Der Feind lau­ert im Grü­nen

Ze­cken krab­beln auch in städ­ti­schen Parks und Grün­an­la­gen / Kei­ne Pa­nik – aber Vor­sicht

Badische Neueste Nachrichten (Baden-Baden) - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Do­mi­nik Schnei­der

Karlsruhe. Der Feind lau­ert im Grü­nen – lech­zend nach war­mem Tier- oder Men­schen­blut. Im dich­ten Gras oder im Un­ter­holz war­tet der Blut­sau­ger meist nicht mehr als ei­nen Me­ter über dem Bo­den auf sein Op­fer. Flink klam­mert er sich dann an dem vor­bei­kom­men­den Le­be­we­sen fest, um mit sche­ren­ar­ti­gen Mund­werk­zeu­ge die Haut auf­zu­rei­ßen. Die Re­de ist nicht von blut­rüns­ti­gen Vam­pi­ren, son­dern von Ze­cken. Die Spin­nen­tie­re, die zu der Ord­nung der Mil­ben ge­hö­ren, ha­ben zwar ei­nen be­grenz­ten Be­we­gungs­ra­di­us, sind aber klein, laut­los und ge­fähr­lich: Ze­cken sind Über­trä­ger der Früh­som­mer-Me­nin­go­en­ze­pha­li­tis (FSME), ei­ner Hirn­haut­ent­zün­dung, und der In­fek­ti­ons­krank­heit Ly­me-Bor­re­lio­se, die ein er­heb­li­ches Ge­sund­heits­ri­si­ko für den Men­schen dar­stel­len.

Die Blut­sau­ger kom­men längst nicht mehr nur im Wald vor, son­dern krab­beln auch in den städ­ti­schen Parks oder Grün­an­la­gen. „Die­se Grün­flä­chen sind meis­tens of­fen für Wild- und Na­ge­tie­re“, er­klärt Mat­thi­as Kreu­zin­ger vom Re­gie­rungs­prä­si­di­um Stuttgart. Ze­cken kön­nen dem­nach durch Haus­tie­re wie Hund oder Kat­ze, aber auch von Wild­tie­ren wie Fuchs und Maus ein­ge­schleppt wer­den. Bäu­me, Bü­sche oder dich­tes Gras sei­en eben Ze­cken­ha­bi­tat. Stadt­be­woh­ner soll­ten da­her eben­falls auf­merk­sam und sen­si­bel sein, rät der Ze­cken­ex­per­te des Na­tur­schutz­bun­des (Na­bu) Ba­den-Würt­tem­berg, Ste­fan Bosch. So nut­ze bei­spiels­wei­se der Holz­bock, die bis­her üb­li­che, weit ver­brei­te­te Ze­cken­art, al­le Le­bens­räu­me, die ihm von sei­nen An­sprü­chen her ent­ge­gen­kä­men. So mö­ge es das Tier ger­ne grün, mit Laub und ein biss­chen feucht, er­läu­tert Bosch. Ein Grund zur Pa­nik be­ste­he nicht, aber Men­schen, die in FSME-Ri­si­ko­ge­bie­ten – wie gro­ße Tei­le Ba­denWürt­tem­bergs – le­ben, soll­ten vor­sich­tig sein und sich nach ei­nem Be­such im Grü­nen nach dem Pa­ra­si­ten ab­su­chen.

Nach An­ga­ben des Ro­bert-Koch-In­sti­tuts dau­ert der Saug­vor­gang meh­re­re Ta­ge. Da die Ze­cken wäh­rend die­ser Zeit stän­dig der Ge­fahr aus­ge­setzt sind, her­aus­ge­ris­sen zu wer­den, wür­den sie sich mög­lichst ge­schütz­te Stel­len, wie et­wa Kopf, Ach­seln oder Knie­keh­len aus­su­chen.

In Ba­den-Würt­tem­berg ha­ben sich die FSME-Fäl­le im Ver­gleich zum Vor­jahr fast ver­dop­pelt. Dem Lan­des­ge­sund­heits­amt in Stuttgart wur­den seit Jah­res­be­ginn be­reits 32 Er­kran­kun­gen ge­mel­det. Der Grund für den An­stieg sei die Impf­mü­dig­keit der Men­schen. Im Stadt­kreis Karlsruhe gab es im ver­gan­ge­nen Jahr zwei FSME-Fäl­le.

„FSME ist vor al­lem bei Kin­dern ex­trem sel­ten, viel häu­fi­ger ist Bor­re­lio­se“, sagt der Karls­ru­her Kin­der­arzt Die­ter Knöbl. Et­wa ein Drit­tel der Ze­cken ha­ben

Pa­ra­si­ten über­tra­gen FSME und Bor­re­lio­se La­bor­un­ter­su­chung wird nicht emp­foh­len

Bor­re­li­en. „Es ist aber wich­tig zu wis­sen, dass nicht je­der Bor­re­lio­se be­kommt, der von ei­ner in­fi­zier­ten Ze­cke ge­sto­chen wird“, er­klärt Knöbl. Des­halb brin­ge es auch nicht viel, die Ze­cken in ein La­bor ein­zu­schi­cken und auf Vi­ren un­ter­su­chen zu las­sen. Viel­mehr deu­te die „Wan­der­rö­te, die sich min­des­tens zwei-Eu­ro-Stück-groß um den Ein­stich bil­det, auf Bor­re­lio­se hin“, sagt Knöbl. Dann wer­de dem Pa­ti­en­ten ein An­ti­bio­ti­kum ver­schrie­ben. Wur­de man von ei­ner Ze­cke ge­sto­chen, rät der Arzt, das Tier so schnell wie mög­lich zu ent­fer­nen oder ent­fer­nen zu las­sen. Denn je län­ger der Pa­ra­sit im Kör­per ste­cke, des­to grö­ßer ist die Ge­fahr, in­fi­ziert zu wer­den. Falls beim Ent­fer­nen Tei­le der Ze­cke in der Haut zu­rück­blei­ben, ist das laut Knöbl eher un­be­denk­lich, da sich kei­ne Krank­heits­er­re­ger dar­in be­fin­den.

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