan­ge­nes Terrain möch­te man mit dem Vir­tus, ei­ner kom­pak­ten Li­mou­si­ne auf Po­loBa­sis mit leich­tem Schräg­heck, zu­rück­ge­win­nen. Das Ziel: Bis 2020 will VW in Süd­ame­ri­ka mit ei­ner jun­gen Mo­dell­pa­let­te, rund 40 Pro­zent da­von SUV, das ge­sam­te Port­fo­lio er­neu­ert ha­ben.

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