Auch Re­tro kann neu sein

JP Co­oper und Ka­leo ste­hen für hand­ge­mach­te Mu­sik

Badische Neueste Nachrichten (Hardt) - - NEW POP FESTIVAL -

Da Al­ma er­krankt ist (sie­he Mel­dung rechts), ge­winnt JP Co­oper de­fi­ni­tiv den Preis für die bes­te Fri­sur des dies­jäh­ri­gen New Pop Fes­ti­vals. Der läs­si­ge Typ aus Man­ches­ter hat sei­ne cha­rak­te­ris­ti­sche Dre­ad­lock-Mat­te un­ter ei­ner gro­ßen Müt­ze ge­parkt und wirkt pas­send zur Haar­pracht völ­lig tie­fen­ent­spannt. Beim Star Talk mit Pier­re M. Krau­se am Nach­mit­tag bringt den Sän­ger ab­so­lut nichts aus der Ru­he – egal ob er mit dem Mo­de­ra­tor der SWRSen­dung ei­ne Par­tie Mon­tags­ma­ler spie­len soll oder das Pu­bli­kum He­le­ne Fi­schers „Atem­los“an­stimmt, in dem ir­gend­ein schlau­er Kopf Par­al­le­len zu Co­o­pers Song­wri­ting ge­fun­den ha­ben will. Die bei­den Un­plug­ged-Num­mern „She’s On My Mind“und „Sep­tem­ber Song“, die am Abend na­tür­lich auch noch in vol­ler Be­set­zung er­klin­gen, sind je­den­falls so weit weg von der Schla­ger­ga­la­xie wie JP Co­oper von be­lang­lo- sem, for­mel­haf­tem Ra­dio­pop. Als klas­si­scher Sin­ger-Song­wri­ter be­zieht er sei­ne Ein­flüs­se aus so un­ter­schied­li­chen Sti­len wie Neo­folk, Blues, Brit­pop der 90er Jah­re („Das war die Zeit, in der ich an­ge­fan­gen ha­be Mu­sik zu ma­chen.“) und Soul der al­ten Schu­le.

„Ent­schul­di­gung, wenn ihr her­ge­kom­men seid, um ei­nen Dan­ce-Ar­tist zu se­hen“, scherzt er im Thea­ter, wo er mit ei­ner aus­ge­zeich­ne­ten Band auf der Büh­ne steht. „Aber ich kann ja zwi­schen­durch auch mal was für die Youngs­ters hier spie­len.“Doch erst ein­mal gibt es vie­le wun­der­bar re­tro klin­gen­de Ei­gen­kom­po­si­tio­nen wie das be­seel­te „Clo­ser“auf der Set­list, das er sei­nem fünf­jäh­ri­gen Sohn wid­met, so­wie ei­ne Co­ver­ver­si­on von „Jea­lous Guy“, das durch John Len­non und Ro­xy Music be­kannt wur­de. Der Song für die Ju­gend ist aber tat­säch­lich im Pro­gramm – der tanz­ba­ren Zu­sam­men­ar­beit mit Jo­nas Blue bei „Per­fect Stran­gers“sei Dank. Der Chart­hit mit den fluf­fi­gen Elec­troBeats mag auf den ers­ten Blick gar nicht so recht zum hand­ge­mach­ten Sound von JP Co­oper pas­sen, kommt aber in der ge­er­de­ten Li­vefas­sung echt gut. Gut zu wis­sen, dass der Bri­te mit der gro­ßen Stim­me im No­vem­ber wie­der in Deutsch­land ist, um ei­ni­ge Gigs zu spie­len. Von ihm möch­te man gern noch viel mehr hö­ren! Den wohl er­digs­ten Sound die­ses Jahr­gangs, mit staub­tro­cke­nen Nash­villeGi­tar­ren und waid­wun­dem Blues­ge­sang, steu­er­ten ges­tern die Is­län­der von Ka­leo bei. Zwar wa­ren sie beim Star­Talk zu nichts auf­ge­legt als zum Mu­sik­ma­chen, das aber ta­ten sie schon bei Ta­ges­licht vor dem Kur­haus so in­ten­siv, als woll­ten sie schon ih­ren zu spä­ter St­un­de an­ge­setz­ten Auf­tritt im Bena­zét-Saal ein­läu­ten. Eli­sa Rez­nicek

GOSPEL-COUN­TRY AUS IS­LAND: Ka­leo stam­men von der glei­chen In­sel wie Björk, klin­gen aber eher nach Nash­ville – wo sie mitt­ler­wei­le auch le­ben. Fo­to: Ho­ra

COO­LE FRI­SUR: JP Co­oper und sei­ne Dreads. Fo­to: rez

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