VW-Fa­mi­li­en­au­tos Vom Bul­li bis zum Golf Va­ri­ant

Ech­te Volks-Wa­gen kom­men nicht nur aus Wolfs­burg. In Han­no­ver reift die nächs­te Trans­por­ter-Ge­ne­ra­ti­on her­an. Aus­blick auf den neu­en Bul­li und wei­te­re Fa­mi­li­en­mo­del­le mit und oh­ne Ste­cker

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT Ste­fan Mie­te Com­pu­ter­de­sign Patrick Bü­cker ]

Der Be­griff Iko­ne geht schnell über die Lip­pen, wenn man et­was mut­maß­lich Be­son­de­res zum wirk­lich Au­ßer­ge­wöhn­li­chen hoch­stu­fen will. Das ist bei Au­tos nicht an­ders, und so hau­en die Kom­mu­ni­ka­to­ren gern auf den Putz. Kaum dass die zwei­te Ge­ne­ra­ti­on ei­nes Ge­fährts vom Band läuft, schon ist die Au­to­welt um ei­ne „Iko­ne“rei­cher. Um in­des ech­ten Hel­den­sta­tus zu er­lan­gen, muss ein Mo­dell schon ver­dammt lan­ge an der Spit­ze ste­hen und Ge­ne­ra­tio­nen von Au­to­fah­rern be­geis­tert ha­ben. Der Por­sche 911 ist ei­ne Iko­ne – und der VW Bul­li ganz genau­so. Ob Schul­bus, Eis- oder Bä­cker­wa­gen, zum Bul­li hat je­der ei­ne Ge­schich­te auf La­ger. Da­mit wei­te­re hin­zu­kom­men, feilt VW an der Er­neue­rung der ak­tu­el­len sechs­ten Trans­por­ter-Ge­ne­ra­ti­on (T6), die als kom­for­ta­bler Mul­tivan oder frei­zeit­freund­li­cher Ca­li­for­nia – Auf­stell­dach, Bet­ten, Kü­chen­block – ei­ne er­staun­lich gro­ße Fan­ge­mein­de be­dient, die auch herz­haft kal­ku­lier­te Prei­se nicht scheut. Ein schi­cker Ca­li­for­nia Oce­an Edi­ti­on et­wa be­ginnt bei 63.921 Eu­ro und lässt sich pro­blem­los um den Wert ei­nes neu­en Po­lo auf­rüs­ten.

Der neue Mul­tivan steht für 2020 auf dem Plan

Ak­tu­ell lau­fen die Pla­nun­gen für die Nach­fol­ge­ge­ne­ra­ti­on des gro­ßen Han­no­ve­ra­ners, und die sind kniff­li­ger als bei den meis­ten Pkw-Pro­jek­ten. Ei­ne statt­li­che Zahl von Mo­tor- und Ge­trie­be­va­ri­an­ten lässt sich mit un­ter­schied-

li­chen Rad­stän­den und Auf­bau­ten mul­ti­pli­zie­ren, die wie­der­um mit Front- oder All­rad­an­trieb kom­bi­niert wer­den kön­nen. „Al­lein die Viel­zahl un­ter­schied­li­cher Sei­ten­wän­de geht schwer ins Geld“, ver­rät ein VW-Ma­na­ger. War der Wech­sel vom T5 zum T6 eher ein gro­ßes Face­lift, so muss der für 2020 ge­plan­te T7 ver­schärf­ten Cras­han­for­de­run­gen ge­nü­gen. Ei­ne weit­ge­hen­de Neu­kon­struk­ti­on wird nö­tig. Weil aber mit dem für 2022 an­ge­kün­dig­ten, voll­elek­tri­schen I.D. Buzz ein Kon­kur­rent aus dem ei­ge­nen Haus er­scheint, wird die Kal­ku­la­ti­ons­grund­la­ge für den T7 schma­ler. Mög­li­che Lö­sung: Die klas­si­schen Trans­por­ter, Kas­ten- und Prit­schen­wa­gen blei­ben auf der ak­tu­el­len, je­doch mo­di­fi­zier­ten Ba­sis. Die kom­fort­ori­en­tier­ten Mul­tivans aber fu­ßen künf­tig auf dem Mo­du­la­ren Qu­er­bau­kas­ten (MQB). Der VW At­las, ein für den US-Markt pro­du­zier­tes, 5,03 Me­ter lan­ges SUV, be­weist, wie dehn­bar der auch dem Golf zu­grun­de­lie­gen­de Bau­kas­ten ist. Al­ler­dings set­zen die Nutz­fahr­zeug­ex­per­ten in Han­no­ver auf ei­ge­ne Achs-Kon­zep­te, die den hö­he­ren Traglas­ten des Mul­tivan ge­recht wer­den. Auch künf­tig soll es bei der An­ge­bots­viel­falt aus Front-

und All­rad­an­trieb blei­ben und selbst­ver­ständ­lich auch beim Tur­bo­die­sel, oh­ne den Fahr­zeu­ge die­ser Grö­ße nicht wirt­schaft­lich zu be­trei­ben sind. Der Die­sel-An­teil liegt ak­tu­ell bei 97 Pro­zent. Es bleibt beim Schie­be­tür­kon­zept und der an den Ecken stär­ker ge­run­de­ten Ka­ros­se­rie. Auch rein bat­te­ri­elek­trisch an­ge­trie­be­ne Va­ri­an­ten sind in Pla­nung. De­ren Besonderheit sind Li­thi­um-Io­nen­Ak­kus mit un­ter­schied­lich gro­ßen Spei­cher­ka­pa­zi­tä­ten. Hier­bei geht es schlicht ums Geld und die best­mög­li­che Raum­aus­nut­zung. Ge­wer­be­trei­ben­de, die grund­sätz­lich auf der Kurz­stre­cke un­ter­wegs sind, brau­chen ein­fach kei­ne raum­grei­fen­de 400-Ki­lo­me­terBat­te­rie. Die hilft den Ca­li­for­ni­aFah­rern in­des auch nicht, sind die­se doch zu­meist auf Fern­fahrt un­ter­wegs. Die Lö­sung lau­tet da­her Plug-in-Hy­brid, viel­leicht so­gar in Kom­bi­na­ti­on mit Erd­gas (CNG). An die Stel­le der bis­he­ri­gen Hy­drau­lik­len­kung tritt üb­ri­gens ei­ne elek­tro-mecha­ni­sche. Da­mit sind dann auch die aus den VWPkw be­kann­ten As­sis­tenz­sys­te­me, zum Bei­spiel für die au­to­ma­ti­sche Spur­hal­tung, mög­lich. Kurz­um: Die Iko­ne wird fit ge­macht für ei­ne weit­rei­chen­de Zu­kunft, denn die je­wei­li­gen T-Ge­ne­ra­tio­nen sind ech­te Lang­läu­fer mit ei­ner Bau­zeit von durch­schnitt­lich 13 Jah­ren. Durch die breit an­ge­leg­te Elek­tri­fi­zie­rung sei­ner Mo­dell­pa­let­te – bis 2030 will der VW-Kon­zern rund 70 Mil­li­ar­den Eu­ro in­ves­tie­ren – sind ganz neue Raum­kon­zep­te mög­lich. Stich­wort I.D. Buzz. Ge­gen­über der jüngst prä­sen­tier­ten, 4,92 Me­ter lan­gen Stu­die wird das für 2022 ge­plan­te Ori­gi­nal schma­ler und deut­lich kür­zer aus­fal­len und mit ei­ner Län­ge von gut 4,50 Me­tern in et­wa so groß sein wie ein Tou­ran von heu­te.

Gu­te Raum­aus­nut­zung dank kom­pak­ter Tech­nik

Das Rau­m­an­ge­bot aber soll so üp­pig aus­fal­len wie beim ak­tu­el­len Mul­tivan. Der Trick: Ein im Wa­gen­bo­den ver­bor­ge­ner Bat­te­rie­trog nimmt die Ak­kus auf. Der kom­pak­te E-Mo­tor sitzt na­he der Hin­ter­ach­se. Kom­fort­ein­bau­ten wie die Kli­ma­an­la­ge ste­cken im kur­zen Bug. VW plant mit ei­ner Sys­tem­leis­tung von bis zu 275 kW (374 PS). So kräf­tig mo­to­ri­siert soll der Elek­tro-Bul­li in nur 5,3 Se­kun­den aus dem Stand auf Tem­po 100 spur­ten, aus Grün­den der Bat­te­rie­scho­nung aber nicht schnel­ler als 160 km/ h sein. Bis zu 111 kWh Spei­cher­ka­pa­zi­tät sind ge­plant – laut VW ge­nug Saft für bis zu 600 Ki­lo­me­ter. Bei kon­se­quen­ter Aus­nut­zung des noch in Pla­nung be­find­li­chen Mo­du­la­ren Elek­tri­fi­zie­rungs-Bau­kas­tens (MEB) kommt üb­ri­gens auch ein pfif­fi­ger Stadt­lie­fer­wa­gen in Reich­wei­te: Der klei­ne Elek­tro

Frido­lin, ein be­zahl­ba­rer Part­ner für Han­del und Hand­werk. Die schwö­ren bis­lang auf den auch bei Fa­mi­li­en sehr be­lieb­ten Cad­dy, (ab 18.528 Eu­ro), ei­ner preis­güns­ti­gen Al­ter­na­ti­ve zum Tou­ran (ab 23.925 Eu­ro). Die Be­liebt­heit des Cad­dy ist un­ge­bro­chen, so­dass ein Mo­dell­wech­sel nicht vor 2021 zu er­war­ten ist. Wie beim neu­en Mul­tivan dient der Qu­er­bau­kas­ten als Ba­sis. Im Ge­gen­satz zum gro­ßen Han­no­ve­ra­ner kommt je­doch der nur 1,0 Li­ter gro­ße Drei­zy­lin­der-Tur­bo­ben­zi­ner un­ter die kur­ze Hau­be. Auch der mo­der­ne­re auf­ge­la­de­ne Vier­zy­lin­der-Ben­zi­ner mit 1,5 Li­ter Hu­b­raum (130/150 PS) ist ge­setzt, eben­so die spar­sa­men 2,0-Li­ter-TDI. In­ter­es­sant: Der Golf Sports­van wird kei­nen di­rek­ten Nach­fol­ger be­kom­men. In­ter­es­sen­ten kön­nen auf den T-Roc aus­wei­chen. Der Sha

ran hin­ge­gen soll fort­ge­führt wer­den und wird uns nach 2019 im Stil

ei­nes Cross­over (MQB Ba­sis) be­geg­nen. VW will das Feld der so­ge­nann­ten Mo­no­cabs nicht Ford und Re­nault über­las­sen, auch Seat ist da­von be­trof­fen. Oh­ne Sha­ranBa­sis wä­re ein neu­er Al­ham­bra nicht mög­lich. Den will Seat-Chef Lu­ca de Meo aber auf je­den Fall sei­nen Kun­den an­bie­ten. Auch die Klas­si­ker Golf Va­ri­ant und

Pas­sat Va­ri­ant wer­den fort­ge­setzt, wenn­gleich beim Kom­bi-Golf we­gen der deut­lich ge­rin­ge­ren Stück­zah­len stets be­son­ders ge­nau ge­rech­net wird. Die Li­mou­si­ne des Golf VIII wird En­de 2019 vor­ge­stellt, der auf der­sel­ben Tech­nik fu­ßen­de Pas­sat 2021. Bei­de Mo­del­le hal­ten den schon heu­te be­ste­hen­den Län­gen­ab­stand von gut 20 Zen­ti­me­tern ein ( Golf Va­ri­ant: 4,57 m; Pas­sat Va­ri­ant: 4,77 m). Und auch beim ma­xi­ma­len La­de­vo­lu­men von 1620 und 1780 Li­tern wird sich nichts Grund­le­gen­des än­dern. Es bleibt beim Mix aus Front- und All­rad­an­trieb 4Mo­ti­on. In­ter­es­san­tes­te Ben­zi­ner-Va­ri­an­te wird der 1.5 TSI sein, der schon heu­te mit 150 PS und in Kür­ze als 130 PS star­ker Blu­eMo­ti­on samt Par­ti­kel­fil­ter auf die Stra­ße kom­men soll. Und auch der wa­cke­re 1,0-Li- ter-Drei­zy­lin­der Tur­bo­ben­zi­ner gilt als zu­kunfts­fä­hig. Im grö­ße­ren und ent­spre­chend schwe­re­ren Pas­sat ist der stär­ke­re 2.0 TSI (der­zeit 220 und 280 PS) wich­tig. Ob es der für den Ar­te­on avi­sier­te V6-Zy­lin­der bis in den Pas­sat schafft, ist da­ge­gen der­zeit noch of­fen. Bei­de Kom­bis wer­den mit min­des­tens ei­ner Plug-in-Va­ri­an­te kom­men. Zu­dem will VW das An­ge­bot an Erd­gas-Va­ri­an­ten (CNG) stark aus­bau­en. Die Klas­si­ker blei­ben sich al­so treu und wer­den ei­ne star­ke Al­ter­na­ti­ve zu der ge­plan­ten Ar­ma­da der Elek­tro­au­tos sein.

Ty­pisch VW Bus: Der auf Ba­sis des Mo­du­la­ren Elek­tri­fi­zie­rungs­bau­kas­tens (MEB) ge­plan­te E-Bul­li soll mit enor­mer In­nen­raum­va­ria­bi­li­tät glän­zen

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