Goog­le im Vi­sier

US-Staats­an­walt lei­tet Wett­be­werb­ser­mitt­lun­gen ein

Badische Neueste Nachrichten (Hardt) - - WIRTSCHAFT -

Kan­sas (dpa). Nach mas­si­vem Är­ger mit Kar­tell­wäch­tern in Eu­ro­pa muss sich Goog­le erst­mals seit Jah­ren wie­der auch Wett­be­werb­ser­mitt­lun­gen in den USA stel­len. Der Staats­an­walt des Bun­des­staa­tes Mis­sou­ri, Josh Haw­ley, will un­ter an­de­rem der Fra­ge nach­ge­hen, ob der In­ter­net-Kon­zern in Such­er­geb­nis­sen ei­ge­ne Di­ens­te zum Nach­teil der Kon­kur­renz be­vor­zugt ha­be. Au­ßer­dem ge­he es um das Sam­meln von Nut­zer­da­ten und die Nut­zung von In­for­ma­tio­nen an­de­rer Web­sites, wie Haw­ley be­kannt­gab. Die EU-Kom­mis­si­on hat­te im Som­mer ei­ne Re­kord-Wett­be­werbs­stra­fe von 2,4 Mil­li­ar­den Eu­ro ge­gen Goog­le ver­hängt. Sie wirft Goog­le vor, in der Shop­ping-Su­che zum Nach­teil der Ver­brau­cher ei­ge­ne An­ge­bo­te be­vor­teilt zu ha­ben. Der In­ter­net-Kon­zern weist die Vor­wür­fe zu­rück.

Die Kom­mis­si­on sieht auch Wett­be­werbs­pro­ble­me bei Googles Smart­pho­ne-Sys­tem An­dro­id. Haw­ley ver­wies aus­drück­lich auf die EU-Er­mitt­lun­gen. In den USA war ei­ne Wett­be­werbs­un­ter­su­chung der Han­dels­be­hör­de FTC im Jahr 2013 nach ei­ni­gen Zu­ge­ständ­nis­sen des Kon­zerns glimpf­lich für Goog­le aus­ge­gan­gen. Wie aus spä­ter durch­ge­si­cker­ten in­ter­nen Do­ku­men­ten her­vor­ging, soll die Kom­mis­si­on da­mals al­ler­dings auch ei­ne Kla­ge er­wo­gen ha­ben. Der 37-jäh­ri­ge Re­pu­bli­ka­ner Haw­ley, der im kom­men­den

Jahr für ei­nen Sitz im US-Se­nat kan­di­die­ren will, hol­te mit sei­nen Da­ten­schutz-Sor­gen weit aus. „Stel­len Sie sich ei­ne Welt vor, in der je­mand, den Sie nie ge­trof­fen ha­ben, mehr über Sie weiß als Sie selbst“, schrieb er in ei­nem Gast­bei­trag in der Zei­tung „Kan­sas Ci­ty Star“. Das sei Goog­le heu­te.

Ein wei­te­rer Schwer­punkt von Haw­leys Er­mitt­lun­gen ist der Vor­wurf, Goog­le ver­wen­de In­for­ma­tio­nen von an­de­ren Web­sites in sei­nen ei­ge­nen Di­ens­ten. Vor al­lem das Be­wer­tungs­por­tal Yelp be­schwert sich seit Jah­ren dar­über, auch in Brüs­sel. Der Staats­an­walt er­klär­te auch, es ge­be er­heb­li­che Hin­wei­se dar­auf, dass Goog­le mög­li­cher­wei­se die Such­er­geb­nis­se ma­ni­pu­lie­re, da­mit Part­ner-Web­sites hö­her ste­hen. Der In­ter­net-Kon­zern er­klär­te stets, der Such­ma­schi­nen-Al­go­rith­mus sei nur dar­auf aus­ge­rich­tet, Nut­zern die bes­ten Er­geb­nis­se zu lie­fern.

Staats­an­wäl­te von US-Bun­des­staa­ten hat­ten schon mehr­fach ei­ne wich­ti­ge Rol­le in Wett­be­werb­ser­mitt­lun­gen ge­spielt, un­ter an­de­rem in Kar­tell­ver­fah­ren ge­gen Mi­cro­soft so­wie ge­gen App­le.

WEISS GOOG­LE ZU VIEL? Ein Staats­an­walt aus Mis­sou­ri geht nun ge­gen den In­ter­net-Gi­gan­ten vor. Fo­to: dpa

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.