SAN­DRA HOFF­MANN

Pau­la

Bücher Magazin - - Romane - Deut­sche Ori­gi­nal­aus­ga­be

Ver­schwie­ge­nes, Ver­dräng­tes gibt es in fast je­der Fa­mi­lie. Dem ist San­dra Hoff­mann in ih­rem Er­in­ne­rungs­buch auf der Spur. Auf ein­dring­li­che Wei­se führt sie vor, was es be­deu­tet, wenn die ei­ge­ne Her­kunfts­ge­schich­te ra­di­kal ver­drängt wird. Pau­la ist die Groß­mut­ter der Ich-Er­zäh­le­rin, der sie sich, lan­ge nach dem Tod der al­ten Frau, tas­tend nä­hert, ei­ner ge­heim­nis­vol­len, oft­mals ab­wei­sen­den Per­son, von der ih­re ei­ge­ne Kind­heit und Ju­gend maß­geb­lich be­stimmt war. Pau­la, im­mer mit Kit­tel­schür­ze be­klei­det und ei­nem Ro­sen­kranz in der Hand, lebt im Haus­halt und in der Fa­mi­lie ih­rer Toch­ter, mehr ge­dul­det als er­wünscht. Schwei­gen und Ge­heim­nis­krä­me­rei über­schat­ten die­ses Fa­mi­li­en­le­ben. Be­son­ders die En­kel­toch­ter reibt sich an die­sen Le­bens­um­stän­den. Denn man kann, das ist al­len klar, die Groß­mut­ter nicht ein­fach fra­gen, wer denn der Va­ter ih­rer wun­der­schö­nen und fremd­län­disch aus­se­hen­den Toch­ter ist, der Mut­ter der Ich-Er­zäh­le­rin. Die­ses Va­ku­um, die Un­ein­deu­tig­keit und das Un­ge­wis­se ent­fal­ten ei­ne zer­stö­re­ri­sche Kraft, denn Pau­la hat „al­le ih­re Ge­heim­nis­se, aber auch al­le ih­re Nö­te mit ins Gr­ab ge­nom­men“. Der in­ne­re Frie­den, den die Ich-Er­zäh­le­rin, die man­che Zü­ge mit der Au­to­rin ge­mein­sam hat, als er­wach­se­ne Frau schließ­lich fin­det, ist hart er­kämpft. (sti)

Ei­ne ver­stö­ren­de Fa­mi­li­en­ge­schich­te und zu­gleich das ein­fühl­sa­me Por­trät ei­ner Frau.

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