Sie­ben In­di­vi­du­en und nur ei­ne Iden­ti­tät

Neu im Kino: „What Hap­pe­n­ed to Mon­day?“mit Noo­mi Ra­pace in ei­ner Mehr­fach­rol­le

Badische Neueste Nachrichten (Baden-Baden) - - KULTUR -

Düs­te­re Zu­kunfts­vi­sio­nen ha­ben Kon­junk­tur. Ur­sprüng­lich soll­te Tom­my Wir­ko­las Dys­to­pie be­reits am 7. Sep­tem­ber in die Ki­nos kom­men und hät­te mit ei­nem an­de­ren be­ängs­ti­gen­den Ge­sell­schafts­ent­wurf di­rekt kon­kur­riert: dem So­ci­al-Me­dia-Dra­ma „The Cir­cle“. Der neue Ter­min ist nicht glück­li­cher ge­wählt. Nur ei­ne Wo­che nach dem Start von „Bla­de Run­ner 2049“kann Wir­ko­las Ac­tion­thril­ler an den Ki­no­kas­sen nur den Kür­ze­ren zie­hen, zu­mal er ganz ähn­li­che The­men be­han­delt.

Auch in „What Hap­pe­n­ed to Mon­day?“sind die Städ­te der na­hen Zu­kunft über­be­völ­kert, se­hen aber nicht an­nä­hernd so atem­be­rau­bend, son­dern stets ein biss­chen zu sehr nach dem Dreh­ort Bu­ka­rest aus. Men­schen­ähn­li­che Ma­schi­nen gibt es kei­ne, da­für ei­ne stren­ge Ein­kind­po­li­tik, die sich je­des wei­te­ren Nach­wuch­ses be­mäch­tig und ihn im wahrs­ten Wort­sinn auf Eis legt. Als Ter­rence Sett­man (Wil­lem Da­foe) gleich sie­ben En­kel auf ein­mal ge­bo­ren wer­den, wo­bei sei­ne Toch­ter im Kind­bett stirbt, spinnt er ei­nen ver­we­ge­nen Plan. Statt sechs der Ge­schwis­ter auf un­be­stimm­te Zeit ein­frie­ren zu las­sen, ver­tuscht er de­ren Exis­tenz. So un­ter­schied­lich die sie­ben Mäd­chen auch sein mö­gen – wenn sie die Woh­nung ver­las­sen, neh­men sie ein und die­sel­be Iden­ti­tät an. Der Ein­fach­heit hal­ber tra­gen sie die eng­li­schen Na­men der Wo­chen­ta­ge, an de­nen sie als Ka­ren Sett­man vor die Tür dür­fen. 30 Jah­re spä­ter ste­hen sie er­folg­reich im Le­ben, bis Mon­day spur­los ver­schwin­det. Soll­te sie tot sein und die Be­hör­den sie vor den ver­blie­be­nen Schwes­tern fin­den, brä­che ihr wack­li­ges Fa­mi­li­en­kon­strukt zu­sam­men.

Die Ausgangslage ist frei­lich ha­ne­bü­chen, birgt aber span­nen­de exis­ten­zia­lis­ti­sche Fra­gen. Nun ist Re­gis­seur Tom­my Wir­ko­la al­ler­dings nicht ge­ra­de für sei­ne phi­lo­so­phi­sche Tie­fe be­kannt. Mit den un­to­ten Na­zis aus „De­ad Snow“(2009) schaff­te es der Nor­we­ger nach Hol­ly­wood, wo er Je­re­my Ren­ner und Gem­ma Ar­ter­ton als „Hän­sel und Gre­tel: He­xen­jä­ger“(2013) er­neut ge­gen dä­mo­ni­sche Fi­gu­ren in den Kampf schick­te. In sei­nem jüngs­tem Streich geht es nun zwar nicht mehr über­na­tür­lich, aber eben­so ober­fläch­lich zu. Die so­zia­len Ver­wer­fun­gen die­nen le­dig­lich als Fo­lie, vor der der Re­gis­seur se­hens­wer­te Ac­tion mit der ei­nen oder an­de­ren ma­ka­bren Po­in­te ab­spult.

Fas­zi­nie­rend ist nicht nur die Trick­tech­nik, mit der Noo­mi Ra­pace in sie­ben­fa­cher Aus­füh­rung mit sich selbst agiert, son­dern auch ihr nu­an­cier­tes Spiel. In der Aus­ein­an­der­set­zung mit Glenn Clo­se als si­nis­te­rer Che­fin der Kin­der-Zu­tei­lungs­be­hör­de lau­fen bei­de Schau­spiel­rin­nen zu Höchst­form auf. Ra­pace ge­lingt es da­bei stets, ih­re mul­ti­plen Cha­rak­te­re glaub­haft von­ein­an­der ab­zu­gren­zen. Un­glaub­wür­dig sind dann lei­der de­ren Re­ak­tio­nen auf den Ver­lust der Ge­schwis­ter, weil der Film sie viel zu sehr als er­zäh­le­ri­sche Ka­ta­ly­sa­to­ren denn als Men­schen be­greift. Hier folgt „What Hap­pe­n­ed to Mon­day?“all­zu leicht­fer­tig und vor­her­seh­bar dem Mus­ter ei­nes Zähl­reims, der die Grup­pe de­zi­miert. Falk St­raub

Wo läuft der Film?

END­LICH EI­NE ANT­WORT auf die zweite Hälf­te der Fra­ge „Wer bin ich, und wenn ja, wie vie­le?“er­hält Noo­mi Ra­pace im Film „What Hap­pe­n­ed to Mon­day?“: Sie­ben. So vie­le Schwes­tern, die sich in ei­ner Ein-Kind-Dik­ta­tur ei­ne Iden­ti­tät tei­len müs­sen, ver­kör­pert die schwe­di­sche Schau­spie­le­rin. Fo­to: tsch

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