Kom­pakt-SUV Au­di Q3 · Seat Ate­ca

Sechs Jah­re Bau­zeit? Die sieht man dem Au­di Q3 nicht an. Ne­ben dem fri­schen Seat Ate­ca macht der hoch­wer­ti­ge Bay­er nach wie vor ei­ne gu­te Fi­gur. Reicht das ge­gen den Spa­nier mit mo­der­ner Mo­tor-, Fahr­werks- und Si­cher­heits­tech­nik?

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Paul Eng­lert FO­TOS Daniela Loof ]

Au­tos im Test Au­di Q3 2.0 TFSI quat­tro 180 PS, 217 km/h, 8,5 l S/100 km, 37.200 Eu­ro Seat Ate­ca 2.0 TSI 4Dri­ve 190 PS, 212 km/h, 8,1 l S/100 km, 33.355 Eu­ro

Mit dem Al­ter wird man rei­fer, heißt es. Das trifft vi­el­leicht auf Le­be­we­sen zu, nicht aber auf Ge­brauchs­ge­gen­stän­de – noch nicht. Denn schon heu­te wer­den zum Bei­spiel Fahr­zeu­ge via In­ter­net mit Soft­ware-Up­dates ge­füt­tert, die sie si­che­rer ma­chen und mit fri­scher künst­li­cher In­tel­li­genz ver­sor­gen. Da­von kann der Au­di Q3 nur träu­men, ge­hört er mit sei­nen fast sechs Jah­ren Bau­zeit fast schon zum al­ten Ei­sen un­ter den Kom­pakt-SUV. Das letz­te Lif­ting ist auch schon wie­der drei Jah­re her. Ein jun­ger Hüp­fer ist da­ge­gen der Seat Ate­ca: Er ist voll­ge­stopft mit mo­der­nen As­sis­ten­ten, trägt ei­nen tech­nisch fort­schritt­li­chen Mo­tor un­ter der Hau­be, ist ad­ap­tiv ge­dämpft und obend­rein preis­lich ziem­lich at­trak­tiv. Wie schlägt sich der be­währ­te Bay­er im Ver­gleich ge­gen den spa­ni­schen Spröss­ling mit neu­em Top-Ben­zi­ner?

Ka­ros­se­rie

Ver­blüf­fend: Trotz ähn­li­cher Au­ßen­ma­ße und bloß drei Zen­ti­me­tern mehr Rad­stand bie­tet der Ate­ca in jeg­li­cher Hin­sicht mehr Platz. Zwar mö­gen die Un­ter­schie­de als nack­te Zah­len auf Pa­pier recht klein er­schei­nen, doch ne­ben den äu­ße­ren El­len­bo­gen, über dem Kopf und um die Bei­ne her­um ist je­der Zen­ti­me­ter ent­schei­dend. Dass die Q3-Kan­zel et­was en­ger sitzt, mer­ken aber bloß grö­ße­re Personen. Im Fond je­doch sieht das ganz an­ders aus, denn schon der Ein­stieg in den Au­di mit deut­lich klei­ne­ren Tür­aus­schnit­ten und schräg nach vorn ge­neig­ten C-Säu­len nö­tigt uns, den Kopf ein­zu­zie­hen. Das En­tern der Ate­ca-Rück­bank ge­lingt ele­gan­ter, und man hat viel mehr Luft un­ter dem Dach­him­mel und hin­ter den Vor­der­sitz-Leh­nen. Ob­wohl der Au­di laut mit­tels La­ser ver­mes­se­nen In­nen­raum­ma­ßen hin­ten qua­si ge­nau­so breit ist wie der Ate­ca, bie­tet der Spa­nier auch hier das bes­se­re Ge­fühl. Ganz ob­jek­tiv hin­ge­gen be­wer­ten wir das Ge-

päck­ab­teil, das im Seat auf­grund des stei­len Hecks mehr Kof­fer und Ta­schen schluckt. Va­ria­bler hin­ge­gen ist der Spa­nier nicht, ob­wohl er mehr Vers­tau­mög­lich­kei­ten bie­tet. Da­für er­gibt sich im Au­di bei um­ge­klapp­ten Rück­sitz­leh­nen ei­ne nur leicht an­stei­gen­de La­de­flä­che. Beim Seat muss man für ei­ne ebe­ne Flä­che den va­ria­blen Ge­päck­raum­bo­den (150 Eu­ro) or­dern. Et­was mehr An­hän­ge­last auf der ei­nen Sei­te (Q3) und mi­ni­mal mehr Zu­la­dung auf der an­de­ren fal­len im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes kaum ins Ge­wicht. Bei der Be­die­nung ist der Au­di et­was im Nach­teil, da­für punk­tet er mit der hoch­wer­ti­ge­ren Ma­te­ri­alan­mu­tung und der so­li­de­ren Ver­ar­bei­tung – sieht man vom et­was nach­läs­sig be­zo­ge­nen Fah­rer­sitz ab, des­sen mehr­stu­fig aus­zieh­ba­re Bein­auf­la­ge nicht im­mer or­dent­lich ein­ras­te­te. We­ni­ger wer­ti­ge Ma­te­ria­li­en und an man­cher Stel­le et­was un­prä­zi­se zu­sam­men­ge­steck­te Tei­le trü­ben das Bild des Seat je­doch nicht stark. Mit der mo­der­ne­ren und reich­hal­ti­ge­ren Si­cher­heits­aus­stat­tung dis­tan­ziert er den Q3 end­gül­tig in die­sem Ka­pi­tel, wo­bei er zum Bei­spiel au­to­nom voll­brem­sen (Se­rie), den Ab­stand hal­ten (575 Eu­ro) oder beim Au­spar­ken vor Qu­er­ver­kehr war­nen kann ( 390 Eu­ro). Die Mü­dig­keits­er­ken­nung und den Licht-/Re­gen­sen­sor gibt’s zu­dem ab Werk, bei Au­di nur ge­gen Auf­preis (245 bzw. 160 Eu­ro).

Fahr­kom­fort

Sport­sit­ze ha­ben bei­de Test­wa­gen, al­ler­dings kos­ten die bei Au­di 550 Eu­ro ex­tra. Da­zu gibt es bei ihm ei­ne aus­zieh­ba­re Bein­auf­la­ge. Seat spen­diert dem Test­wa­gen-Sitz ei­ne elek­tri­sche Ver­stel­lung, mit der man die Sitz­flä­che nicht nur kom­plett an­he­ben, son­dern auch nei­gen kann. Im Fond des Spa­ni­ers ste­hen die Leh­nen et­was stei­ler und man sitzt ins­ge­samt et­was tie­fer, in­te­grier­ter. Der Ate­ca ist zu­dem er­go­no­mi­scher, was be­son­ders an mehr Abla­gen und der nied­ri­ge­ren La­de­kan­te (68 cm; Au­di: 83 cm) so­wie dem in der Hö­he et­was klei­ne­ren Ver­stell­be­reich des Q3-Lenk­rads liegt. Das Ge­räusch­ni­veau ist in bei­den SUV gleich, wo­bei die gro­ßen Seat-Rä­der je nach Be­lag lau­ter ab­rol­len. Gro­ße Un­ter­schie­de zei­gen sich

hin­ge­gen beim Fe­de­rungs­kom­fort, wo­bei bei­de Test­wa­gen mit ad­ap­ti­ven Dämp­fern (Op­ti­on) an­tra­ten, der Ate­ca so­gar zum ers­ten Mal. Ei­nes vor­weg: Den sport­li­chen Fahr­werks­mo­dus kön­nen wir nie­man­dem emp­feh­len, es sei denn, der As­phalt ist brand­neu und top­fe­ben. Aus­ge­gli­che­ner lie­gen bei­de Test­wa­gen, wenn sich die Dämp­fer je­dem Un­ter­grund an­pas­sen, und das geht blitz­schnell. Für die ge­müt­li­che Gan­gart taugt die Kom­fort­stu­fe am bes­ten. Un­term Strich spre­chen die Ate­caFahr­werks­ele­men­te sen­si­bler an, die Ka­ros­se­rie wird we­ni­ger stark an­ge­regt und ist spür­bar ef­fi­zi­en­ter ent­kop­pelt.

Mo­tor / Ge­trie­be

Ganz neu im Ate­ca ist der 190 PS star­ke Zwei­li­ter-Tur­bo-Ben­zi­ner mit Saug­rohr-/ Di­rekt­ein­sprit­zung, den es nur mit dem Sie­ben­gang-Dop­pel­kupp­lungs­ge­trie­be (DSG) gibt. Doch ob­wohl Hu­b­raum, Boh­rung und Hub den Wer­ten des Au­di-Ag­gre­gats ent­spre­chen, gibt es doch grö­ße­re Un­ter­schie­de zwi­schen den bei­den Mo- to­ren als das Plus von zehn PS (Ate­ca), der an­de­re Dreh­mo­ment­ver­lauf und die et­was hö­he­ren Dreh­zah­len vor dem Schalt­vor­gang (Q3). Der TSI im Seat hat ein in­no­va­ti­ves Brenn­ver­fah­ren, wo­bei die An­saug­zeit ver­kürzt, der La­de­druck auf der Ein­lass­sei­te er­höht und mit­tels zwei­stu­fi­gem Ven­til­hub Dreh­mo­ment und Leis­tung ge­stei­gert wer­den, der Ver­brauch aber ge­senkt wird. In­ter­es­sant: Der Mo­tor ist ei­ne Ent­wick­lung von Au­di und ar­bei­tet be­reits in ei­ni­gen Mo­del­len – be­stimmt auch im nächs­ten Q3. Den Ver­brauchs­vor­teil kann der mo­der­ner mo­to­ri­sier­te und et­was län­ger über­setz­te Ate­ca aus­spie­len, wo­bei sein Ag­gre­gat ganz be­son­ders gut im Fut­ter stand – an­ders ist das Un­ter­bie­ten der Werks­an­ga­be von 0-100 km/ h um 1,3 Se­kun­den nicht zu er­klä­ren. Ner­vig: In bei­den Fahr­zeu­gen ist das Gas­pe­dal beim An­fah­ren nicht schön do­sier­bar, was vor al­lem beim Ran­gie­ren stö­ren kann. Au­ßer­dem dau­ert es zu lan­ge, wenn die Ge­trie­be vom Se­gel­be­trieb (nur im Ef­fi­zi­enz-Mo­dus) wie­der in die Be­schleu­ni­gungs­pha­se wech­seln. Üb­ri­gens: Dass hier zwei Au­to-Ge­ne­ra­tio­nen auf­ein­an­der­tref­fen, merkt man auch dar­an, dass man den Ge­trie­be-Wähl­he­bel im Au­di in ei­ne se­pa­ra­te Stu­fe ma­nö­vrie­ren muss, um in die Sport-Stu­fe zu ge­lan­gen. Im Seat reicht da­für ein sanf­ter Zug am DSG-Kn­auf.

Fahr­dy­na­mik

Auch im Grenz­be­reich of­fen­bart sich das Q3-Al­ter. Nicht, weil der Au­di trä­ge und un­dy­na­misch wä­re, im Ge­gen­teil. Sei­ne ESC-Ab­stim­mung ist aber so lax, dass sie bei spon­ta­nen Aus­weich­ma­nö­vern für plötz­li­che Heck­schwenks sorgt. Der Ate­ca hin­ge­gen wird schon bei der kleins­ten Lenk­kor-

Der Ate­ca wirkt grö­ßer, doch der Q3 ist län­ger und schwe­rer als sein Wett­be­wer­ber

rek­tur vom ESC (ESP) ein­ge­bremst. Das ist si­cher, kos­tet ihn aber po­ten­zi­el­le Dy­na­mik, denn die An­la­gen zum Kur­ven­meis­ter hat er – dank gro­ßer Rä­der und ge­fühl­vol­le­rer Len­kung mit klei­ne­ren Lenk­win­keln. Beim Brem­sen schen­ken sich bei­de nichts, mit war­mer An­la­ge stoppt der Q3 aus Tem­po 100 bis zum Still­stand et­was bes­ser (33,5 Me­ter; Ate­ca: 34,1 Me­ter) und bie­tet un­ter ho­her Be­las­tung das an­ge­neh­me­re Pe­dal­ge­fühl. Die ge­won­ne­nen Punk­te ver­liert der In­gol­städ­ter aber wie­der mit sei­nem recht gro­ßen Wen­de­kreis (12,1 Me­ter im Schnitt).

Um­welt / Kos­ten

Rund 4000 Eu­ro hö­her liegt der Grund­preis des Au­di Q3. Nimmt man den be­wer­te­ten Preis in­klu­si­ve al­ler test­re­le­van­ten Ex­tras, sind es so­gar rund 6000 Eu­ro zu­guns­ten des Seat Ate­ca mit ver­gleich­ba­rem An­trieb, der obend­rein die üp­pi­ge­re Aus­stat­tung (Kli­ma­au­to­ma­tik und Park­sen­so­ren hin­ten se­ri­en­mä­ßig), das mo­der­ne Mul­ti­me­dia- und In­fo­tain­ment­sys­tem (sie­he Con­nec­tivi­ty), den nied­ri­ge­ren Wert­ver­lust und die et­was güns­ti­ge­ren Kraft­stoff­kos­ten so­wie nied­ri­ge­ren Emis­sio­nen hat. War­tung und Steu­er kos­ten ähn­lich viel.

Si­che­re und dy­na­mi­sche Stra­ßen­la­ge dank 245er-Rei­fen und ad­ap­ti­ven Dämp­fern rundum (bei­des op­tio­nal) Seat

Das passt: Er­go­no­mi­sches, klar struk­tu­rier­tes Ate­ca-Cock­pit mit ge­nü­gend Platz

Der lädt: Dank des stei­len Heck­ab­schlus­ses passt in den Ate­ca mehr Ge­päck als in den Q3 828 mm

760 mm 1654 mm 990 mm

Das sitzt: Gut ge­form­te Stüh­le mit ein­stell­ba­rer Len­den­wir­bel­stüt­ze sind Se­rie

Das hilft: Ei­ne gan­ze Ar­ma­da von Si­cher­heits-As­sis­ten­ten ist op­tio­nal an Bord

Schi­cke Er­schei­nun­gen: In der neu an­ge­bo­te­nen FR-Aus­stat­tung macht der Ate­ca ei­ne noch schnit­ti­ge­re Fi­gur. Der Q3 bie­tet nach wie vor viel Pres­ti­ge

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