Das El­sass sorgt für ei­ne Über­ra­schung

Bür­ger­lich-kon­ser­va­ti­ve Kan­di­da­ten ma­chen in vie­len Wahl­krei­sen das Ren­nen bei der Par­la­ments­wahl

Badische Neueste Nachrichten (Baden-Baden) - - POLITIK - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Bär­bel Nück­les

Straß­burg. In neun von 15 Wahl­krei­sen ha­ben im El­sass die bür­ger­lich-kon­ser­va­ti­ven Kan­di­da­ten bei der fran­zö­si­schen Par­la­ments­wahl ge­siegt und da­mit für ei­ne Über­ra­schung ge­sorgt. Vor ei­ner Wo­che noch hat­te es so aus­ge­se­hen, als könn­ten die Kan­di­da­ten von Prä­si­dent Em­ma­nu­el Ma­cron mehr als zwei Drit­tel der el­säs­si­schen Man­da­te ho­len. In elf Be­zir­ken la­gen sie vor ei­ner Wo­che an der Spit­ze. Die el­säs­si­schen Wäh­ler be­stä­ti­gen nun wie­der­um den Ruf ih­rer Re­gi­on als Bas­ti­on der bür­ger­li­chen Rech­ten.

„Die Dis­kus­si­on zwi­schen den bei­den Wahl­gän­gen hat wo­mög­lich be­wirkt, dass die el­säs­si­schen Wäh­ler für ein brei­ter auf­ge­stell­tes Par­la­ment sor­gen woll­ten“, ver­mu­tet, der Straß­bur­ger Wahl­for­scher Phil­ip­pe Bre­ton. Zu­dem sei­en die Wäh­ler von Ma­crons Be­we­gung La Ré­pu­bli­que en Mar­che (LREM) im Ge­gen­satz zum bür­ger­lich-kon­ser­va­ti­ven La­ger (Les Ré­pu­bli­cains/LR) eben kei­ne ge­fes­tig­te Kli­en­tel. Vor al­lem im Obe­rel­sass (Haut-Rhin) bie­tet sich ein Bild, das sich von frü­he­ren Wah­len un­we­sent­lich un­ter­schei­det. Da­bei hat­ten im ers­ten Wahl­gang bis auf Col­mar die Kan­di­da­ten von LREM vor den Bür­ger­li­chen ab­ge­schnit­ten, gin­gen al­so mit bes­ten Vor­aus­set­zun­gen in die Stich­wahl. Selbst ein alt­ge­dien­ter Ab­ge­ord­ne­ter wie Je­an-Luc Reit­zer (LR), der nun zum sieb­ten Mal seit 1988 in die fran­zö­si­sche Na­tio­nal­ver­samm­lung ein­zieht, un­ter­lag zu­nächst dem Kan­di­da­ten von LREM. Reit­zer wur­de in Alt­kirch, dem süd­lichs­ten el­säs­si­schen Be­zirk, mit 55,15 Pro­zent be­stä­tigt. Vor fünf Jah­ren hat­te er be­reits im ers­ten Durch­gang sein Man­dat ge­si­chert.

Ne­ben Reit­zer wur­de auch Eric St­raumann (Col­mar) wie­der­ge­wählt, mit 66,4 Pro­zent das bes­te el­säs­si­sche Er­geb­nis. Aus dem kon­ser­va­ti­ven La­ger kom­men auch Oli­vier Becht (Mul­hou­se), Jac­ques Cat­tin (Ri­be­au­vil­lé) und Ra­pha­el Schel­len­ber­ger (Thann-En­sis­heim), die je­doch wie die LREM-Leu­te und im Ge­gen­satz zu Reit­zer und St­raumann Par­la­ments-Neu­lin­ge sind. Lan­des­weit kom­men die Bür­ger­li­chen auf le­dig­lich 126 von 577 Sit­zen, wäh­rend sich die Ma­crons Be­we­gung ge­mein­sam mit der ver­bün­de­ten Zen­trums­par­tei Modem über ei­ne ab­so­lu­te Mehr­heit von 361 Sit­zen ver­fügt. „Die El­säs­ser stel­len nun zehn Pro­zent al­ler fran­zö­si­schen Ab­ge­ord­ne­ten der Re­pu­bli­ka­ner“, sag­te Eric St­raumann vor die­sem Hin­ter­grund stolz.

Im nörd­li­chen Teil des El­sass (BasRhin) hat LREM die al­ten Macht­ver­hält­nis­se zu­min­dest teil­wei­se ge­kippt. Bru­no Stu­der, Thier­ry Mi­chels und Sylvie Wa­ser­man sie­gen in den drei Straß­bur­ger Wahl­krei­sen. Mar­ti­ne Won­ner nimmt der Kon­ser­va­ti­ven So­phie Roh­fritsch ih­ren Par­la­ments­sitz im Um­land der Eu­ro­pa­stadt ab. Vin­cent Thié­baut – auch er ge­hört wie die eben ge­nann­ten zu LREM – wird Ha­guenau in Pa­ris ver­tre­ten. Das Er­geb­nis schmerzt be­son­ders die So­zia­lis­ten: Seit den 1970er Jah­ren hat­ten sie stets zwei Straß­bur­ger Wahl­krei­se si­cher. Wie Mols­heim und Sa­ver­ne geht auch Sé­le­s­tat mit An­toi­ne Herth an ei­nen Bür­ger­li­chen (LR), der im Vor­feld al­ler­dings als „Ma­cron-kom­pa­ti­bel“galt, weil er Wirt­schafts­mi­nis­ter Bru­no Le Mai­re (LR) na­he steht. Im nörd­li­chen Wis­sem­bourg ver­tei­dig­te Frédé­ric Reiss sein Man­dat zum vier­ten Mal.

Für die rech­te FN (Front Na­tio­nal) be­deu­tet die Wahl ei­ne bit­te­re Nie­der­la­ge. Al­lein im Wahl­be­zirk Ill­z­ach (Hau­tRhin) hat­te es ein FN-Mann in die Stich­wahl ge­schafft, un­ter­lag je­doch Bru­no Fuchs (LREM). Bei der Prä­si­dent­schafts­wahl An­fang Mai hat­te fast je­der Drit­te im El­sass für die Rechts­ex­tre­men ge­stimmt.

Kehrt­wen­de in der Stich­wahl

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.