Die di­gi­ta­le Feu­er­wehr

Mi­nis­ter Strobl wirbt im Karls­ru­her ZKM für Cy­ber­wehr Ba­den-Würt­tem­berg

Badische Neueste Nachrichten (Baden-Baden) - - WIRTSCHAFT -

Karlsruhe. Zum Cy­ber­wehr-Gip­fel in Karlsruhe kommt der Ba­den-Würt­tem­ber­gi­sche Mi­nis­ter für In­ne­res, Di­gi­ta­li­sie­rung und Mi­gra­ti­on zwar 20 Mi­nu­ten spä­ter als ge­plant, da sich im Land­tag ei­ne Plenar­de­bat­te ver­zö­gert hat­te. Und dann war na­tür­lich auch noch Stau. Die Be­haup­tung, dass im Länd­le der Zug der Di­gi­ta­li­sie­rung ab­ge­fah­ren sei, kann Kret­sch­manns Vi­ze aber nicht mehr hö­ren: „Wir sind doch mit­ten­drin und die Lan­des­re­gie­rung hat er­kannt, dass wir jetzt die Wei­chen stel­len müs­sen, um auch wei­ter­hin so gut da­bei zu blei­ben“, sagt Tho­mas Strobl und er­gänzt: „Wir ha­ben Di­gi­ta­li­sie­rungs­stra­te­gi­en er­ar­bei­tet und wol­len im nächs­ten Dop­pel­haus­halt ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro da­für zur Ver­fü­gung stel­len.“Ei­ne di­gi­ta­le In­fra­struk­tur und IT-Si­cher­heit sei­en da­bei zwei wich­ti­ge Ba­sics, denn heu­te sei­en nicht mehr nur gro­ße Kon­zer­ne, son­dern auch Mit­tel­ständ­ler durch kri­mi­nel­le Ha­cker-An­grif­fe ge­fähr­det.

„Mein äl­tes­ter Freund ist Arzt, auch sei­ne Pra­xis wur­de an­ge­grif­fen. In sol­chen Fäl­len wer­den Be­trä­ge in Hö­he von 3 000 bis 5 000 Eu­ro ver­sucht zu er­pres­sen – und vie­le Mit­tel­ständ­ler zah­len das auch, weil sie nicht wis­sen, was sie sonst ma­chen sol­len“, macht Strobl in sei­ner Re­de im Zen­trum für Kunst und Me­di­en (ZKM) deut­lich. Ei­ne Pra­xis oder Steu­er­kanz­lei hät­te schließ­lich meist kein ei­ge­nes IT-Si­cher­heits­team. Und das LKA küm­me­re sich nur um die Ver­fol­gung des Straf­tä­ters. Wie der Ge­schä­dig­te sei­ne Da­tei­en zu­rück­be­kommt, hat die Straf­ver­fol­gung nicht im Blick.

Des­halb soll ab 1. Ja­nu­ar 2018 die Cy­ber­wehr Ba­den-Würt­tem­berg ih­ren Di­enst auf­neh­men, so Strobl, ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on nach dem Vor­bild der Feu­er­wehr, de­ren Na­me auch be­wusst an die Brand­be­kämp­fer er­in­nert. Da­bei stel­len Fir­men IT-Spe­zia­lis­ten für Not­fal­lein­sät­ze be­reit, die bei Cy­ber­si­cher­heits­vor­fäl­len So­fort­hil­fe leis­ten sol­len. „Die Feu­er­wehr ist ein Er­folgs­mo­dell. Wir wol­len es in die di­gi­ta­le Welt über­tra­gen. Der Ge­schä­dig­te kann sich bei der Cy­ber­wehr mel­den und er­fährt von ihr, was er als Drin­gends­tes ma­chen soll und wel­che An­sprech­part­ner ihn an­schlie­ßend bei der Pro­blem­be­he­bung un­ter­stüt­zen kön­nen“, so Strobl. Das sei­en dann na­tür­lich Spe­zi­al­fir­men, die man auch be­zah­len müs­se. „Die Feu­er­wehr löscht ja auch im Brand­fall ihr Haus, aber wie­der­auf­bau­en müs­sen Sie es mit Hil­fe ei­ner Bau­fir­ma, die Sie be­zah­len“, zieht Strobl den Ver­gleich wei­ter.

Idea­ler­wei­se kön­ne ein Mit­tel­ständ­ler schon vor der Be­triebs­grün­dung die Cy­ber­wehr an­ru­fen, um zu er­fah­ren, was er prä­ven­tiv für die Si­cher­heit sei­ner IT tun kann. „Genau wie beim vor­beu­gen­den Brand­schutz.“Die Zen­tra­le der neu­en In­sti­tu­ti­on Cy­ber­wehr wer­de ih­ren Sitz in Karlsruhe ha­ben, kün­digt der Mi­nis­ter an. „Karlsruhe ist die Di­gi­ta­li­sie­rungs­haupt­stadt un­se­res Lan­des, 44 Pro­zent der Ge­wer­be­steu­er­ein­nah­men kom­men hier aus der IT-Bran­che und es gibt ein ein­ma­lig dich­tes Netz an Hoch­schu­len und For­schung in die­sem Be­reich. Des­halb gibt es kei­nen bes­se­ren Stand­ort, um sich mit Di­gi­ta­li­sie­rung und Cy­ber­si­cher­heit zu be­fas­sen.“Nina Setz­ler

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