Ak­ti­vis­ten hof­fen auf Ga­b­ri­el

Au­ßen­mi­nis­ter reist nach Chi­na und soll sich für Liu Xiao­bos Wit­we ein­set­zen

Badische Neueste Nachrichten (Hardt) - - POLITIK - Von un­se­rem Mit­ar­bei­ter Jörn Petring

Pe­king. Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) soll sich bei sei­nem an­ste­hen­den Be­such in Chi­na für Liu Xia ein­set­zen, die noch im­mer un­ter Haus­ar­rest ste­hen­den Wit­we des ver­stor­be­nen Bür­ger­recht­lers Liu Xiao­bo. Die­sen Wunsch äu­ßer­ten Freun­de von

Liu Xia und Ak­ti­vis­ten. „Ich hof­fe sehr, dass der Mi­nis­ter ih­ren Fall an­spre­chen wird und ihr da­bei hel­fen kann, das Land zu ver­las­sen“, sag­te Ye Du, ein Ver­trau­ter der Fa­mi­lie. Liu Xia sei nach dem Tod ih­res Man­nes ver­zwei­felt und de­pres­siv, sag­te auch der be­kann­te chi­ne­si­sche Men­schen­rechts­ak­ti­vist Hu Jia, ein wei­te­rer Freund des Ehe­paars.

„Sie ist in kei­nem gu­ten Zu­stand.“

Ga­b­ri­el, der mor­gen für po­li­ti­sche Ge­sprä­che und zur Er­öff­nung der Kunst­aus­stel­lung „Deutsch­land 8“in Pe­king er­war­tet wird, sol­le sich nicht zu­rück­hal­ten und die po­li­ti­sche Füh­rung klar da­zu auf­for­dern, Liu Xia aus­rei­sen zu las­sen. „Sie hat uns ge­sagt, dass sie nach Deutsch­land will.“Nach­dem Liu Xia nach der Be­stat­tung ih­res Man­nes fast zwei Mo­na­te ver­schwun­den war und an ei­nem un­be­kann­ten Ort be­wacht wur­de, ist sie nach An­ga­ben ih­rer Freun­de nun wie­der in Pe­king, wo sie aber nach wie vor un­ter Haus­ar­rest ste­he. „Wir konn­ten mit ihr te­le­fo­nie­ren, sie aber nicht tref­fen“, sag­te Hu Jia. Ihr Mann, Liu Xiao­bo, der am 13. Ju­li ei­nem Krebs­lei­den er­lag, war 2009 we­gen „Un­ter­gra­bung der Staats­ge­walt“zu elf Jah­ren Haft ver­ur­teilt wor­den. Er hat­te an ei­nem Bür­ger-Ma­ni­fest mit­ge­schrie­ben und dar­in ei­nen „de­mo­kra­ti­schen und ver­fas­sungs­ge­mä­ßen Staat“ge­for­dert. Sein Le­ben lang hat­te sich der Bür­ger­recht­ler fried­lich für De­mo­kra­tie, Men­schen­rech­te und To­le­ranz in Chi­na ein­ge­setzt. 2010 er­hielt er da­für den Frie­dens­no­bel­preis, was Chi­nas Re­gie­rung em­pör­te.

Wäh­rend der Au­tor die ver­gan­ge­nen Jah­re im Ge­fäng­nis ver­brach­te, stand sei­ne Frau Liu Xia in Pe­king un­ter Haus­ar­rest – oh­ne je­mals für ein Ver­bre­chen an­ge­klagt oder ver­ur­teilt wor­den zu sein. Die letz­ten Wo­chen ih­re Man­nes ver­brach­te sie an sei­ner Sei­te im Kran­ken­haus. Bei­de stan­den auch dort un­ter Be­wa­chung. Trotz al­ler Pro­tes­te aus­län­di­scher Re­gie­run­gen wei­ger­te sich Pe­king bis zu­letzt, die bei­den aus­rei­sen zu las­sen.

Chi­ne­si­sche Ak­ti­vis­ten hof­fen, dass Ga­b­ri­el sich in Pe­king auch für den pro­mi­nen­ten An­walt Jiang Ti­an­yong ein­set­zen wird, der un­ter dem Vor­wurf der „An­stif­tung zur Un­ter­gra­bung der Staats­ge­walt“vor drei Wo­chen vor Ge­richt ge­stellt wur­de. Er hat ein Ge­ständ­nis im Sin­ne der An­kla­ge ab­ge­legt, das nach An­sicht von Men­schen­rechts­grup­pen er­zwun­gen war. Der Fall dürf­te Ga­b­ri­el be­son­ders be­schäf­ti­gen.

Er war im ver­gan­ge­nen No­vem­ber selbst mit dem An­walt in Pe­king zu­sam­men­ge­kom­men, um sich über die schwie­ri­ge Men­schen­rechts­la­ge in Chi­na zu in­for­mie­ren. Nur drei Wo­chen da­nach wur­de Jiang Ti­an­yong, der auch schon Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) ge­trof­fen hat­te, fest­ge­nom­men.

Fo­to: dpa

UN­TER HAUS­AR­REST: Liu Xi­as ver­stor­be­ner Ehe­mann Liu Xiao­bo war mit dem Frie­dens­no­bel­preis aus­ge­zeich­net wor­den.

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