RO­TES DUEL IN MON­ZA

Der 670 PS star­ke Fer­ra­ri 488 bil­det die tech­ni­sche Ba­sis für die wohl schnells­ten Kun­denS­port-Se­rie der Welt: die Fer­ra­ri Chal­len­ge. Du­ell zwi­schen Ori­gi­nal und Renn­ver­si­on in Mon­za

AUTO ZEITUNG - - REPORTAGE · FERRARI 488 CHALLENGE GEGEN FERRARI 48 - [ TEXT Mar­kus Schön­feld FO­TOS Aleksan­der Per­ko­vic ]

Egal wo man im öf­fent­li­chen Stra­ßen­ver­kehr un­ter­wegs ist – das vol­le Po­ten­zi­al ei­nes 670 PS star­ken Fer­ra­ri 488 GTB lässt sich nicht ein­mal an­satz­wei­se aus­schöp­fen. Wer al­so die schö­ne Ber­li­net­ta zum wil­den Tanz auf­for­dern will, braucht da­für ei­nen ab­ge­sperr­ten Rund­kurs. Be­son­ders sol­ven­te Fer­ra­riKun­den ha­ben das längst er­kannt. Sie bestellen sich ge­nau für die­sen Zweck gleich die neue, ge­ring­fü­gig teu­re­re Renn­ver­si­on des 488 (oh­ne Stra­ßen­zu­las­sung) und neh­men da­mit an der seit 1992 aus­ge­tra­ge­nen Fer­ra­ri Chal­len­ge teil. Auf dem Pa­pier sind vie­le Ge­mein­sam­kei­ten zwi­schen Se­ri­en­au­to und Renn­wa­gen zu fin­den. Auf der schnells­ten For­mel-1-Renn­stre­cke der Welt – dem 5,8 Ki­lo­me­ter lan­gen Au­to­dro­mo Na­zio­na­le in Mon­za – wird ei­nem der him­mel­wei­te Un­ter­schied aber sehr schnell deut­lich.

Der 488 GTB ist ei­ne Fahr­ma­schi­ne

Ge­gen das kom­pro­miss­los auf Renn­wa­gen ge­trimm­te Chal­len­ge-Ge­rät wirkt der 488 GTB schon im Stand wie ein Gran Tu­ris­mo. Doch per Dreh­schal­ter am Lenk­rad ver­wan­delt auch er sich schnell in ei­ne er­bar­mungs­lo­se Fahr­ma­schi­ne: Die ers­te Schi­ka­ne nach der Bo­xen­aus­fahrt durch­eilt er je­den­falls un­be­ein­druckt im Af­fen­zahn, nur um di­rekt da­nach mit fast un­na­tür­li­cher Trak­ti­on auf den lang­ge­zo­ge­nen Rechts­bo­gen – Cur­va Bi­as­so­no – zu­zu­stür­men. Nach nur fünf Se­kun­den ver­dop­pelt sich das Tem­po von 100 km/ h auf 200. Be­glei­tet vom ma­ra­nel­li­schen Tur­bo-Ge­tö­se wech­selt

das Ge­trie­be gie­rig die Gän­ge und der Di­gi­talt­a­cho za­ckig die Zeh­ner­stel­len: 240 … 250 … 260. Ab­so­lut sta­bil, aber mit schwin­del­er­re­gen­der Ver­zö­ge­rung fol­gen auf die lan­ge Kur­ve die ers­te Voll­brem­sung und das za­cki­ge Ein­len­ken in die zwei­te Schi­ka­ne. Der Tief­flug über die Kerbs der le­gen­dä­ren As­ca­ri-Kom­bi­na­ti­on ver­stärkt das si­che­re Ge­fühl, das der GTB ver­mit­telt. Spä­tes­tens jetzt ist klar, dass die­ses Au­to den Renn­sport in den Ge­nen trägt. Man ist auf An­hieb ex­trem schnell un­ter­wegs – und das ganz oh­ne Schweiß­per­len auf der Stirn. Da­ge­gen ist al­lein der Ein­stieg in den 488 Chal­len­ge schweiß­trei­bend: Man klet­tert durch den en­gen Si­cher­heits­kä­fig, zwängt sich in Voll­scha­len-Sit­ze und zieht al­le En­den des Sechs­punkt-Gur­tes so fest zu, bis man au­ßer Hän­den und Fü­ßen nichts mehr be­we­gen kann. Das et­was be­klem­men­de Ge­fühl im Cock­pit löst sich ein we­nig, so­bald der Mo­tor un­ge­dämmt auf­heult und et­was Fahrt­wind durch das klei­ne Kunst­stoff­fens­ter weht. Ge­schal­tet wird wie im Se­ri­en­au­to über die Padd­les am Lenk­rad. Doch das Ge­trie­be ist kür­zer über­setzt, so- dass der Renn­wa­gen noch bru­ta­ler be­schleu­nigt als das Se­ri­en­au­to. Aus dem Stand ver­ge­hen nur sechs Se­kun­den, bis die ers­ten vier Gän­ge aus­ge­dreht sind – un­ter­malt von ei­nem in­fer­na­li­schen Ge­krei­sche, das trotz der Oh­ren­schüt­zer im Helm ein­dring­lich zur Gel­tung kommt. Zu­dem macht sich je­der Gang­wech­sel mit ei­nem har­ten Kopf­ni­cken be­merk­bar. Dass der tie­fer und här­ter ab­ge­stimm­te Chal­len­ge schnel­ler durch die Schi­ka­ne kommt, war zu er­war­ten. Dass ei­nem die Flieh­kräf­te da­bei aber die vol­le kör­per­li­che Mit­ar­beit ab­ver­lan­gen, ist ei­ne gänz­lich neue Er­fah­rung. Noch bru­ta­ler ist die Ge­walt beim An­brem­sen der zwei­ten Schi­ka­ne. Das Ge­gen­hal­ten gleicht ei­nem Kraft­akt un­ter Press­at­mung, der sich Kur­ve für Kur­ve wie­der­holt. Nach nur fünf Run­den in Mon­za sind al­le kör­per­ei­ge­nen Kraft­re­ser­ven erschöpft, man fühlt sich wie durch die Wä­sche­man­gel ge­dreht. Ei­nes dürf­te klar sein: Die gut 40 Pri­vat-Teams be­trei­ben ernst­haf­ten Mo­tor­sport, wenn sie sich am Wo­che­n­en­den auf den be­kann­tes­ten Renn­stre­cken der Welt tref­fen. Erst auf der Rück­fahrt im kli­ma­ti­sier­ten Se­ri­en-488 ent­krampft sich der Kör­per. Wäh­rend die rote Ber­li­net­ta im sieb­ten Gang über den As­phalt glei­tet, fes­tigt sich die Er­kennt­nis: Fer­ra­ri baut mit dem 488 ein wirk­lich phä­no­me­na­les Au­to, das auf der Renn­stre­cke wie auf lan­ger Tour glei­cher­ma­ßen be­geis­tert. Die Chal­len­ge da­ge­gen ist nur et­was für trai­nier­te Renn­fah­rer.

Nichts für schwa­che Ner­ven: Schon der Se­ri­en-488 mit 670 PS geht auf der Renn­stre­cke in Mon­za rich­tig zur Sa­che

Slick-Rei­fen, Leicht­bau und Ren­nB­rem­se schaf­fen noch­mals ei­nen höl­li­schen Un­ter­schied auf der Pis­te

Renn­wa­gen ge­gen Stra­ßen­au­to – ein Ver­gleich der be­son­de­ren Art. Der er­fah­re­ne GT3Pi­lot Gi­a­co­mo Pic­ci­ni (l.) er­klärt das Renn­wa­genCock­pit

Auf­fäl­li­ge La­ckie­run­gen wie das Hai­fisch-Maul und net­te Be­glei­tun­gen ge­hö­ren bei den Pri­vat-Teams der Fer­ra­ri-Chal­len­ge zum ad­äqua­ten Ton Im Ver­gleich zum Chal­len­geWa­gen wirkt der kei­nes­falls in­tro­ver­tier­te GTB fast zu­rück­hal­tend

En­ger Kä­fig und Schraub­stock-Scha­len müs­sen nur im Renn­wa­gen sein. Der GTB be­gnügt sich mit durch­aus lang­stre­ck­en­taug­li­chen Sport­sit­zen

Der kraft­strot­zen­de Bi­tur­bo-V8 des Renn­wa­gens ent­spricht wei­test­ge­hend dem Se­ri­en­mo­tor

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