Auf Le­se­rei­se mit … Dan Brown

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Als Mo­de­ra­to­rin ist Mar­ga­re­te von Schwarz­kopf un­ter­wegs im Na­men der Li­te­ra­tur. In die­ser Ko­lum­ne schreibt sie über ih­re Be­geg­nun­gen mit den be­gehr­tes­ten Stars und den auf­re­gends­ten New­co­mern der gro­ßen wei­ten Bü­cher­welt.

Wie sich doch die Zei­ten än­dern! Als Dan Brown vor drei Jah­ren mit sei­nem Ro­man „In­fer­no“zu ei­ner Ver­an­stal­tung nach Köln kam, wirk­te er lie­bens­wert schüch­tern, fast un­si­cher. Auf der Büh­ne aber leb­te er auf und un­ter­hielt das Pu­bli­kum mit char­man­ten An­ek­do­ten und skur­ri­len De­tails über sei­ne Re­cher­chen zu sei­nem Dan­te-Ro­man. In­zwi­schen ist Dan Brown nicht mehr so schüch­tern, son­dern sehr viel selbst­be­wuss­ter, oh­ne aber ar­ro­gant zu wir­ken. Bei der Frank­fur­ter Ver­an­stal­tung wäh­rend der Buchmesse trat ein gut ge­laun­ter Au­tor vor die zahl­rei­chen Men­schen, die ge­kom­men wa­ren, um ihn über sein jüngs­tes Buch „Ori­gin“re­fe­rie­ren zu hö­ren.

„Das The­ma hat schon lan­ge in mir ge­schlum­mert“, er­zählt Brown. „Es geht um die be­rühm­te Fra­ge, wo­her wir kom­men, aber auch wo­hin wir ge­hen. Das klingt sim­pel, be­wegt aber al­le Re­li­gio­nen und Phi­lo­so­phi­en seit Jahr­tau­sen­den. Und im­mer wie­der hat es Men­schen ge­ge­ben, die ge­glaubt ha­ben, sie hät­ten die ul­ti­ma­ti­ve Ant­wort. Das ist ei­nes der The­men in mei­nem Ro­man. Span­nend für mich ist auch die bren­nen­de Fra­ge, ob wir Men­schen uns all­mäh­lich selbst aus dem Ren­nen ka­ta­pul­tie­ren, in­dem wir künst­li­che In­tel­li­genz er­schaf­fen, die uns über­le­gen ist.“Das klingt nach ei­nem nach­denk­li­chen Buch und we­ni­ger nach den üb­li­chen Ge­schich­ten, die Dan Brown seit 1998 schreibt. Aber dar­auf an­ge- spro­chen, winkt er ab: „Na­tür­lich in­ter­es­sie­ren mich gro­ße The­men wie das Schick­sal der Mensch­heit. Schon in ‚In­fer­no‘ ging es ja um die Pro­ble­ma­tik der wach­sen­den Über­be­völ­ke­rung und Zer­stö­rung der Um­welt. Und auch in ‚Ori­gin‘ möch­te ich nicht nur ei­ne span­nen­de Schnit­zel­jagd er­zäh­len. Doch ich bin und blei­be ein Au­tor, der kei­ne Scheu vor dem Wort En­ter­tain­ment hat. Wenn die Le­ser sich mit mei­nen The­men ne­ben­her be­schäf­ti­gen wol­len, dann freut mich das, ist aber kein Muss.“

Na­tür­lich ist Ro­bert Lang­don wie­der da­bei, den Dan Brown auch per­sön­lich mag. „Lang­don ist all das, was ich ger­ne wä­re: mu­tig, klug, char­mant und im­mer auf der Su­che nach der Wahr­heit. Da­bei ge­rät er stets in Teu­fels Kü­che. Oft wer­de ich ge­fragt, war­um Lang­don noch im­mer kei­ne Frau ge­fun­den hat. Aber dann wür­de er wohl kaum mehr so viel her­um­rei­sen, son­dern eher am hei­mi­schen Herd in sei­ner Stu­dier­stu­be me­di­tie­ren.“Dan Brown selbst ist seit vie­len Jah­ren mit ei­ner Kunst­his­to­ri­ke­rin ver­hei­ra­tet, die ihm bei sei­nen Re­cher­chen hilft. „Ori­gin“spielt in Spa­ni­en, und Lang­dons Aben­teu­er be­ginnt im Gug­gen­heim-Mu­se­um in Bil­bao, „ein un­glaub­li­ches Ge­bäu­de – wie aus ei­nem Sci­enceFic­ti­on-Film“. Dort möch­te ein ehe­ma­li­ger Schü­ler von Lang­don, Ed­mond Kirsch, in ei­nem Event die ul­ti­ma­ti­ve Ant­wort auf die Fra­ge nach un­se­rer Her­kunft und un­se­rer Zu­kunft ge­ben. Aber Kirsch wird er­schos­sen, und Lang­don steht vor ei­nem Rät­sel, das er rasch lö­sen muss: Was woll­te Ed­mond Kirsch of­fen­ba­ren, und wer hat ihn er­mor­det?

Brown folgt bei den Lang­don-Ro­ma­nen stets dem glei­chen Re­zept: ein Ge­heim­nis, die aben­teu­er­li­che Su­che nach der Lö­sung, ei­ne schö­ne Frau an Lang­dons Sei­te und da­zu vie­le schö­ne Or­te, die der Spe­zia­list für Sym­bo­le auf­sucht. Hier sind es un­ter an­de­rem Bar­ce­lo­na und Ma­drid. Man hat Brown schon vor­ge­wor­fen, dass sei­ne Bü­cher eher Rei­se­füh­rer als Span­nungs­ro­ma­ne sei­en. Da­zu meint er mit ei­nem Lä­cheln: „Um­so bes­ser. Ich selbst re­cher­chie­re im­mer gründ­lich vor Ort, und wenn ich Land und Leu­te dem Le­ser na­he­brin­ge, sieht er die­se Schatzsuche auch im­mer aus der Per­spek­ti­ve mei­nes Hel­den. Denn der hat trotz al­ler Hek­tik stets ein of­fe­nes Au­ge für die Schön­hei­ten von Kul­tur und Land­schaf­ten.“Und wie steht es mit der Re­li­gi­on, Herr Brown? „Ich be­we­ge mich privat im­mer mehr in Rich­tung At­he­is­mus. Da­bei stam­me ich aus ei­ner sehr re­li­giö­sen Fa­mi­lie. Mein Va­ter al­ler­dings war auch Wis­sen­schaft­ler. Re­li­gi­on und Wis­sen­schaft sind ja zwei Sei­ten ei­ner Me­dail­le, näm­lich der Ver­such, Er­klä­run­gen zu fin­den. Ich selbst könn­te in ei­ner Welt oh­ne Got­tes­vor­stel­lung le­ben, doch ich bin auf kei­nen Fall ein Geg­ner von Re­li­gi­on, so­lan­ge sie nicht fa­na­ti­siert.“Die ka­tho­li­sche Kir­che wird mit „Ori­gin“kei­ne gro­ßen Pro­ble­me ha­ben, denn Brown wen­det sich hier nicht ge­gen Rom, son­dern ge­gen ei­ne Ab­spal­tung der Kir­che, die pal­ma­ria­nisch­ka­tho­li­sche Kir­che. Auch in sei­nem nächs­ten Aben­teu­er wird es Lang­don, der un­er­müd­li­che Wahr­heits­su­cher, si­cher­lich wie­der mit der Re­li­gi­on zu tun be­kom­men. Aber wo wird der Ro­man spie­len? Die Köl­ner ha­ben da ei­gent­lich ein Vor­recht, denn Brown hat vor drei Jah­ren er­klärt, dass ihn der „Köl­ner Dom zu span­nen­den Ide­en an­re­ge“. Na denn, Köl­le alaaf!

DAN BROWN: Ori­gin Über­setzt von Axel Merz Lüb­be, 668 Sei­ten, 28 Eu­ro Hör­buch Ge­le­sen von Wolf­gang Pam­pel Lüb­be Au­dio, 461 Min., 28 Eu­ro

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