Ap­pe­tit auf Scho­ko­la­de wächst

Trei­ber des Auf­schwungs ist aber das Aus­land

Badische Neueste Nachrichten (Baden-Baden) - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Chris­tia­ne Oel­rich

Zü­rich. Die Deut­schen sind im Scho­ko­la­de­ver­put­zen Welt­meis­ter, aber der Kon­sum sta­gniert auf ho­hem Ni­veau. Po­ten­zi­al für Wachs­tum liegt in an­de­ren Län­dern, et­wa in Asi­en. Denn der­zeit es­sen et­wa Chi­ne­sen im Durch­schnitt nur 100 Gramm Scho­ko­la­de im Jahr, ver­g­li­chen mit 11,5 Ki­lo­gramm bei den Deut­schen, wie aus Schät­zun­gen der Her­stel­ler­ver­bän­de her­vor­geht. Wachs­tums­mo­tor für die Scho­ko-In­dus­trie ist das Aus­land.

„Wir ha­ben ei­ne Ex­port­quo­te von 50 Pro­zent“, sagt der Ge­schäfts­füh­rer des deut­schen Bun­des­ver­ban­des der Süß­wa­ren­in­dus­trie, Tor­ben Er­brath: „Da ist noch Mu­sik drin.“Auch für An­le­ger, er­klärt Re­to Hu­en­er­wa­del, An­la­ge-Chef der Schwei­zer Hy­po­thekar­bank Lenz­burg. Scho­ko­la­de gel­te als „Lu­xus­pro­dukt des klei­nen Man­nes“. „Schog­gi“, wie die Schwei­zer sa­gen, ist et­was, das man sich auch mit klei­nem Wohl­stand leis­ten kann, an­ders als De­si­gner­ta­schen et­wa. „Das ist das Span­nen­de, mit Blick auf die auf­stre­ben­den Märk­te: Scho­ko­la­de und Pra­li­nen sind Lu­xus­gü­ter für klei­nes Geld“, sagt Hu­en­er­wa­del. Er hat den Scho­ko­la­den­markt un­ter die Lu­pe ge­nom­men und sieht gro­ßes Po­ten­zi­al. „Wir wis­sen, dass die Nach­fra­ge der Chi­ne­sen nach Schog­gi ste­tig ge­stie­gen ist“, sagt er.

Gleich­zei­tig sei der Ka­kao-Preis am Bo­den. 2014 kos­te­te ei­ne Ton­ne Ka­kao­boh­nen im Schnitt mehr als 3 200 Dol­lar, heu­te sind es un­ter 2 000 Dol­lar (rund 1 700 Eu­ro). Mehr an­zu­bau­en sei kurz­fris­tig nicht ein­fach, so Hu­en­er­wa­del. „Es dau­ert, bis man ern­ten kann. Bei wei­ter stei­gen­der Nach­fra­ge ge­hen wir des­halb da­von aus, dass sich der Preis nach oben be­we­gen wird“, sagt Hu­en­er­wa­del.

Auch die US-Crowd­fun­ding-Platt­form für Bau­ern und In­ves­to­ren „Har­vest Re­turns“preist Ka­kao als lu­kra­ti­ves Zu­kunfts­pro­dukt für An­le­ger. „Es gibt gro­ßen Be­darf, grö­ße­re Ka­kao-Far­men zu schaf­fen, die sich auf Ef­fi­zi­enz, Er­trag, gleich­blei­bend ho­he Qua­li­tät und gu­te An­bau- und Ern­te­stan­dards kon­zen­trie­ren“, wirbt sie. Der welt­größ­te Her­stel­ler von Ka­kao- und Scho­ko­la­den­pro­duk­ten, Bar­ry Cal­le­baut, aus Zü­rich, in­ves­tiert kräf­tig in Asi­en. Das Un­ter­neh­men be­rich­tet, dass es sein Ge­schäft mit Gour­met-Scho­ko­la­de für Pra­li­nen und an­de­re Sü­ßig­kei­ten in Chi­na in vier Jah­ren ver­dop­pelt hat. Der Na­me Cal­le­baut ist von Pra­li­nen und Ta­feln we­ni­ger be­kannt, weil der Her­stel­ler vor al­lem an Fir­men lie­fert, die Scho­ko­la­de wei­ter­ver­ar­bei­ten.

Doch ein Scho­ko-Boom in Asi­en ist bis­lang aus­ge­blie­ben. „Der Scho­koKon­sum pro Chi­ne­se ist klein“, sagt Urs Fur­rer, Prä­si­dent des Schwei­zer Scho­ko­la­den­ver­bands. „Das Po­ten­zi­al ist zwar enorm, aber es braucht ei­nen lan­gen Atem, die Scho­ko-Kul­tur ist dort noch nicht so aus­ge­prägt.“In der chi­ne­si­schen Kü­che wird Sü­ßes we­nig ze­le­briert. Wäh­rend die Deut­schen nach Um­fra­gen et­wa auf Voll­milch, Ha­sel­nuss und Nou­gat ste­hen, heißt es in In­dus­trie­krei­sen, dass man­cher Her­stel­ler

„Ex­port­quo­te liegt bei 50 Pro­zent“

in Chi­na in­zwi­schen mit ka­ra­mel­li­sier­tem Fisch oder Speck als Scho­ko-Zu­tat ex­pe­ri­men­tiert. Die Schwei­zer Ex­por­te nach Chi­na sind von 2006 bis 2014 zwar ex­plo­diert, aber auf nied­ri­gem Ni­veau: von 266 Ton­nen auf rund das Acht­fa­che, über 2 100 Ton­nen. Seit­dem geht es auch schon wie­der berg­ab, auf zu­letzt 1 200 Ton­nen im ver­gan­ge­nen Jahr.

Die Schweiz ex­por­tiert dop­pelt so viel Scho­ko­la­de wie zu Hau­se ver­kauft wird: 120 000 Ton­nen ge­hen in 150 Län­der. Auch für deut­sche Her­stel­ler, die 2016 knapp 1,1 Mil­lio­nen Ton­nen pro­du­zier­ten, bleibt Chi­na ei­ne Ent­täu­schung. „Der Markt ist schwie­rig“, sagt Ver­bands-Ge­schäfts­füh­rer Er­brath. „Er hat sich für uns nicht so gut ent­wi­ckelt, wie wir das noch vor Jah­ren ge­hofft hat­ten.“

Ein Pro­blem sei auch die Lo­gis­tik. Die Lie­fer­ket­te brau­che durch­ge­hen­de Küh­lung: „Scho­ko­la­de ist nur in be­stimm­ten Län­dern gut an den Mann zu brin­gen.“Im heiß­schwü­len Thai­land et­wa hat die Scho­ko­la­de in Edel­su­per­märk­ten oft wei­ßen Be­lag. „Fett­reif“nennt sich das, und es ent­steht, wenn Ka­kao­but­ter schwitzt und das Fett an die Ober­flä­che kommt. Es ist un­schäd­lich, sieht aber un­ap­pe­tit­lich aus. So kon­zen­triert sich der Ex­port in Deutsch­land und der Schweiz haupt­säch­lich auf Eu­ro­pa. Deut­sche Scho­ko­la­de wird vor al­lem nach Groß­bri­tan­ni­en, Frank­reich und Ös­ter­reich ge­lie­fert. Deutsch­land ist mit gut 17 000 Ton­nen größ­ter Ab­neh­mer der Schwei­zer Scho­ko­la­de mit ei­nem An­teil von 15 Pro­zent, vor Groß­bri­tan­ni­en und Frank­reich.

NICHT NUR IN DER VORWEIHNACHTSZEIT er­freut sich Scho­ko­la­de gro­ßer Be­liebt­heit. Sie gilt als „Lu­xus­pro­dukt des klei­nen Man­nes“. Be­son­ders im Aus­land wächst die Nach­fra­ge. Foto: dpa

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