7er · Mer­ce­des S-Klas­se

Mit dem S-Klas­se-Face­lift hat sich Mer­ce­des bei den Sechs­zy­lin­dern von den V-Mo­to­ren ver­ab­schie­det. Was den auf­ge­frisch­ten Stern-Kreu­zer au­ßer dem neu­en Rei­hen­sech­ser sonst noch aus­zeich­net, klärt die Be­geg­nung mit dem 7er BMW

AUTO ZEITUNG - - INHALT - [ TEXT El­mar Sie­pen FO­TOS Da­nie­la Loof, Zi­bi­g­new Ma­zar ]

Die Kon­kur­renz kann of­fen­bar ma­chen, was sie will: Im Seg­ment der Lu­xus-Li­mou­si­nen strahlt der Stern der Mer­ce­des S-Klas­se am Zu­las­sungs­him­mel so hell wie kein zwei­tes Mar­ken­lo­go. So lief das Flagg­schiff der ak­tu­el­len Ge­ne­ra­ti­on seit 2013 bis­her über 300.000 Mal vom Band. Da­mit die S-Klas­se auch der meist­ver­kauf­te Lu­xus­li­ner der Welt bleibt, er­hielt sie für die zwei­te Le­bens­hälf­te ei­ne um­fang­rei­che Über­ar­bei­tung. Nicht we­ni­ger als 6500 Tei­le sind neu, ver­mel­det Mer­ce­des stolz. Wie gut der neue Stutt­gar­ter wirk­lich ist, klärt sich am bes­tem im Ver­gleich mit der Kon­kur­renz. Wäh­rend die In­gol­städ­ter beim A8 der­zeit noch mit dem Mo­dell­wech­sel be­schäf­tigt sind (sie­he Sei­te 50), stellt sich aus Mün­chen der BMW 740d xD­ri­ve dem Du­ell: Er will dem neu­en S 400 d 4Ma­tic auf den Test­stre­cken Pa­ro­li bie­ten.

Ka­ros­se­rie

Von au­ßen ist der Mer­ce­des an sei­nen drei „Licht­fa­ckeln“in den Front­schein­wer­fern zu er­ken­nen, drei schma­len LED-Tag­fahr­licht­strei­fen. In­nen bleibt es bei den ge­wohnt groß­zü­gi­gen Platz­ver­hält­nis­sen. Spe­zi­ell im Fond wirkt die S-Klas­se groß­zü­gi­ger ge­schnit­ten als der BMW. Auch die üp­pi­ge Zu­la­dung von 625 Ki­lo­gramm stellt die des Münch­ner Ri­va­len in den Schat­ten. Hin­sicht­lich der Ver­ar­bei­tung wirkt die neue SKlas­se zu­dem deut­lich prä­zi­ser zu­sam­men­ge­baut als Test­wa­gen der Vor-Face­lift-Ära und ran­giert im Test so­gar auf BMW-Ni­veau, denn der 7er-Test­wa­gen stört mit ver­ein­zel­ten Knis­ter­ge­räu­schen auf holp­ri­gen Stre­cken. Si­cher­heit ist tra­di­tio­nell ei­ne Do­mä­ne der Stutt­gar­ter. Des­halb fah­ren sie in der neu­en S-Klas­se so ziem­lich al­les auf, was mög­lich ist. Da­zu zäh­len zahl­rei­che As­sis­tenz­sys­te­me bis hin zum se­ri­en­mä­ßi­gen Pre-Sa­fe Sound, der bei ei­nem be­vor­ste­hen­den Auf­prall über die Au­dio­an­la­ge ein Rausch­si­gnal aus­sen­det, das zu ei­ner Kon­trak­ti­on des Sta­pe­di­us-Mus­kels im Ohr führt, um es ge­gen dar­auf­fol­gen­de lau­te Crash­ge­räu­sche bes­ser zu schüt­zen. Dass der Mer­ce­des den­noch in der Punk­te­sum­me bei der Si­cher­heits­aus­stat­tung hin­ter dem BMW lan­det, liegt dar­an, dass die­ser bei­spiels-

wei­se Spur­hal­te- und -wech­sel­war­ner, Fern­licht­as­sis­tent, Ab­bie­ge- oder Kur­ven­licht be­reits se­ri­en­mä­ßig mit­bringt, wäh­rend Mer­ce­des hier Auf­prei­se ver­langt. Für die Be­die­nung der S-Klas­se ste­hen neu­er­dings win­zi­ge Touch­pads im Lenk­rad zur Ver­fü­gung, mit de­nen der Fah­rer durch die teils ver­schach­tel­ten Me­nüs, et­wa von Bord­com­pu­ter oder Ra­dio, na­vi­gie­ren kann. Auch sonst ist die Be­die­nung et­was um­ständ­li­cher als im BMW. So hat die­ser die im Ana­log­zeit­al­ter be­währ­ten Spei­cher­tas­ten, et­wa für Ra­dio­sen­der, er­folg­reich in die Di­gi­tal-Ära ge­ret­tet.

Fahr­kom­fort

Wer in der neu­en S-Klas­se un­ter­wegs ist, staunt über den gu­ten Ge­räusch­kom­fort. Aus­sa­ge­kräf­ti­ger als der im Ver­gleich zum 740d xD­ri­ve ge­ring­fü­gig nied­ri­ge­re Schall­druck­pe­gel ist der Klang­ein­druck. Der Mo­tor tönt de­zent, Ab­roll- und Wind­ge­räu­sche sind bes­tens ge­dämmt. Wer dann noch die Ener­gi­zing Kom­fort­steue­rung (238 Eu­ro) ak­ti­viert, über die sich Kli­ma­ti­sie­rung, Licht­stim­mung, Duft und Mu­sik in­di­vi­du­ell kon­fi­gu­rie­ren las­sen, wähnt sich voll­ends in ei­ner Wohl­fühl­oa­se. Rein akus­tisch ist da­ge­gen der keh­li­ge Ton des BMW-Die­sels deut­lich prä­sen­ter im Klang­bild. Da­für aber sit­zen Fah­rer und Bei­fah­rer noch ei­ne Spur be­que­mer, weil die Kom­fort­sit­ze mit Mas­sa­ge­funk­ti­on (2200 Eu­ro) nicht nur über ein­stell­ba­re

Sitzwan­gen, son­dern auch über ei­ne in­di­vi­du­ell jus­tier­ba­re Schul­ter­ab­stüt­zung ver­fü­gen. Auf schlech­ten Stra­ßen läuft der Daim­ler mit sei­ner se­ri­en­mä­ßi­gen Luft­fe­de­rung trotz üp­pi­ger 19-Zoll- Op­ti­ons­be­rei­fung zur Höchst­form auf. Gibt er sich im lee­ren Zu­stand beim Über­fah­ren her­vor­ste­hen­der Ka­nal­de­ckel an­satz­wei­se noch et­was steif­bei­nig – was be­reits ei­ner Kla­ge auf sehr ho­hem Ni­veau gleicht –, wähnt man sich un­ter Aus­nut­zung der vol­len Nutz­last von üp­pi­gen 625 kg re­gel­recht auf ei­nem flie­gen­den Tep­pich. Egal, was ihr un­ter die Rä­der kommt, die S-Klas­se fil­tert es bes­tens her­aus. Spe­zi­ell mit vol­ler Be­la­dung kann der 7er hier nicht mit­hal­ten. Auf kur­zen Bo­den­wel­len braucht sei­ne Luft­fe­de- rung den Fe­der­weg voll­stän­dig auf und schlägt dann durch.

Mo­tor / Ge­trie­be

Der neue 3,0-Li­ter-Rei­hen­sechs­zy­lin­der ist mit 340 PS der bis­lang stärks­te Pkw-Die­sel von Mer­ce­des. Sei­ne 700 Nm Dreh­mo­ment er­mög­li­chen ein äu­ßerst ent­spann­tes Fort­kom­men. Be­ein­dru­cken­der als die Mess­wer­te (null auf 100 km/ h in 5,2 Se­kun­den, 250 km/ h Spit­ze) ist die sou­ve­rä­ne Kraft­ent­fal­tung, die von ei­ner er­staun­li­chen Durch­zugs­kraft selbst noch in Tem­po­re­gio­nen ober­halb von 200 km/ h ge­prägt ist. Wäh­rend­des­sen sorgt die Neun­stu­fen-Au­to­ma­tik stets für ein nied­ri­ges Dreh­zahl­ni­veau, könn­te aber hier und da spon­ta­ner re­agie­ren. Auch die Lauf­kul­tur der S-Klas­se zählt in der Sechs­zy­lin­der-Selbst­zün­der­li­ga zwei­fel­los zum Feins­ten, was man für Geld kau­fen kann. Mit ei­nem Test­ver­brauch von 8,9 l/100 km zeigt sich der Stutt­gar­ter oben­drein beim Ver­brauch sehr mo­de­rat. Die­sen Wert un­ter­bie­tet der 7er aber noch um 0,4 Li­ter. Ob­wohl 20 PS und 20 Nm schwä­cher, wirkt er et­was leb­haf­ter als der über 100 kg schwe­re­re Mer­ce­des-Test­wa­gen. So knackt der 7er die 100-km/ hMar­ke be­reits nach sport­wa­gen­ver­däch­ti­gen fünf Se­kun­den. Und sei­ne Acht­stu­fen-Au­to­ma­tik lässt sich sub­jek­tiv we­ni­ger Zeit mit den Gang­wech­seln als das Pen­dant im Mer­ce­des. Der Mo­tor läuft aber ei­nen win­zi­gen Hauch rau­er als

BMW: Nur fünf Se­kun­den von null auf 100 km/ h sind hoch­gra­dig Sport­wa­gen­ver­däch­tig

das Mer­ce­des-Ag­gre­gat – aber auch das ist aber­mals Kla­gen auf – dies­mal – höchs­tem Ni­veau.

Fahr­dy­na­mik

Dank op­tio­na­ler In­te­gralak­ti­vLen­kung (1450 Eu­ro), bei der auch die Hin­ter­rä­der mit­len­ken, ei­ner ak­ti­ven Wank­sta­bi­li­sie­rung (2950 Eu­ro) so­wie der um fast 100 Ki­lo­gramm nied­ri­ge­ren Vor­der­achs­last kann der 7er im Hand­ling sei­ne Vor­tei­le ge­gen­über der S-Klas­se deut­lich spür­bar aus­zu­spie­len. So folgt er Lenk­be­feh­len spon­ta­ner und durch­eilt Wech­sel­kur­ven flin­ker als sein Stutt­gar­ter Kon­kur­rent. Und auch wenn die Brems­we­ge des Schwa­ben ge­ring­fü­gig kür­zer aus­fal­len, so ge­fällt die Brems­an­la­ge des Münch­ners mit dem bes­se­ren Pe­dal­ge­fühl. Der Mer­ce­des lässt sich zwar prä­zi­se len­ken, doch ver­mit­telt die BMW-Len­kung den bes­se­ren Fahr­bahn­kon­takt. An der Rei­fen­haft­gren­ze be­nimmt sich der 7er neu­tral, wäh­rend die schwer­fäl­li­ge­re S-Klas­se eher zum Un­ter­steu­ern neigt. So bie­tet der BMW ins­ge­samt mehr Fahr­spaß­po­ten­zi­al. Die Ent­schei­dung für den All­rad­an­trieb ist bei die­sen Mo­to­ren und de­ren ho­hen Dreh­mo­men­ten sinn­voll, da­mit die An­triebs­kraft nicht in Rauch auf­geht. Hier ist das xD­ri­veSys­tem des BMW mit sei­ner voll­va­ria­blen Ver­tei­lung der An­triebs­mo­men­te ge­gen­über dem 4Ma­ticAn­trieb von Mer­ce­des et­was im Vor­teil, der die Kraft im Ver­hält­nis von 45 zu 44 zwi­schen Vor­der- und Hin­ter­ach­se ver­teilt.

Um­welt / Kos­ten

Geld soll­te kein Pro­blem, son­dern vor­han­den sein, wenn Fahr­zeu­ge die­ses Ka­li­bers zum Kauf an­ste­hen. Dies gilt nicht nur für die Grund­prei­se, bei de­nen der Mer­ce­des über­ra­schen­der­wei­se fast 5100 Eu­ro güns­ti­ger ist als der BMW, son­dern auch für die Wert­min­de­rung, die beim 7er laut DAT mit über 60.000 Eu­ro zu Bu­che schlägt (bei vier­jäh­ri­ger Hal­te­dau­er und 80.000 km). Selbst­re­dend fal­len für bei­de hor­ren­de Ver­si­che­rungs­kos­ten an. Gut: Beim BMW sind die In­spek­tio­nen für die ers­ten fünf Jah­re mit dem Kauf ab­ge­gol­ten. Das hilft ihm den­noch nicht, denn der Mer­ce­des ge­winnt das Kos­ten­ka­pi­tel nicht zu­letzt we­gen sei­ner 30 Jah­re wäh­ren­den Ga­ran­tie auf Durch­ros­tung und Mo­bi­li­tät.

320 PS, All­rad­an­trieb, 0-100 km/ h in 5,0 s, 250 km/ h Spit­ze*, 8,5 l D/ 100 km, 98.300 Eu­ro * Werks­an­ga­be Mer­ce­des S 400 d 4Ma­tic 340 PS, All­rad­an­trieb, 0-100 km/ h in 5,2 s, 250 km/ h Spit­ze*, 8,9 l D / 100 km, 93.207 Eu­ro * Werks­an­ga­be BMW 740d xD­ri­ve

Auf Rei­sen be­geis­tert der 7er-BMW mit Sprint­stär­ke und Ef­fi­zi­enz BMW

Kenn­zei­chen des Fah­rer­ar­beits­plat­zes ist die na­he­zu selbst­er­klä­ren­de Be­die­nung

Das ty­pi­sche LED-Tag­fahr­licht ist Se­rie, das weit­rei­chen­de La­ser­licht kos­tet 1200 Eu­ro

Die Kom­fort­sit­ze (2200 Eu­ro) sind viel­fäl­tig elek­trisch ein­stell­bar

Im BMW-Fond geht es et­was en­ger zu als in dem der Mer­ce­des S-Klas­se

Tol­le Ge­räusch­däm­mung und viel Dreh­mo­ment prä­des­ti­nie­ren die S-Klas­se für Langstre­cken

Se­ri­en­mä­ßig: das Wi­de­screen-Cock­pit mit hoch­auf­lö­sen­den Dis­plays

Neu­es Er­ken­nungs­zei­chen des Stutt­gar­ter Lu­xus­li­ners: die drei „Licht­fa­ckeln“für das Tag­fahr­licht

Üp­pig ge­pols­ter­te und be­que­me Le­der­sit­ze gibt es oh­ne Auf­preis

Im Fond der S-Klas­se fin­den die In­sas­sen ein sehr gu­tes Rau­m­an­ge­bot vor

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