schwe­di­sche VW-Pi­lot Jo­han Kristof­fers­son si­cher­te sich vor­zei­tig den WM-Ti­tel – Por­trait

Jo­han Kristof­fers­son ist in die­ser Ral­ly­cross-Sai­son die be­herr­schen­de Fah­rer­per­sön­lich­keit. Nun hol­te der Schwe­de vor­zei­tig den WM-Ti­tel. Da­bei bril­lier­te der Volks­wa­gen-Pi­lot ur­sprüng­lich in ei­ner an­de­ren Sport­art

AUTO ZEITUNG - - INHALT - Gregor Mes­ser

Es gibt sie doch noch, die­se Ty­pen, die als Spät­zün­der in den Sport fin­den und dann nicht bloß hin­ter­her­fah­ren, son­dern sich so­gar bis zum WM-Ti­tel hoch­drif­ten. Erst mit 20 Jah­ren fand Jo­han Kristof­fers­son den Ein­stieg ins Tou­ren­wa­gen-Cock­pit. „Ich bin nie Kart ge­fah­ren oder so et­was“, sagt der Schwe­de aus Ar­vi­ka in der Re­gi­on Wärm­land, „mei­ne Au­to­mo­bil­sport-Kar­rie­re be­gann ich erst 2008.“Nicht dass der gro­ße Blon­de mit dem schwe­ren Gas­fuß ir­gend­wie un­sport­lich ge­we­sen wä­re – bis da­hin zeig­te er sich in der nor­di­schen Sport­art Num­mer eins sehr er­folg­reich: Ski-Lang­lauf war sein Me­tier. Kristof­fers­son, ein wah­rer Hü­ne mit ei­nem Gar­de­maß von 1,92 Me­tern und 86 Ki­lo­gramm schwer, be­such­te ei­ne Sport­för­der­schu­le mit vier­jäh­ri­ger Aus­bil­dungs­zeit. „Meis­tens war ich un­ter den Top Ten. Als Ju­ni­or ha­be ich in Schwe­den ei­ni­ges an Me­dail­len ge­won­nen.“Der nur noch kur­ze Schritt zur Lauf­bahn als Olym­pio­ni­ke war Kristof­fers­son, der si­cher kein zim­per­li­ches Weich­ei ist, al­ler­dings zu lang: „Um als Se­ni­or Er­folg zu ha­ben, muss man sehr hart und sehr lan­ge trai­nie­ren.“Statt­des­sen ent­deck­te er je­nes Ta­lent in sich, das bei ihm noch aus­ge­präg­ter scheint als bei sei­nem Va­ter Tom­my: Kristof­fers­son Se­ni­or brach­te es als Ral­ly­cros­ser zu Eh­ren, eben­so als Rund­stre­cken­pi­lot.

Via Rund­stre­cke zum Ral­ly­cross

2008 gab sich der jun­ge Kristof­fers­son die gan­ze Här­te ei­nes sport­li­chen Dop­pel­pro­gramms: Ski-Lang­lauf plus Ju­ni­or-Tou­ren­wa­gen im Renn­stall sei­nes Va­ters. „Soll­te es mit dem Mo­tor­sport man­gels Ta­lent oder Spaß nicht klap­pen, hät­te ich wei­ter Ski-Lang­lauf be­trie­ben“, er­zählt der Skan­di­na­vi­er. Letzt­lich ha­be ihm sei­ne Er­fah­rung als an­ge­hen­der Leis­tungs­sport­ler ge­nutzt: „Ich hat­te im­mer ei­ne sehr kämp­fe­ri­sche Na­tur. Ich ha­be so vie­le Wett­be­wer­be mit­ge­macht und al­les er­lebt: Die Ner­vo­si­tät vor dem Start, die un­ter­schied­lichs­ten Si­tua­tio­nen und wie man da­mit um­zu­ge­hen hat. Das kann­te ich al­les. Im Cross Coun­try lernst du, dass man sehr, hart ar­bei­ten muss, um Er­folg zu ha­ben. Mit dem glei­chen Spi­rit bin ich in den Renn­sport ein­ge­stie­gen.“Be­reits 2011 ab­sol­vier­te er den skan­di­na­vi­schen Por­sche Car­re­ra Cup als Vi­ze-Champ mit acht Sie­gen in 15 Läu­fen. Sein of­fen­kun­di­ges Ta­lent führ­te zu ei­nem DTM-Test mit Au­di En­de 2011. „Das ist echt ein Gu­ter, der ist schnell“, lau­tet et­wa das Ur­teil von Au­di-Sport­chef Dieter Gass, „lei­der hat­ten wir kei­nen Platz frei. Aber Jo­han kann al­les fah­ren.“Doch Kristof­fers­son hielt es nicht auf der Rund­stre­cke. Seit 2013 tritt er in der Ral­ly­cross-Sze­ne an. Als Volks­wa­gen An­fang 2017 be­gann, den ExRal­lye- und Ex-Ral­ly­cross-Welt­meis­ter Pet­ter Sol­berg mit um­ge­bau­ten 2014er-Po­lo WRC werks­sei­tig zu un­ter­stüt­zen, hol­te Sol­berg den schnel­len Schwe­den. „Ich kann­te sei­ne Stär­ken, aber auch sei­ne Schwä­chen. Jo­han ist ein cle­ve­rer Jun­ge, der kei­ne Feh­ler macht. Er ist be­schei­den ge­nug, das Team zu re­spek­tie­ren. Und auch ge­gen­über sei­nem Team­kol­le­gen ver­hält er sich nicht ego­is­tisch“, fasst Sol­berg zu­sam­men. Was Ral­ly­cross be­trifft, ist Kristof­fers­son je­den­falls kein Spät­zün­der: Sei­nen ers­ten WM-Ti­tel hol­te er sich schon jetzt – drei Ren­nen vor Sai­son­en­de im let­ti­schen Ri­ga.

Mit groSSem Te­am­geist Über­le­ge­nes Duo: PSRXTe­am­chef Pet­ter Sol­berg (l.) und Jo­han Kristof­fers­son

Mit Vor­gän­ger DTM- Cham­pi­on Ek­ström, Ral­ly­cros­sMeis­ter 2016, wur­de jetzt von Kristof­fers­son ent­thront

Mit har­tem Kampf Po­lo-Pi­lot Kristof­fers­son – hier vor Ek­ström – hol­te als ers­ter Fah­rer vier Sie­ge in Fol­ge

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