Come­back der Tot­ge­sag­ten

Bei Ta­bak-Kon­zer­nen zei­gen Er­lö­se, Ge­win­ne und Ak­ti­en­kur­se nach oben

Badische Neueste Nachrichten (Baden-Baden) - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Han­nes Breustedt

Dresden. Zi­ga­ret­ten sind so un­ge­sund wie eh und je, doch den Kon­zer­nen hin­ter den Glimm­stän­geln geht es so gut wie lan­ge nicht mehr. Ob­wohl die An­zahl der Rau­cher in den meis­ten Tei­len der Welt seit Jah­ren zu­rück­geht, lau­fen die Ge­schäf­te für „Big To­bac­co“blen­dend. An­ders als mit­un­ter sug­ge­riert, ist der Boom dem Ver­kauf klas­si­scher Ta­bak-Pro­duk­te ge­schul­det und nicht et­wa neu­en Al­ter­na­ti­ven wie E-Zi­ga­ret­ten. Die­se steu­ern bis­lang re­la­tiv we­nig zu den Ein­nah­men bei. Al­ler­dings trei­ben Kon­zer­ne das Ge­schäft vor­an. Ges­tern kün­dig­te der Ta­bak­kon­zern Phi­lip Mor­ris an, rund 300 Mil­lio­nen Eu­ro in den Bau ei­ner neu­en Fa­b­rik in Dresden zu in­ves­tie­ren. Von 2019 an sol­len rund 500 Be­schäf­tig­te Ta­bak­sticks für ein elek­tri­sches Ta­bak­er­hit­zer­sys­tem pro­du­zie­ren.

Die kon­tro­ver­se Bran­che er­lebt seit län­ge­rem ein ful­mi­nan­tes Come­back – bei den gro­ßen Ta­bak-Kon­zer­nen zei­gen Er­lö­se, Ge­win­ne und Ak­ti­en­kur­se steil nach oben. Das ist durch­aus er­staun­lich, denn zwi­schen­zeit­lich galt die Zi­ga­ret­ten-In­dus­trie schon als ab­ge­schrie­ben. Teu­re Rechts­kon­flik­te we­gen an­geb­li­cher Ver­schleie­rung der Ri­si­ken des Rau­chens, stren­ge­re staat­li­che Vor­schrif­ten, Wer­be­ver­bo­te und ge­sund­heits­be­wuss­te­re Ver­brau­cher in vie­len Län­dern – das gro­ße Ge­schäft mit Ta­bak schien längst vor­bei. Die Kri­tik am Ge­schäfts­mo­dell hat zwar nicht nach­ge­las­sen und die Image-Pro­ble­me be­ste­hen fort, doch statt des viel­fach pro­phe­zei­ten Nie­der­gangs gab es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren ein be­mer­kens­wer­tes Re­vi­val.

Neue Bran­chen­zah­len des Markt­for­schers Eu­ro­mo­ni­tor In­ter­na­tio­nal spre­chen ei­ne kla­re Spra­che: Seit 2011 ist der welt­wei­te Ver­kaufs­wert, den die Ta­bak-In­dus­trie pro Jahr mit Zi­ga­ret­ten ein­nimmt, um gut 21 Pro­zent auf 683,4 Mil­li­ar­den Dol­lar in 2016 ge­stie­gen. Das lag nicht et­wa an stei­gen­der Nach­fra­ge nach Glimm­stän­geln. Im glei­chen Zei­t­raum sank die An­zahl der welt­weit ab­ge­setz­ten Zi­ga­ret­ten den Da­ten von Eu­ro­mo­ni­tor zu­fol­ge um gut zehn Pro­zent von 5,9 auf 5,5 Bil­lio­nen Stück. Dass die Ein­nah­men den­noch der­art spru­deln, ver­dan­ken die Ta­bak-Kon­zer­ne vor al­lem kräf­ti­gen Preis­er­hö­hun­gen. So hat sich die Pa­ckung et­wa in Deutsch­land laut Bran­chen­ver­band DZV seit 2002 von drei auf sechs Eu­ro ver­teu­ert.

Auch in den USA hat sich der Durch­schnitts­preis in die­sem Zei­t­raum un­ge­fähr ver­dop­pelt. Die Bran­che ver­weist auf die stei­gen­de Be­steue­rung ih­rer Pro­duk­te und tat­säch­lich ma­chen er­höh­te Ab­ga­ben an den Fis­kus ei­nen gro­ßen Teil der Preis­an­stie­ge aus. Doch das ist nur die hal­be Wahr­heit. „Je­des Mal, wenn die Steu­ern stei­gen, legt die Ta­bak-In­dus­trie noch et­was ex­tra drauf. Da­durch wach­sen auch die Pro­fit­span­nen“, sagt Jen­ni­fer Ma­lo­ney, die den Markt für das „Wall Street Jour­nal“un­ter die Lu­pe ge­nom­men hat. Von 2006 bis 2016 hät­ten die jähr­li­chen Ge­win­ne der US-Ta­bak­kon­zer­ne um 77 Pro­zent auf 18,4 Mil­li­ar­den Dol­lar zu­ge­legt. Das sind Zah­len, die die Bör­se in Ver­zü­ckung ver­set­zen.

Die Deutsch­land-Che­fin von Phi­lip Mor­ris, St­acey Ken­ne­dy, sag­te ges­tern in Dresden mit Blick auf die neue Fa­b­rik für Ta­bak­sticks für ein elek­tri­sches Ta­bak­er­hit­zer­sys­tem: „Die In­ves­ti­ti­on ist ein we­sent­li­cher Mei­len­stein auf dem Weg in ei­ne rauch­freie Zu­kunft.“Der klas­si­sche Glimm­stän­gel als Aus­lauf­mo­dell? Die flo­rie­ren­den Ge­schäf­te der Bran­che las­sen dar­an zwei­feln.

Phi­lip Mor­ris er­öff­net neue Fa­b­rik in Dresden

ZI­GA­RET­TEN ALS GEWINNBRINGER: Der Ta­bak-Bran­che geht es so gut wie lan­ge nicht mehr. Fo­to: dpa

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