Ver­nei­gung vor Meis­ter­werk des klas­si­schen Jazz

Tho­mas Siff­ling bot in sei­ner Rei­he „Jazz­nights“im Ba­di­schen Staats­thea­ter ei­nen Abend zu Mi­les Da­vis

Badische Neueste Nachrichten (Karlsruhe) - - Kultur In Karlsruhe -

Tho­mas Siff­ling, Trom­pe­ter und bes­tens ver­netz­ter Kon­zer­t­or­ga­ni­sa­tor ließ bei sei­ner Rei­he „Jazz­nights“im Ba­di­schen Staats­thea­ter sein Netz­werk die­ses Mal sich selbst zu­gu­te kom­men. Da ist nichts da­ge­gen ein­zu­wen­den, hör­te das Pu­bli­kum im aus­ver­kauf­ten Klei­nen Haus doch ei­ne her­vor­ra­gen­de Jazz­band, die die Mu­sik von Mi­les Da­vis spiel­te. Zum 90. Ge­burts­tag des stil­prä­gen­den Trom­pe­ters, der die­ses Jahr an­ge­stan­den hät­te, spiel­te die Band Mu­sik vor­wie­gend aus dem le­gen­dä­ren Al­bum „Kind of Blue“. Das Werk aus dem Jahr 1959 ist mit sechs Mil­lio­nen Ton­trä­gern die meist­ver­kauf­te Schall­plat­te des Jazz und be­inhal­tet Da­vis’ Hin­wen­dung zum mo­da­len Jazz. Mit John Col­tra­ne, Can­non­ball Ad­der­ley, Bill Evans, Paul Cham­bers und Jim­my Cobb hat­te Da­vis da­für, wie im­mer, ei­ne her­vor­ra­gen­de Trup­pe zu­sam­men.

Auch Siff­ling hat­te mit sei­nem Sex­tett aus der Re­gi­on groß­ar­ti­ge Mu­si­ker vor­zu­wei­sen: Pe­ter Le­hel (Te­nor­sa­xo­fon), Olaf Schön­born (Alt­sa­xo­fon), Mi­ni Schulz (Bass), Vol­ker En­gel­berth (Pia­no) und Patrick Man­z­ec­chi (Schlag­zeug). Mit den Stü­cken aus „Kind Of Blue“hat­te die Band beim Pu­bli­kum na­tür­lich leich­tes Spiel, da sie al­le­samt zu den Klas­si­kern der Jazz­ge­schich­te ge­hö­ren und vie­le sie zu Hau­se im Plat­ten­schrank ste­hen ha­ben.

Als In­be­griff des klas­si­schen Jazz gel­ten Stü­cke wie „So What“, mit dem das Kon­zert be­gann – so un­auf­ge­regt und ge­las­sen wie das Ori­gi­nal, in der Cool­ness nur noch über­trof­fen vom an­schlie­ßen­den „Fred­die Free­loa­der“. Da­zu pass­te die ei­ne oder an­de­re Thea­ter­Schnee­flo­cke, die von der Be­leuch­ter­brü­cke ge­mäch­lich zu Bo­den rie­sel­te. „Round Mid­ni­ght“ist nicht auf der Plat­te, aber auch Da­vis’ Ver­si­on von dem Stück des Pia­nis­ten The­lo­nious Monk hat Ge­schich­te ge­macht. „Foot­prints“ist ein wun­der­schö­ner Blues sei­nes spä­te­ren Sa­xo­fo­nis­ten Way­ne Shor­ter.

So­lis­tisch sta­chen al­le sechs Mu­si­ker mit ei­nem ei­ge­nen Aus­druck her­vor. Auf­fal­lend ist, wie nah Man­z­ec­chi dem Ori­gi­nal Jim­my Cobb am Schlag­zeug kommt. Und manch­mal ist das Ori­gi­nal am schöns­ten, wie Schön­born in „All Blues“be­wies, als er Ad­der­leys So­lo dar­aus di­rekt nach­spiel­te. Die Zu­ga­be „Oleo“von Son­ny Rol­lins ist die Ver­kör­pe­rung des Be­bop und zeigt, wie wun­der­bar hek­tisch der Jazz kurz vor „Kind Of Blue“noch war. Pe­ter Bas­ti­an

MU­SIK VON MI­LES DA­VIS in­ter­pre­tier­te ei­ne Band mit Vol­ker En­gel­berth, Pe­ter Le­hel, Tho­mas Siff­ling und Olaf Schön­born (von links) im Staats­thea­ter. Fo­to: Bas­ti­an

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