Sin­gen­de Ka­ra­te-Queen

An­ne-Ma­rie macht Fest­spiel­haus zum Dance­club

Badische Neueste Nachrichten (Baden-Baden) - - NEW POP FESTIVAL -

Glück für Pier­re M. Krau­se, dass der Pro­mo­ter von An­ne-Ma­rie nicht den glei­chen Sport be­treibt wie sein Star. Die 26-jäh­ri­ge Bri­tin wur­de näm­lich bei ih­rem Kon­zert im Fest­spiel­haus von An­ne­ta Po­li­ti zu Recht als „sport­lichs­te Künst­le­rin des Fes­ti­vals“an­ge­kün­digt: Sie ist drei­fa­che Welt­meis­te­rin im Sho­to­kan-Ka­ra­te. Und Spaß­vo­gel Krau­se hat­te es ge­wagt, beim nach­mit­täg­li­chen Star-Talk ei­ne Papp­ta­fel statt An­neMa­ries Al­bum hoch­zu­hal­ten, was der Be­wa­cher back­stage of­fen­bar als un­ge­hö­ri­ge Ver­hoh­ne­pipe­lung emp­fand.

Von Ka­ra­te war den­noch die Re­de beim Kon­zert im Fest­spiel­haus. Denn An­neMa­rie, die nach Pro­jek­ten mit Cle­an Ban­dit oder The Ru­di­men­tal nun auf ei­ge­nen Bei­nen steht (und gleich mal auf Tour mit ih­rem Kum­pel Ed Shee­ran ging) hat ih­re ers­te ei­ge­ne EP ex­akt so ge­nannt. Der ent­spre­chen­de Song war auf der Dy­na­mik-Ska­la des Auf­tritts eher bei „cool“ein­zu­ord­nen – Groo­ve und Bass wa­ren hier frei­lich eben­so prä­gend wie in den an­de­ren Tracks, in de­nen An­ne-Ma­rie sich durch ver­schie­de­ne Spiel­ar­ten von Drum ’n’ Bass, Dan­ce und Elec­tro be­wegt. Wo­bei sie, im Ge­gen­satz zu den meis­ten Ver­tre­tern die­ser Gen­res, eben kei­ne „Tracks“an­bie­tet, son­dern Songs. Zum ei­nen, weil das zen­tra­le Ele­ment der Mu­sik ih­re kraft­vol­le Stim­me mit leich­tem Hang ins Sou­li­ge ist. Zum an­de­ren, weil sie nicht nur ein paar mar­kan­te Zei­len in End­los­schlei­fen prä­sen­tiert, son­dern per­sön­li­che Sto­ries er­zählt. Zum Bei­spiel über den Jun­gen, in den sie sich mal so rich­tig ver­liebt hat – um dann her­aus­zu­fin­den, dass er schwul war. Da er­zählt sie in den Song­zei­len auch mal, dass er zwar ih­re Kla­mot­ten ge­nau mus­tert, sich aber nicht fragt, was sie drun­ter hat, son­dern nur, wo­her sie sie hat.

Et­li­chen männ­li­chen Kon­zert­be­su­chern dürf­te es ge­nau an­ders­her­um ge­gan­gen sein, kam die blon­dier­te Bri­tin doch in ei­nem wei­ßen Ba­de­man­tel auf die Büh­ne, un­ter dem sie er­kenn­bar nur ein knap­pes Top trug. Und die­ser Man­tel rutsch­te im­mer so weit über die Schul­ter, dass er kurz vorm Fal­len schien – aber nie fiel. Vi­el­leicht stand die en­er­gie­ge­la­de­ne Sän­ge­rin auch des­halb die meis­te Zeit ein­fach in der Büh­nen­mit­te am Mi­kro­stän­der, als gäl­ten bei ih­rem Kon­zert noch die stei­fen TV-Re­geln von der „Spe­cial“-Auf­zeich­nung am Abend zu­vor. Erst beim End­spurt ging sie rich­tig aus sich raus, als sie mit ih­rer neu­en Sing­le „Alarm“und ih­ren Hits „Ro­cka­bye“und „Ciao Adi­os“ein Po­wer-Pa­ket aus­pack­te, das so­gar die auf dem zwei­ten Rang kurz mal rein­schau­en­den coo­len Jungs von Ka­leo zum an­er­ken­nen­den Grin­sen brach­te. Und das Fest­spiel­haus zum Be­ben. Andre­as Jütt­ner

GANZ IN WEISS zeig­te sich An­ne-Ma­rie, die als drei­fa­che Ka­ra­te-Welt­meis­te­rin si­cher ei­nen schwar­zen Gür­tel hat, die­sen aber nicht auf der Büh­ne prä­sen­tier­te. Fo­to: Ho­ra

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