Mehr Ge­rech­tig­keit

Badische Neueste Nachrichten (Baden-Baden) - - POLITIK - MAR­TIN FER­BER

Mo­dern, se­ri­ös, ge­recht, in­no­va­tiv, durch­ge­rech­net – an pa­the­ti­schen Wor­ten herrscht bei der Prä­sen­ta­ti­on des neu­en SPD-Kon­zepts für ei­ne Steu­er­re­form durch Par­tei­chef und Mer­kel-Her­aus­for­de­rer Mar­tin Schulz kein Man­gel. In der Tat kann sich se­hen las­sen, was der Ham­bur­ger Olaf Scholz vom rech­ten Flü­gel und der Hes­se Thors­ten Schä­ferGüm­bel vom lin­ken Flü­gel ge­mein­sam er­ar­bei­tet ha­ben. Die Be­zie­her von klei­nen und mitt­le­ren Ein­kom­men sol­len un­ter ei­ner SPD-Re­gie­rung um et­wa 15 Mil­li­ar­den Eu­ro ent­las­tet wer­den, aber die glei­che Sum­me sol­len die Bes­ser­ver­die­nen­den durch ei­ne An­he­bung des Spit­zen­steu­er­sat­zes von 42 auf 45 (ab 250 000 Eu­ro für Le­di­ge so­gar 48 Pro­zent) in die Staats­kas­se flie­ßen las­sen. Un­ter an­de­rem soll der un­ge­lieb­te „So­li“für den Groß­teil der Be­schäf­tig­ten so­fort ab­ge­schafft wer­den.

Die Klei­nen ent­las­ten, die Bes­ser­ver­die­nen­den und Rei­chen da­ge­gen stär­ker zur Kas­se bit­ten, die klas­si­sche Um­ver­tei­lung ent­spricht der For­de­rung von Mar­tin Schulz nach mehr Ge­rech­tig­keit und dürf­te auch den lin­ken Flü­gel zu­frie­den­stel­len, der ein­mal mehr auf die (Wie­der-)Ein­füh­rung der Ver­mö­gen­steu­er war­ten muss. Wie die SPD al­ler­dings die Erb­schaft­steu­er re­for­mie­ren will, oh­ne die Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men zu be­las­ten, bleibt ihr Ge­heim­nis. In­ter­es­sant ist das Kon­zept von Scholz und Schä­fer-Güm­bel al­ler­dings bei den So­zi­al­ab­ga­ben. In der Tat kran­ken al­le Steu­er­ent­las­tungs­kon­zep­te dar­an, dass die wirk­li­chen Ge­ring­ver­die­ner da­von nichts ha­ben, weil sie oh­ne­hin kei­ne Ein­kom­men­steu­er be­zah­len müs­sen. Da­ge­gen wer­den sie von der Wucht der Ab­ga­ben ge­trof­fen.

Wenn die So­zi­al­de­mo­kra­ten nun al­le, die we­ni­ger als 1 300 Eu­ro pro Mo­nat ver­die­nen, an die­ser Stel­le ent­las­tet, oh­ne dass sie da­durch ih­re Ren­ten­an­wart­schaf­ten ver­lie­ren, ha­ben auch sie mehr Net­to vom Brut­to. An die­ser Stel­le wä­re so­gar noch mehr mög­lich ge­we­sen, schwimmt doch die Nürn­ber­ger Ar­beits­agen­tur in Rück­la­gen in zwei­stel­li­ger Mil­li­ar­den­hö­he. Mit ih­rem Kon­zept hat die SPD die De­bat­te um ei­ne Ent­las­tung der Bür­ger er­öff­net. Nun ist die Uni­on am Zu­ge, die sich bis­lang auch bei die­sem The­ma äu­ßerst be­deckt hält und die un­ter­schied­lichs­ten Si­gna­le aus­sen­det. Klar ist nur ei­nes – sein Kon­zept, den So­li in zehn Trip­pel­schrit­ten in zehn Jah­ren ab­zu­bau­en, kann Wolf­gang Schäu­b­le end­gül­tig in den Pa­pier­korb wer­fen. Punkt­sieg für Mar­tin Schulz.

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