Die Bör­sia­ner sind für 2018 op­ti­mis­tisch

Fi­nanz­ex­per­ten: Welt­wirt­schaft brummt wei­ter und Ge­winn­ent­wick­lung bleibt sta­bil / Was wird aus dem Bit­co­in?

Badische Neueste Nachrichten (Ettlingen) - - WIRTSCHAFT - Von un­se­rer Mit­ar­bei­te­rin Ve­ro­ni­ka Csi­zi

Frank­furt/Main. Die Welt­kon­junk­tur brummt, das Wachs­tum ist na­he­zu über­all so­li­de. Das Jahr 2018 könn­te Ak­ti­en­An­le­ger in das zehn­te Jahr stei­gen­der Kur­se füh­ren, glau­ben die meis­ten Bör­sen­und Finanzmarkt-Ex­per­ten. Vor zwölf Mo­na­ten hat­ten die Ban­ken dem Dax im Schnitt 11 653 Punk­te zu­ge­traut – ein Kurs­ziel, das be­reits im Fe­bru­ar ein­kas­siert wur­de. Auch für das kom­men­de Jahr sind die Geld­in­sti­tu­te eher ver­hal­ten op­ti­mis­tisch: Im Schnitt se­hen sie den Dax von ak­tu­ell 12 917 auf et­wa 14 100 Punk­te stei­gen. Da­mit wür­de der Dax sei­nen Weg nach oben fort­set­zen, al­ler­dings nur noch mit et­wa hal­ber Kraft.

Die Welt­wirt­schaft wer­de im Auf­schwung blei­ben, die Ge­winn­ent­wick­lung der meis­ten Un­ter­neh­men sei sehr sta­bil, heißt es. Die in Eu­ro­pa wei­ter be­schei­de­nen Be­wer­tun­gen könn­ten die Ak­ti­en­märk­te zu­sätz­lich stüt­zen: Dies­seits des At­lan­tiks sind Un­ter­neh­mens­be­tei­li­gun­gen ak­tu­ell et­wa 20 Pro­zent nied­ri­ger be­wer­tet als ih­re US-Ge­schwis­ter (sie­he wei­te­re Mel­dung). Kurz vor dem gro­ßen Crash des Jah­res 2000 et­wa wa­ren Dax-Wer­te et­wa dop­pelt so hoch be­wer­tet. Auch die Po­li­tik der No­ten­ban­ken soll­te die Ak­ti­en­märk­te wei­ter stüt­zen, glau­ben Bör­sen­ex­per­ten. Zwar be­ginnt im Fe­bru­ar auch die Eu­ro­päi­sche Zen­tral­bank, ih­re An­lei­he­käu­fe zu re­du­zie­ren. Den­noch flie­ße wei­ter zu­sätz­li­che Li­qui­di­tät in die Märk­te, so dass noch kein mo­ne­tä­rer Ge­gen­wind zu er­war­ten sei.

Die Fra­ge, wann auch die Eu­ro­päi­sche No­ten­bank be­gin­nen wird, an der Zins­schrau­be zu dre­hen und zum ers­ten Mal wie­der die Leit­zin­sen zu er­hö­hen, könn­te die An­le­ger im zwei­ten Halb­jahr 2018 stark be­schäf­ti­gen. Die Deut­sche Bank rech­net An­fang 2019 mit ei­nem Tur­naround bei den Zin­sen, was die Märk­te meh­re­re Mo­na­te vor­weg­neh­men könn­ten. Im Schnitt er­war­ten die Kre­dit­in­sti­tu­te ei­nen Ren­di­te­an­stieg bei zehn­jäh­ri­gen Bun­des­an­lei­hen von ak­tu­ell gut 0,4 auf dann 0,9 Pro­zent, ei­ni­ge glau­ben so­gar an Ren­di­ten von über ei­nem Pro­zent. Die Kur­se von Alt­an­lei­hen soll­ten da­mit fal­len, wäh­rend neue Ren­ten­pa­pie­re wei­ter nicht ein­mal die In­fla­ti­on aus­glei­chen. Sie lag im Schnitt des Jah­res 2017 bei 1,7 Pro­zent. Dies wür­de An­le­ger wei­ter in die Ak­ti­en­märk­te trei­ben.

Al­ler­dings: In den USA ist der Ren­di­ten­an­stieg in­zwi­schen weit fort­ge­schrit­ten. Soll­ten die Ren­di­ten 2018 dort tat­säch­lich wei­ter auf bis zu drei Pro­zent stei­gen, wie ei­ni­ge Ban­ken vor­her­sa­gen, könn­ten vor­sich­ti­ge und kon­ser­va­ti­ve An­le­ger in den USA zu­neh­mend Gel­der zu­rück in die An­lei­he­märk­te schau­feln.

Al­ler­dings rech­nen die Fi­nanz­au­gu­ren in Eu­ro­pa wie in den USA quer­beet auch mit ei­ner wei­ter sehr an­le­ger­freund­li­chen Di­vi­den­den-Po­li­tik. Im Dax et­wa pla­nen nach ge­gen­wär­ti­gem Stand 24 der 30 Un­ter­neh­men im kom­men­den Jahr hö­he­re Aus­schüt­tun­gen für 2017. Auch in den USA sind Ge­winn­ent­wick­lung und Li­qui­di­tät so sta­bil, dass sat­te Di­vi­den­den wohl wei­ter An­le­ger lo­cken könn­ten.

Den­noch könn­te 2018 als Jahr zu­neh­men­der Vor­sicht in die Ge­schich­te ein­ge­hen. Vor al­lem für die USA, wo die gro­ßen In­di­zes zu­letzt im­mer neue All­zeit­hochs er­reich­ten, wer­den deut­li­che Kor­rek­tu­ren im Jah­res­ver­lauf er­war­tet – Rück­set­zer, die aus Man­gel an ren­di­te­star­ken Al­ter­na­ti­ven aber schnell wie­der zu Käu­fen füh­ren könn­ten. Stüt­zend soll­te sich hier die kürz­lich be­schlos­se­ne Steu­er­re­form aus­wir­ken: Die Sen­kung der Un­ter­neh­mens­steu­ern von 35 auf 21 Pro­zent wird die Ge­winn­scha­tul­len der US-Un­ter­neh­men wei­ter fül­len.

We­nig Vor­sicht wird da­ge­gen für ei­nen an­de­ren Teil­markt er­war­tet, der im­mer stär­ker auch Klein­an­le­ger an­lockt, die sonst eher vor­sich­tig sind: Auch 2018 soll­te der Run in die hoch­spe­ku­la­ti­ven Kryp­towäh­run­gen zu­nächst wei­ter­ge­hen, ver­mu­ten nicht we­ni­ge Fi­nanz­au­gu­ren. Ob die Kur­se wei­ter ex­plo­die­ren oder ob ein gro­ßer Crash für Kat­zen­jam­mer sorgt, ist nir­gends un­kla­rer als hier. Denn brem­sen kann die Hoff­nung auf schnel­le Ge­win­ne und ei­nen da­mit wei­ter mas­si­ven Zustrom von Li­qui­di­tät wohl nur ei­ne kon­zer­tier­te staat­li­che Re­gu­lie­rung – oder die ex­tre­me Ver­teue­rung der Han­dels­kos­ten durch den ra­pi­de stei­gen­den en­er­ge­ti­schen Auf­wand.

Kri­ti­ker der Kryp­towäh­run­gen et­wa ha­ben aus­ge­rech­net, dass Han­del und Schaf­fung („Mi­ning“) der auf der Block­chain-Tech­no­lo­gie ba­sie­ren­den Wäh­run­gen spä­tes­tens 2019 so­viel Ener­gie ver­schlin­gen könn­ten wie die USA. Da­mit wä­ren al­le Kli­ma­zie­le der Welt­ge­mein­schaft hin­fäl­lig.

DY­NA­MISCH ENT­WI­CKELT ha­ben sich die Bör­sen in Deutsch­land. Vor zwölf Mo­na­ten hat­ten die Ban­ken dem Dax im Schnitt 11 653 Punk­te zu­ge­traut – ein Kurs­ziel, das be­reits im Fe­bru­ar ein­kas­siert wur­de. Auch die Zu­kunft auf dem Par­kett se­hen sie ro­sig. Foto: dpa

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