Welt­meis­ter der Schmer­zen

Na­dal be­en­det we­gen Knie­pro­ble­men die Sai­son / Lan­ge Lis­te der Lei­den

Badische Neueste Nachrichten (Hardt) - - SPORT -

Lon­don (sid/dpa). Nach dem un­wür­di­gen En­de ei­ner mär­chen­haf­ten Sai­son blieb Ra­fa­el Na­dal nur Gal­gen­hu­mor. „Fro­he Weih­nach­ten – an al­le“, sag­te der Bran­chen­füh­rer und lä­chel­te ge­quält. Dann zog er sich das wei­ße Ba­se­cap noch ein we­nig tie­fer ins trau­ri­ge Ge­sicht und ver­ließ zum letz­ten Mal in die­sem Jahr die Pres­se­kon­fe­renz-Büh­ne ei­nes gro­ßen Tur­niers – mit un­run­dem Gang we­gen sei­nes wie­der ein­mal schmer­zen­den Knies. Nach dem 6:7 (5:7), 7:6 (7:4), 4:6 in sei­nem ers­ten Grup­pen­match ge­gen den Bel­gi­er Da­vid Goff­in zog Na­dal die Not­brem­se.

„Das Ten­nis­jahr ist für mich zu En­de. Es ist kei­ne Ent­schei­dung im ei­gent­li­chen Sin­ne. Die Schmer­zen las­sen mir kei­ne an­de­re Wahl“, mein­te der Fren­chOpen-Re­kord­cham­pi­on und schob sicht­lich ge­frus­tet hin­ter­her: „Ich glau­be wirk­lich nicht, dass ich es nach die­ser groß­ar­ti­gen Sai­son ver­dient ha­be, noch zwei wei­te­re Mat­ches mit die­sen schreck­li­chen Ge­füh­len zu spie­len.“Der Bran­chen­pri­mus ge­stand spä­ter, dass er so­gar im Fall ei­nes Auf­takt­sie­ges zu­rück­ge­zo­gen hät­te.

Sein ers­ter Auf­tritt in der rie­si­gen Are­na wur­de des­halb gleich zur Ab­schieds­vor­stel­lung. Und bei die­ser be­wies der Stier aus Ma­na­cor, welch ein gro­ßer Kämp­fer und un­ta­de­li­ger Sports­mann er ist. Im­mer wie­der stemm­te sich Na­dal ge­gen die dro­hen­de Nie­der­la­ge, wehr­te im zwei­ten Satz vier Match­bäl­le ab – und brach­te die Hal­le mit ih­ren of­fi­zi­ell 17 400 Zu­schau­ern zum Bro­deln. Die schmerz­ver­zerr­te Mie­ne des Mal­lor­qui­ners sag­te aber mehr als tau­send Wor­te.

Im­mer wie­der die Knie. Aber auch manch­mal das Hand­ge­lenk wie 2014 und 2016 – oder der Bauch­mus­kel. Die Lis­te der Lei­den ist lang. „Es ist wahr, dass ich wahr­schein­lich der Top-Spie­ler bin, der mehr Ver­let­zun­gen und schwie­ri­ge Pha­sen in sei­ner Kar­rie­re hat­te als die an­de­ren“, sag­te Na­dal. Wei­ner­lich klang es nicht, es war eher ei­ne rea­lis­ti­sche Ein­schät­zung nach ei­ner Sai­son, in der dem 31-Jäh­ri­gen zu­sam­men mit Ro­ger Fe­de­rer (36) ei­ne Ten­nis-Re­nais­sance ge­glückt war. Erst­mals seit sie­ben Jah­ren tei­len sich Na­dal und sein Schwei­zer Dau­er­ri­va­le sämt­li­che vier Grand-Slam-Ti­tel un­ter­ein­an­der auf.

Trä­nen flos­sen am Mon­tag­abend nicht bei Na­dal, der si­cher als Num­mer eins ins neue Jahr ge­hen wird. „Ich ha­be mich an die­se Si­tua­tio­nen ja fast schon ge­wöhnt. Das Gu­te dar­an ist: Ich weiß, was zu tun ist, wie lan­ge ich pau­sie­ren muss – und wie be­han­delt wird“, sag­te der La­za­rus aus Spa­ni­en.

Nach­rü­cker in Lon­don ist Na­dals Lands­mann Pa­blo Car­reno Bus­ta (26).

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