Steaks und Spie­le

Klaas Kerst­ing hat die Ga­mes-Sze­ne mo­bi­li­siert / Re­stau­rant Brick + Bo­ne als Lei­den­schaft

Badische Neueste Nachrichten (Baden-Baden) - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Hol­ger Kel­ler

Karlsruhe. Wie be­steht man auf dem Markt für Com­pu­ter­spie­le – ei­nem Ge­schäft, das mitt­ler­wei­le mehr Um­satz ge­ne­riert als die Mu­sik- und Ki­no­bran­che zu­sam­men ge­nom­men? Klaas Kerst­ing kennt ein Er­folgs­re­zept. Als Grün­der zwei­er Un­ter­neh­men in Karlsruhe, die welt­weit mit Com­pu­ter­spie­len ihr Geld ver­die­nen, ist das kei­ne Über­ra­schung. Ga­mef­or­ge und spä­ter auch flare­ga­mes be­haup­ten sich am Markt. „Ein Spiel muss lang­an­hal­tend fes­seln. Es braucht Auf­bau­ele­men­te, die die Mo­ti­va­ti­on hoch­hal­ten und die Ent­wick­lung vor­an­trei­ben. Au­ßer­dem müs­sen Spie­ler mit­ein­an­der in­ter­agie­ren kön­nen.“

Kerst­ing, Jahr­gang 1979, hat schon früh Zu­griff auf die neu­en Me­di­en. „Mein Va­ter war Lei­ter ei­nes Re­chen­zen­trums in Lem­go, wir hat­ten schon ei­nen Netz­zu­gang als an­de­re noch nicht ein­mal da­von ge­hört hat­ten“, er­in­nert er sich. Per Telefon und Akus­tik­kopp­ler lern­te Kerst­ing den Um­gang mit ei­ner ver­netz­ten Welt von der Pi­ke auf. Die Lei­den­schaft zum Com­pu­ter­spiel wuchs her­an. Als er 1999 zum Stu­di­um nach Chemnitz geht, spielt Kerst­ing in der Vor­le­sungs­zeit.

Wäh­rend Kom­mi­li­to­nen für Prü­fun­gen büf­fel­ten, er­rang er im Stra­te­gie­spiel­klas­si­ker Al­pha Cen­tau­ri Platz eins der Welt­rang­lis­te. Im Sin­ne des Stu­di­ums war das nicht: „Nach ei­nem Jahr in Chemnitz stell­te ich fest, dass es so nicht wei­ter ge­hen konn­te.“Klaas Kerst­ing wech­sel­te zu­nächst nach Bonn und zock­te wei­ter. Es wa­ren sei­ne El­tern, die ihn auf ei­ne Aka­de­mie der Be­ra­tungs­fir­ma KPMG in Mann­heim auf­merk­sam mach­ten. Vom Rhein ging es in die Kur­pfalz. Kerst­ing, im­mer noch lei­den­schaft­li­cher Com­pu­ter­spie­ler, wur­de zum Spe­zia­lis­ten für In­for­ma­ti­on Risk Ma­nage­ment, muss­te aber fest­stel­len: „KPMG war nicht mei­ne Welt.“

Es war ein Abend in Bier­lau­ne, der die Wei­chen für die Zu­kunft stel­len soll­te. Er und Kom­mi­li­to­nen dis­ku­tier­ten über die Pro­gram­mie­rung ei­nes On­li­neSpiels für vie­le Tau­send Mit­spie­ler. Mit ei­nem Team, das er dar­auf­hin zu­sam­men­stell­te, ent­wi­ckel­te er „Wo­gen des Schick­sals“. Im­mer­hin 3 000 Men­schen konn­ten sich für das Stra­te­gie­spiel be­geis­tern, auf dem noch über­schau­ba­ren Markt ein acht­ba­rer Er­folg. „Nicht ge­nug je­doch, wenn al­lei­ne für Ser­ver­kos­ten und den On­li­ne-Traf­fic im Mo­nat 3 000 bis 4 000 Eu­ro an­fal­len“, schil­dert er die Pro­ble­me. Der Spiele­ma­cher ent­schied sich da­zu, Wer­bung im Spiel ein­zu­blen­den – der Um­satz war da.

Vom Er­folg über­rascht, such­te er den Kon­takt zu an­de­ren Spiele­ma­chern. Kerst­ing schrieb dem Karls­ru­her Alex­an­der Rös­ner, Ma­cher des da­mals po­pu­lä­ren Spiels Oga­me, ei­nem Welt­raum­stra­te­gie­ti­tel. Rös­ner war da­mals be­reits er­folg­rei­cher Ge­schäfts­mann. Nach­dem der Karls­ru­her Kerst­ings Spiel sah, traf man sich. Drei Wo­chen spä­ter, im De­zem­ber 2003, grün­de­ten sie das Spie­leun­ter­neh­men Ga­mef­or­ge und Kerst­ing wech­sel­te in die Fä­cher­stadt.

Was folg­te, wa­ren Jah­re des ex­plo­si­ons­ar­ti­gen Wachs­tums. To­tal ver­rückt sei das ge­we­sen, blickt Kerst­ing zu­rück. 2007 hat­te Ga­mef­or­ge 100 Mit­ar­bei­ter, drei Jah­re spä­ter wa­ren es 450. Knapp ei­ne hal­be Mil­li­ar­de Men­schen wa­ren re­gis­trier­te Spie­ler von min­des­tens ei­nem der vie­len brow­ser­ba­sier­ten Ti­tel. Und hier zog Kerst­ing die Reiß­lei­ne. „Das Wachs­tum war zu groß, es fehl­te an den not­wen­di­gen Pro­zes­sen.“Im März 2010 ver­ließ er Ga­mef­or­ge, nahm ei­ne Aus­zeit, be­reis­te die Welt. Doch der Un­ter­neh­mer ist un­ge­dul­dig, wie er of­fen be­kennt. Lan­ge un­tä­tig blieb er nicht. Der Ver­such, in Deutsch­land ei­ne Fro­zen Yo­ghurt Ket­te zu er­öff­nen, schlug fehl. Kerst­ing be­sann sich auf sei­ne Kern­kom­pe­tenz: Com­pu­ter­spie­le. Ge­ra­de der mo­bi­le Markt schien loh­nens­wert. 2011 grün­de­te er flare­ga­mes und auch die­ses Un­ter­neh­men wächst rasch.

Und er hat ei­ne wei­te­re Lei­den­schaft pro­fes­sio­na­li­siert: Brick + Bo­ne heißt das in der Karls­ru­her In­nen­stadt er­öff­ne­te Steak­hou­se. „Weil es in der Stadt ein­fach kein gu­tes Steak zu es­sen gab“, be­grün­det er den Schritt. Das bes­te Steak der Welt ha­be er wäh­rend sei­ner Aus­zeit in San Fran­cis­co ge­nos­sen, in Li­ai­son mit ei­nem aus­ge­zeich­ne­ten Wein. War­um soll­te man so ei­nen Ge­nuss nicht auch im Ba­di­schen hin­be­kom­men kön­nen? Schließ­lich kann er sich mit der Stadt gut iden­ti­fi­zie­ren: „Das Öko­sys­tem für Grün­der ist op­ti­mal, das KIT bie­tet ei­nen Pool an hoch qua­li­fi­zier­ten Ent­wick­lern.“

Mit sei­ner Fa­mi­lie ge­nießt der Va­ter zwei­er Jungs die vie­len Grün­flä­chen der Stadt, ist häu­fig im Zoo zu Gast. Die zwei und vier Jah­re al­ten Kin­der sind ver­traut mit Smart­pho­ne und Ta­blet. „Mehr als zehn Mi­nu­ten am Tag sol­len sie aber nicht an den Ge­rä­ten ver­brin­gen. Ich möch­te, dass sie ih­re Zeit mit an­de­ren Kin­dern ver­brin­gen, drau­ßen auf dem Bolz­platz oder zu Hau­se beim Spie­len mit Le­go.“Gleich­wohl ist er da­von über­zeugt, dass ge­ra­de Lern­spie­le am Com­pu­ter ih­ren Zweck er­fül­len. Mit der di­gi­ta­len Tech­nik wer­den sie in je­dem Fall auf­wach­sen, weiß Kerst­ing. „Die­se Ent­wick­lung wird nicht ver­schwin­den.“Und hin und wie­der zockt auch er noch.

DER UN­TER­NEH­MER UND SPIE­LER Klaas Kerst­ing hat das Bü­ro von flare­ga­mes in der Karls­ru­her In­nen­stadt ein­ge­rich­tet. Von hier wer­den die Ge­schäf­te für die Mo­bi­le Ga­ming-Fir­ma und de­ren Mil­lio­nen Spie­ler ge­lenkt. Fo­to: Fa­b­ry

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