We­ni­ger ist mehr

Acht- statt Zwölf­zy­lin­der, we­ni­ger Leis­tung, we­ni­ger Hu­b­raum – als V8Va­ri­an­te macht der As­ton Mar­tin DB11 aber über­ra­schend viel Sinn

AUTO ZEITUNG - - FAHRBERICHT - Johannes Riegs­in­ger

Die zwei­te Mo­tor­va­ri­an­te im As­ton Mar­tin DB11 hät­te ein rei­ner Ver­wal­tungs­vor­gang sein kön­nen: Die rie­si­ge, vorn an­ge­schla­ge­ne Mo­tor­hau­be auf­klap­pen, den 608 PS star­ken Bi­tur­bo-V12 aus­bau­en, zah­me­ren V8 ein­set­zen, Preis neu kal­ku­lie­ren, fer­tig ist die bil­li­ge­re Ein­stiegs­va­ri­an­te für nicht ganz so sol­ven­te Gen­tle­men Dri­ver. Aber bei As­ton Mar­tin macht man es sich nicht so ein­fach. Die eng­li­sche Sport­wa­gen­schmie­de nimmt die zwei­te Mo­tor­va­ri­an­te ernst und voll­zieht mehr als nur ei­nen sim­plen Trieb­werks­tausch. Nach­dem mit dem DB11 V12 die vom Tech­nik-Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner Daim­ler ein­ge­kauf­te Fahr­zeug-Elek­tro­nik prä­sen­tiert wur­de, geht As­ton Mar­tin nun in die Vol­len und be­stellt gleich auch noch den neu­en DB11Acht­zy­lin­der in Schwa­ben. Da­bei han­delt es sich wohl­ge­merkt nicht um ei­nes der sä­mig-kom­for­ta­blen Mer­ce­des-Ag­gre­ga­te aus E- oder S-Klas­se, son­dern um den ul­trasport­li­chen Vier­li­ter-V8-Bi­tur­bo des AMG GT. Dass des­sen kno­chen­tro­cke­ne Dra­ma­tik in ei­nem eng­li­schen Gran Tu­ris­mo even­tu­ell et­was streng wir­ken könn­te, neh­men die En­g­län­der bis zu ei­nem ge­wis­sen Grad cha­rak­ter­stär­kend in Kauf – ab dann wird aber kon­se­quent zi­vi­li­siert.

Der DB11 bleibt ganz er selbst – nur et­was for­scher

Ei­ne neue Öl­s­umpf­schmie­rung bringt All­tags­taug­lich­keit, durch die mo­de­rat ab­ge­stimm­te Schall­dämp­fer-An­la­ge so­wie ge­än­der­te An­saug­we­ge klingt der AMG-V8 zu­rück­hal­ten­der. Le­dig­lich beim vol­len Be­schleu­ni­gen ist das ag­gres­si­ve, raue Don­nern des deut­schen V8 im­mer noch an Bord. Selbst­ver­ständ­lich hat As­ton Mar- tin auch das Map­ping der Mo­tor­elek­tro­nik über­ar­bei­tet. Auf die­se Wei­se be­kommt der kom­pro­miss­los hart an­d­rü­cken­de Cha­rak­ter des AMG-V8 ei­nen wei­chen, eng­li­schen Ak­zent. Die vom DB11 V12 über­nom­me­ne Acht­stu­fenAu­to­ma­tik stammt von ZF und schal­tet nicht nur Gran Tu­ris­mo­kom­for­ta­bel, son­dern auch sport­lich schnell – per­fekt für die Art von re­lax­tem Fast For­ward-Rei­sen, für die der gro­ße Gran Tu­ris­mo ge­baut und er­dacht wur­de. De fac­to balgt sich die V8-Ver­si­on des DB11 auf höchs­tem Ni­veau mit ih­rem V12-Bru­der, wenn es um voll­ende­te Hig­hspeed-Rei­sen geht: kaum lang­sa­mer, spür­bar ef­fi­zi­en­ter, eben­so kom­for­ta­bel, fast noch et­was aus­strah­lungs­stär­ker in Sa­chen Mo­tor­sound und Leis­tungs­cha­rak­te­ris­tik. Dass der V12 bei­na­he 100 PS mehr ha­ben soll, dürf­te in ei­ner Blind­ver­kos­tung kein Mensch glau­ben – die­ser V8 geht, dass kein Au­ge tro­cken bleibt. Und das nicht nur auf dem

Pa­pier, son­dern auch ge­fühlt. Und dann kommt der Mo­ment, an dem die klei­nen Stra­ßen hoch zum Fahr­spaß-Pass be­gin­nen: Der DB11 V8 prescht los und staunt, dass der V12 ir­gend­wann ein­fach nicht mehr mit­möch­te. In­si­der wis­sen wes­halb: Der V8 ist leich­ter. Gan­ze 115 kg we­ni­ger stemmt er auf die Waa­ge als sein V12-Kol­le­ge, die meis­ten Pfun­de pur­zeln da­bei von der Vor­der­ach­se – und das bringt Hand­ling, ei­ne nach hin­ten ver­scho­be­ne Ge­wichts­ver­tei­lung, leich­te­res Ein­len­ken, mehr Prä­zi­si­on, mehr Feed­back, bes­se­re Kon- trol­lier­bar­keit. „Na gut,“gibt ir­gend­wann Ent­wick­lungs­chef Max Szwaij zu, „wir ha­ben auch am Fahr­werk kräf­tig hin­ge­langt, be­son­ders die Hin­ter­ach­se ging bes­ser. Der V8 hat jetzt zum Bei­spiel ei­ne et­was an­de­re Fahr­werks­geo­me­trie, neue La­ger und här­te­re Sta­bi­li­sa­to­ren …“

Mit dem V8 kommt auch ei­ne sanfte Mo­dell­pfle­ge

Mit die­sem Fein­schliff – den im Üb­ri­gen mit­tel­fris­tig auch die V12Top­ver­si­on be­kom­men soll – fährt der DB11 V8 herr­lich rund und ho­mo­gen. Die im Grenz­be­reich oder auf der­ben Bo­den­wel­len seit­lich weg­ki­cken­de Hin­ter­hand ist da­mit deut­lich ab­ge­mil­dert, bei­na­he eli­mi­niert. In al­len an­de­ren Be­lan­gen muss­te sich der As­ton Mar­tin DB11 so­wie­so nichts vor­wer­fen las­sen – sei­ne ver­füh­re­ri­sche Mi­schung aus Ele­ganz, At­mo­sphä­re, All­tags­taug­lich­keit und Dy­na­mik hat der DB11 V8 oh­ne je­den Ab­strich über­nom­men. Cock­pit, Aus­stat­tungs­ele­men­te und Funk­tio­na­li­tä­ten sind in bei­den Mo­tor­va­ri­an­ten iden­tisch.

DB11 V8: dun­kel ge­tön­te Heck­leuch­ten, kei­ne Luft­öff­nun­gen in der Mo­tor­hau­be

Fahr­zeu­ge­lek­tro­nik von Daim­ler in opu­lent-spor­ti­vem As­ton Mar­tin-Trimm Di­gi­ta­le Klas­sik: Cock­pit mit ein­stell­ba­ren An­zei­ge­the­men

Spricht kaum noch Schwä­bisch: AMG-Mo­tor im As­ton Mar­tin

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