Wie gut funk­tio­niert die Be­die­nung per Hand­zei­chen? Im Test die Sys­te­me von BMW und VW

Per Ges­ten­steue­rung soll das Au­to­fah­ren in­tui­ti­ver wer­den – ers­te Sys­te­me sind be­reits se­ri­en­mä­ßig, et­wa bei BMW und VW. Ex­klu­si­ver Be­dien­test

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Hol­ger Ip­pen

A uf der Su­che nach ei­ner mög­lichst ein­fa­chen, in­tui­ti­ven Be­die­nung set­zen Au­to­bau­er im­mer häu­fi­ger auf al­ter­na­ti­ve Ein­ga­ben: Statt Schal­ter, Tas­ten und Dreh­knöp­fe ha­ben mo­der­ne Au­tos jetzt auch Touch­screens und Sprach­steue­run­gen an Bord. Das soll zum Bei­spiel die Be­die­nung von Ra­dio, Te­le­fon, Kli- ma­an­la­ge und Mul­ti­me­dia-Tech­nik er­leich­tern. Seit Kur­zem hal­ten so­gar die Ges­ten­steue­run­gen Ein­zug, al­so je­ne Sys­te­me, die be­rüh­rungs­los – auf Fin­ger­zeig – re­agie­ren. Ra­dio, Schie­be­dach (am Show­car) und so­gar die Ein­park­hil­fe ver­ste­hen ge­nau de­fi­nier­te, in der Luft aus­ge­führ­te Hand­zei­chen. Der Fah­rer kom­mu­ni­ziert mit der Tech­nik wie ein Di­ri­gent mit sei­nem Orches­ter. Wie gut das be­reits funk­tio­niert oder ob die Tech­nik eher ih­ren Ein­satz ver­passt wie ein schlech­ter Sän­ger im Lai­en­chor, woll­ten wir ge­nau­er wis­sen und star­te­ten ei­nen ers­ten Be­dien­test un­ter Pra­xis-Be­din­gun­gen. Da­zu nah­men wir uns zwei Pro­ban­den vor: den ak­tu­el­len VW Golf mit dem op­tio­na­len Pre­mi­um-Na­vi­ga­ti­ons­sys­tem Dis­co­ver Pro (2515 Eu­ro) und den 7er BMW mit dem Mul­ti­me­di­a­sys­tem BMW Pro­fes­sio­nal (Se­rie), das eben­falls über ei­ne Ges­ten­steue­rung ver­fügt. Das Be­dien­sys­tem des Dis­co­ver Pro im Golf ver­zich­tet kom­plett auf Di­rekt­tas­ten und die üb­li­chen Dreh­knöp­fe. Statt­des­sen lässt es

sich per Lenk­rad­t­as­ten, SprachBe­fehl, Bild­schirm­be­rüh­rung und/oder Ges­ten steu­ern. Die Funk­ti­on ist hier schnell er­klärt: Durch Wisch­ges­ten von rechts nach links und um­ge­kehrt wer­den ho­ri­zon­ta­le Me­nü­punk­te im Dis­play, die gera­de an­ge­zeigt wer­den, ver­scho­ben. So kann man et­wa im Ra­dio-Me­nü den Sen­der wech­seln. Hat man da­ge­gen die Play­list ei­nes an­ge­schlos­se­nen Da­ten­trä­gers ge­öff­net, wech­selt man so von Lied zu Lied. Al­ler­dings ist ein Über­sprin­gen von Ti­teln nicht mög­lich. Und: Die Ges­ten­steue­rung funk­tio­niert nur, wenn ein An­nä­he­rungs­sen­sor die Hand er­kannt hat und die Funk­ti­ons­be­reit­schaft per Pik­to­gramm (Win­ke­hand) im Dis­play si­gna­li­siert. Un­se­rer Test zeigt, dass ei­ne gleich­mä­ßi­ge, nicht zu schnell aus­ge­führ­te Ges­te zu­ver­läs­si­ger zum Er­folg führt als hek­ti­sches Wi­schen. Für die Laut­stär­ke-Re­ge­lung muss man beim Golf dann doch wie­der „hän­disch“zu­pa­cken. Das Ra­dio ver­zich­tet – zum ers­ten Mal in der VW-Ge­schich­te – kom­plett auf lieb ge­won­ne­ne Dreh­knöp­fe. Im Kl­ar­text: Man muss die Touch-Flä­chen für „Vo­lu­me +“und „Vo­lu­me -“fin­den und durch Tip­pen oder Fin­ger-Dau­er­auf­la­ge be­die­nen. Das geht wäh­rend der Fahrt oft nicht wie ge­wünscht, muss wie­der­holt wer­den und ge­lingt selbst nach Ein­ge­wöh­nung nicht oh­ne Blick­kon­trol­le. Und so trau­ern sämt­li­che Tes­ter dem be­währ­ten Dreh­knopf nach. Bei der BMW-Ges­ten­steue­rung las­sen sich deut­lich mehr Funk­tio­nen via fest­ge­leg­ter Hand­be­we­gun­gen be­die­nen. Die Ges­ten wie „Wi­schen“oder „Zei­gen“wer­den hier von ei­ner Ka­me­ra er­kannt und lö­sen dann die ge­wünsch­ten Funk­tio­nen aus. Da­zu ge­hö­ren das An­neh­men oder Ab­leh­nen ei­nes ein­ge­hen­den An­rufs, das Ak­ti­vie­ren und Ab­bre­chen der Na­vi­ga­ti­on so­wie Auf­nah­me und Be­en­di­gung der Sprach­funk­ti­on. Das BMW-Ra­dio wird deut­lich kom­for­ta­bler als beim VW be­dient: Dreh­be­we­gun­gen mit dem Zei­ge­fin­ger er­hö­hen oder re­du­zie­ren die Laut­stär­ke. Das funk­tio­niert zwar mit leich­ter Ver­zö­ge­rung, ist aber noch ak­zep­ta­bel. Schon we­gen des deut­lich grö­ße­ren Ges­ten-Um­fangs (sie­he rechts) hal­ten wir die hier im Dis­play ein­ge­blen­de­ten In­ter­ak­ti­ons­mög­lich­kei­ten für sinn­voll. Zu­dem gibt das Sys­tem so­gar akus­tisch und vi­su­ell ei­ne so­for­ti­ge Rück­mel­dung auf Ges­ten-Be­feh­le. Gut ist die Ka­me­ra-Steue­rung: In­dem man mit Dau­men und Zei­ge­fin­ger ei­nen Kreis bil­det und ho­ri­zon­tal vor dem Dis­play be­wegt, wird die Sur­round View-Ka­me­ra-An­sicht ge­dreht – ei­ne nütz­li­che Ein­park­hil­fe. In­no­va­tiv ist auch die „Teu­fels-Ges­te“. Mit aus­ge­streck­ten Zei­ge- und Mit­tel­fin­gern lässt sich der Mo­ni­tor schnell aus- oder ein­schal­ten, um Blen­dun­gen bei Nacht zu ver­mei­den. Wer mag, kann die­se Ges­te so­gar mit ei­ner an­de­ren Funk­ti­on be­le­gen. Der gro­ße Ka­me­ra-Blick­win­kel des Sys­tems hat al­ler­dings auch Nach­tei­le: So er­höh­te un­se­re Fo­to­gra­fin vom Bei­fah­rer­platz aus mit ih­rer tem­pe­ra­ment­vol­len Kör­per­spra­che un­ge­wollt die Ra­dio-Laut­stär­ke auf Dis­co-Ni­veau …

Die Ges­ten­steue­rung funk­tio­niert im All­tag be­reits recht gut, wirk­li­che Vor­tei­le ge­gen­über der her­kömm­li­chen Be­die­nung sind aber kaum er­kenn­bar.

VW-Ges­ten­steue­rung Mit ei­ner Hand­be­we­gung wischt man sich durch die Me­dia­thek-Al­ben oder wech­selt be­rüh­rungs­los den Ra­dio­sen­der. Das funk­tio­niert recht gut – vor­aus­ge­setzt, der An­nä­he­rungs­sen­sor un­ter dem Dis­play er­kennt die Hand und si­gna­li­siert ein Okay per Pik­to­gramm.

Die Ges­ten­steue­rung er­setzt die Be­di­en­knöp­fe Funk­tio­niert zu­ver­läs­sig, schnel­le Re­ak­ti­on, kla­re Anzeige: „Sys­tem ak­tiv“ Teu­er, nur mit Na­vi Dis­co­ver Pro er­hält­lich, le­dig­lich ei­ne Wisch-Ges­te für den Mu­sik­wech­sel VW Golf

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