DTM Pau­ken­schlag: Mer­ce­des ver­lässt ab 2019 die po­pu­lärs­te Tou­ren­wa­gen-Se­rie Eu­ro­pas

Nach der über­ra­schen­den An­kün­di­gung von Mer­ce­des über den Rück­zug aus der DTM ab 2019 ist die DTM-Or­ga­ni­sa­ti­on ITR ge­for­dert, die Start­plät­ze mit Au­tos wei­te­rer Her­stel­ler zu be­set­zen

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Gre­gor Mes­ser

Sonn­tags in Mos­kau herrsch­te noch ei­tel Son­nen­schein. Die DTM er­leb­te ei­nes der tur­bu­len­tes­ten Ren­nen ih­rer His­to­rie. Groß­ar­ti­ger Sport. Mit Mer­ce­des als Sie­ger: Ma­ro En­gel, aus der letz­ten Rei­he ge­star­tet, ge­lang ein sehr ge­fei­er­ter Sieg. Mon­tag­abend um 18:00 Uhr dann der Schock: Mer­ce­des wird En­de 2018 aus der DTM aus­stei­gen – und ne­ben der For­mel 1 künf­tig ab Herbst 2019 in der welt­weit boo­men­den Elek­tro­se­rie For­mel E an den Start ge­hen. Die Vor­stand­sEnt­schei­dung soll nach in­ter­nen kon­tro­ver­sen Dis­kus­sio­nen erst am Frei­tag­abend des Mos­kau-Wo­che­n­en­des ge­fällt wor­den sein – drei Ta­ge vor der Ver­kün­dung. In ei­ner ge­mein­sa­men Vi­deoKon­fe­renz der DTM-Da­ch­or­ga­ni­sa­ti­on ITR mit Sport­chefs und Vor­stän­den der Her­stel­ler platz­te mon­tag­abends die Bom­be. Die Mel­dung vom Rück­zug Mer­ce­des’ un­ter­lag Ge­heim­hal­tungs­stu­fe eins. Das Mer­ce­des-Ein­satz­team HWA – Haupt­in­ves­tor ist Mer­ce­des- For­mel- 1-Te­am­chef To­to Wolff – ist bör­sen­no­tiert. Die Sa­che war mit­tei­lungs­pflich­tig. Gleich­zei­tig ging ei­ne Ad hoc-Mel­dung an die Bör­sen und Ak­tio­nä­re.

Neue Re­geln ent­schei­dend für Her­stel­ler-Ein­stieg

Der an­ge­kün­dig­te Rück­zug trifft die DTM mit­ten in ei­ner Pha­se der Neu­aus­rich­tung. Ge­mein­sam mit Au­di und BMW ar­bei­te­te Mer­ce­des an der Gestal­tung ei­nes neu­en Re­gle­ments, das vor al­lem die Mo­to­ren be­trifft. Es soll ab 2019 grei­fen. V8-, V6-, vor al­lem aber Vier­zy­lin­der-Tur­bo­mo­to­ren ste­hen zur Dis­kus­si­on. Die ITR steckt mit­ten in der Aus­schrei­bung für die Er­werbs­rech­te zur TV-Über­tra­gung. Hier wird von bei­den Sei­ten Lang­fris­tig­keit ge­for­dert. Doch dar­in liegt auch die Krux der neu­en Si­tua­ti­on: Der Live-Sen­der – seit 2005 die ARD – wird stets mehr als nur zwei Her­stel­ler (Au­di, BMW) ein­for­dern. Wei­te­re Mar­ken könn­te die ITR je­doch erst über­zeu­gen, wenn das Re­gle­ment steht. Au­di und BMW be­dau­ern die Mer­ce­des-Ent­schei­dung uni­so­no. „Die Kon­se­quen­zen sind für Au­di der­zeit nicht ab­seh­bar“, sag­te Au­diS­port­chef Die­ter Gass, „für uns ist das En­ga­ge­ment im In­ter­na­tio­na­len Tou­ren­wa­gen-Sport ein wich­ti­ger Be­stand­teil der werks­sei­ti- gen Mo­tor­sport-Stra­te­gie.“Wie Au­di wird sich auch BMW künf­tig in der For­mel E en­ga­gie­ren – ab der Sai­son 2018/19. Doch an­ders als Au­di, wo man den Top-Tou­ren­wa­gen-Sport auf je­den Fall wei­ter be­trei­ben will, könn­te sich BMW durch­aus als Wa­ckel­kan­di­dat er­wei­sen. Die Münch­ner en­ga­gie­ren sich künf­tig vor al­lem mit ei­nem neu­en GT-LM-Pro­jekt in Le Mans. Et­was halb­her­zig hat Sport­chef Jens Mar­quardt be­reits die Mög­lich­keit in Be­tracht ge­zo­gen, die DTM künf­tig mit GT3-Au­tos aus­zu­tra­gen – wo­mit man frei­lich der GT-Mas­ters-Ver­an­stal­tung des ADAC in die Que­re kä­me. „Ja“, sagt der seit Be­ginn des Jah­res am­tie­ren­de ITR-Prä­si­dent Ger­hard Ber­ger, „die DTM kann mit nur zwei Her­stel­lern exis­tie­ren.“Aber auch Ber­ger ist klar, dass dies le­dig­lich ei­ne kurz­fris­ti­ge Si­tua­ti­on blei­ben darf. Die ITR steht nun un­ter dem Druck, schleu­nigst ei­ne Lö­sung zu fin­den. So fährt seit 2014 die ja­pa­ni­sche Su­per-GT-Meis­ter­schaft mit ei­nem tech­ni­schen Re­gle­ment, das ge­mein­sam mit der ITR ent­wi­ckelt wor­den ist. Die Bo­li­den von Le­xus, Nis­san und To­yo­ta sind de­nen von Au­di, BMW und Mer­ce­des un­ter der Ka­ros­se­rie na­he­zu iden­tisch. Auch hier dik­tie­ren die kos­ten­re­du­zie­ren­den Ein­heits­bau­tei­le die Kon­struk­ti­on. Aber: In Ja­pan wird be­reits mit Vier­zy­lin­der-Tur­bo­mo­to­ren ge­rannt. Ger­hard Ber­ger weiß aus sei­ner Kar­rie­re als ak­ti­ver Renn­fah­rer und zehn­ma­li­ger GP-Sie­ger, was es heißt, zu kämp­fen: „Seit Sai­son­be­ginn ha­be ich noch in­ten­si­ver er­ken­nen kön­nen, wel­ches Po­ten­zi­al in der DTM steckt.“Be­reits beim Sai­son­fi­na­le in Ho­cken­heim im Ok­to­ber soll es po­si­ti­ve Über­ra­schun­gen ge­ben.

Ab 2019 oh­ne den Mer­ce­des-Ver­ant­wort­li­chen: Die Sport­chefs von Au­di und BMW, Die­ter Gass (l.) und Jens Mar­quardt (r.), flan­kie­ren Uli Fritz

ITR-Prä­si­dent Ber­ger: von der Si­tua­ti­on ent­täuscht, aber wil­lens, die DTM auch künf­tig er­folg­reich zu gestal­ten

Ja­pa­ni­sche Su­per GT: Die Bo­li­den von Hon­da (l.), Le­xus (r.) und Nis­san fah­ren mit vie­len Ein­heits­bau­tei­len, die aus der DTM stam­men

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