Kommt der CDU die Ge­schlos­sen­heit ab­han­den?

In der Land­tags­frak­ti­on ge­hen man­che auf lei­se Dis­tanz zum Par­tei­vor­sit­zen­den Tho­mas Strobl

Badische Neueste Nachrichten (Hardt) - - SÜDWESTECHO - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Wolf­gang Voigt

Stutt­gart. Als Chris­ti­ne Strobl jüngst beim Reut­lin­ger CDU-Lan­des­par­tei­tag durch die Rei­hen schritt und Hän­de schüt­tel­te, konn­ten sich man­che ein spöt­ti­sches Rau­nen nicht ver­knei­fen: „Jetzt leis­tet sie Schüt­zen­hil­fe für die Wie­der­wahl ih­res Tho­mas“, ließ sich ein pro­mi­nen­tes Mit­glied der Land­tags­frak­ti­on ver­neh­men.

Schüt­zen­hil­fe konn­te der al­te und neue Lan­des­vor­sit­zen­de der Christ­de­mo­kra­ten sehr wohl ge­brau­chen, wie sich we­nig spä­ter her­aus­stel­len soll­te: Mit rund 82 Pro­zent wähl­te die Ba­sis den Vi­ze-Mi­nis­ter­prä­si­den­ten und Schwie­ger­sohn von Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le er­neut zum Par­tei­vor­sit­zen­den; zwei Jah­re zu­vor war er noch mit knapp 98 Pro­zent aus dem Ren­nen ge­gan­gen.

Dass die tur­nus­mä­ßi­ge Che­fKür drei Wo­chen vor der Bun­des­tags­wahl für die Süd­west­CDU nicht ganz so viel Rü­cken­wind wie er­war­tet brin­gen wür­de, hat­ten In­si­der mit Weit­blick schon früh ge­unkt. Zwar hat Tho­mas Strobl Wort ge­hal­ten und wie ver­spro­chen, da­für ge­sorgt, dass sich die CDU auch als klei­ne­rer Ko­ali­ti­ons­part­ner im Länd­le be­haup­ten wür­de. Doch aus Sicht man­ches Mit­glieds der CDULand­tags­frak­ti­on war der Preis da­für be­trächt­lich. Die Kri­ti­ker ma­chen dem lang­jäh­ri­gen Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten oh­ne ei­ge­nes Land­tags­man­dat den Vor­wurf, Strobl bin­de die 42 Ab­ge­ord­ne­ten nicht an­ge­mes­sen ein.

Tat­säch­lich gilt das Ver­hält­nis des Par­tei­vor­sit­zen­den zum par­la­men­ta­ri­schen Arm der Christ­de­mo­kra­ten von Be­ginn an als ver­bes­se­rungs­fä­hig. Als sich die Par­tei­ba­sis im Ren­nen um die Spit­zen­kan­di­da­tur ge­gen Kret­sch­mann für den Bun­des­po­li­ti­ker Strobl oder den Lan­des­po­li­ti­ker Gui­do Wolf ent­schei­den muss­te, ent­sprach Wolfs Er­folg auch der Stim­mung in­ner­halb der Frak­ti­on. „Bei Strobl hat­te man die Be­fürch­tung, dass er die hal­be Ber­li­ner CDU mit nach Stutt­gart brin­gen wür­de“, er­in­nert sich ein würt­tem­ber­gi­scher Ab­ge­ord­ne­ter. Von Gui­do Wolf ver­sprach man sich hin­ge­gen Dank­bar­keit – auch in Gestalt lu­kra­ti­ver Job, wenn er denn Re­gie­rungs­chef sein wür­de. Be­kann­ter­ma­ßen kam es an­ders, und Tho­mas Strobl avan­cier­te zum star­ken Mann der Süd­west-CDU. Schon seit 2011 ist Strobl Lan­des­vor­sit­zen­der. Da­mals wur­de der Pos­ten an der Spit­ze frei, da Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­fan Map­pus die Land­tags­wahl ver­lo­ren hat­te und da­nach auch den Par­tei­vor­sitz an den Na­gel häng­te. Tho­mas Strobl be­warb sich, doch der lang­jäh­ri­ge Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Win­fried Mack aus Ell­wan­gen eben­so. Letz­te­rer un­ter­lag und be­klei­de­te seit­her ei­nen der Stell­ver­tre­ter­pos­ten.

Seit dem jüngs­ten Par­tei­tag in Reut­lin­gen je­doch ist das Ge­schich­te: Die Ba­sis er­setz­te den Schwa­ben durch den Bad­ner Da­ni­el Cas­pa­ry. Ein Er­geb­nis, hin­ter dem nicht we­ni­ge in der Land­tags­frak­ti­on Par­tei­chef Strobl als Strip­pen­zie­her ver­mu­ten. Der – die­se Mut­ma­ßung ist hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand im­mer wie­der zu hö­ren – ha­be sich des kan­ti­gen Mack schon lan­ge ent­le­di­gen wol­len. Schließ­lich hielt der Mann aus dem Ost­alb­kreis zu Gui­do Wolf, als die Kür ei­nes Spit­zen­kan­di­da­ten an­stand.

Das an­ge­spann­te Ver­hält­nis Stro­bls zur Land­tags­frak­ti­on kann dem In­nen­mi­nis­ter beim (Mit-)Re­gie­ren noch ge­fähr­lich wer­den. Wenn GrünSchwarz bei ei­nem Ge­set­zes­vor­ha­ben die Mehr­heit mög­lichst der ge­sam­ten Ko­ali­ti­on be­nö­tigt, könn­ten man­che in der Frak­ti­on die Ge­folg­schaft ver­wei­gern. Da­von will Strobl aber nichts wis­sen. Als ihn Jour­na­lis­ten auf sein durch­wach­se­nes Wah­l­er­geb­nis an­spra­chen, lä­chel­te er al­le Be­fürch­tun­gen tap­fer weg: Das Vo­tum, sag­te er, sei ei­ne so­li­de Ba­sis. Frak­ti­ons­chef Wolf­gang Rein­hart, der ent­ge­gen den üb­li­chen Ge­pflo­gen­hei­ten beim Par­tei­tag kei­nen Re­chen­schafts­be­richt vor­trug, räum­te ges­tern ein, die Frak­ti­on ha­be den Ver­lauf des Par­tei­tags aus­gie­big dis­ku­tiert. Man geht wohl nicht fehl in der An­nah­me, dass die Frak­tio­nä­re da­bei tüch­tig den Kropf ge­leert ha­ben.

Fo­to: dpa

NICHT SPANNUNGSFREI ist das Ver­hält­nis von CDU-Lan­des­chef Tho­mas Strobl (links) und dem Vor­sit­zen­den der Land­tags­frak­ti­on, Wolf­gang Rein­hart.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.