Woh­nen im neu­en „Wild­park­sta­di­on“

Stu­den­ti­scher Ent­wurf be­kommt viel Lob

Badische Neueste Nachrichten (Karlsruhe) - - Karlsruhe - Von un­se­rem Re­dak­ti­ons­mit­glied Theo Wes­ter­mann

Un­ge­ach­tet al­ler po­li­ti­schen De­bat­ten an­ge­sichts des Ab­stiegs des KSC in die Drit­te Li­ga über den ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Sta­di­on­neu­bau läuft ak­tu­ell die so­ge­nann­te Bie­ter­pha­se. Sprich die von der Stadt aus­ge­wähl­ten in­ter­es­sier­ten Bau­kon­zer­ne ar­bei­ten zur Zeit an ei­ner ers­ten Um­set­zung der sehr prä­zi­se be­schrie­be­nen und ver­trag­lich fest­ge­leg­ten Vor­stel­lun­gen von Stadt und KSC. Da­bei spielt auch das The­ma „ar­chi­tek­to­ni­sche Gestal­tung“ei­ne Rol­le, die letzt­lich von ei­nem so­ge­nann­ten Ober­gut­ach­t­er­gre­mi­um be­wer­tet wer­den soll. Ein Nach­wuchs­ta­lent an der Fa­kul­tät für Ar­chi­tek­tur am KIT hat sich nun im Rah­men sei­ner Mas­ter­ar­beit, sprich des Stu­di­en­ab­schlus­ses im Fach Ar­chi­tek­tur, Ge­dan­ken über ei­nen mög­li­chen Sta­di­on­neu­bau ge­macht. Dies ist Va­le­rio Ca­la­vet­ta auch so gut ge­lun­gen, dass er die Prü­fung nicht nur be­stan­den, son­dern so­gar als Jahr­gangs­bes­ter be­stan­den hat. Die Ab­schluss­ar­beit hat er bei Pro­fes­sor Lud­wig Wapp­ner am In­sti­tut Ent­wer­fen und Bau­tech­nik ge­fer­tigt. Kern­punkt des Ent­wurfs des 28-Jäh­ri­gen aus Hei­del­berg ist die Ver­bin­dung ei­nes Sta­di­on­neu­baus mit stu­den­ti­schem Woh­nen, ein so­ge­nann­ter „Zu­satz­nut­zen“. Da­mit woll­te er dem Um­stand be­geg­nen, dass ein Fuß­ball­sta­di­on im Prin­zip die meis­te Zeit des Jah­res un­ge­nutzt da­steht.

Ca­la­vet­ta ist selbst ei­gent­lich kein all­zu­gro­ßer Fuß­ball­fan, hat zum ei­nen aber die in­ten­si­ve De­bat­te in der Karls­ru­her Kom­mu­nal­po­li­tik in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren über den Sta­di­on­neu­bau mit­ver­folgt, gleich­zei­tig be­ob­ach­te­te er na­tür­lich auch die stu­den­ti­sche Woh­nungs­not.

„Der Ent­wurf ei­nes Sta­di­ons ist ei­ne tol­le Auf­ga­be per se – aber ent­wi­ckeln Sie mehr!“lau­te­te dann auch die Auf­for­de­rung sei­nes Pro­fes­sors an ihn. Schließ­lich sei die La­ge im Wild­park

„Stand­ort zu schön für 08/15-Be­bau­ung“

ein­ma­lig, zu­dem na­he­zu in­ner­städ­tisch, so Wapp­ner. Ca­la­vet­t­as Idee war es nun, über ei­ne Sta­di­on­schüs­sel aus Be­ton­fer­tig­tei­len ei­ne Stahl­kon­struk­ti­on zu stel­len. Die­se lich­te Stahl­kon­struk­ti­on bie­tet den Wit­te­rungs­schutz für das Sta­di­on, si­chert die Akus­tik und die At­mo­sphä­re, bie­tet aber auch Platz für 327 Wohn­ein­hei­ten in Ein- und Zwei­zim­mer­woh­nun­gen. Die Stahl­kon­struk­ti­on ori­en­tiert sich in ih­rer Struk­tur am um­ge­ben­den Hardtwald.

„Die Funk­ti­on durf­te da­durch na­tür­lich nicht be­ein­träch­tigt wer­den,“so Ca­la­vet­ta im Ge­spräch mit den BNN. Beim Sta­di­on selbst hat sich der frisch­ge­ba­cke­ne Ar­chi­tekt an den Vor­stel­lun­gen von Stadt und KSC ori­en­tiert, was die Zahl der Sitz­plät­ze, die Zahl der Ne­ben­räu­me und wei­te­re in der so­ge­nann­ten „Funk­tio­na­len Leis­tungs­be­schrei­bung“be­inhal­te­ten De­tails an­geht. „Was braucht ein Sta­di­on, dass es funk­tio­niert?“for­mu­liert Ca­la­vet­ta die Vor­ga­ben.

Pro­fes­sor Wapp­ner ist voll des Lo­bes über den Ent­wurf sei­nes eins­ti­gen Stu­den­ten. „Der Mehr­wert steckt eben in der Dach­struk­tur.“Der Plan­ent­wurf zeigt ein 255 auf 225 Me­ter gro­ßes Sta­di­on, es bie­tet knapp 100 000 Qua­drat­me­ter Brut­to­ge­schoss­flä­che und ist am höchs­ten Punkt 38 Me­ter hoch. Ir­gend­wel­che Kos­ten­vor­ga­ben gab es al­ler­dings nicht, die Frei­heit des Pla­nens soll­te nicht be­ein­träch­tigt wer­den.

Wel­che Hoff­nung hat nun et­wa der Pro­fes­sor und Stadt­pla­ner Lud­wig Wapp­ner, der auch Part­ner des re­nom­mier­ten Münch­ner Ar­chi­tek­tur­bü­ros All­mann, Satt­ler und Wapp­ner ist, wenn es an das kon­kre­te Aus­se­hen des ei­nes Ta­ges ent­ste­hen­den neu­en Wild­park­sta­di­ons geht? Er stel­le sich schon die Fra­ge, ob das neue Sta­di­on ei­nen ar­chi­tek­to­ni­schen An­spruch ha­be oder ob es nur ei­ne Art schlüs­sel­fer­ti­ger Bau sei. Doch er ha­be Hoff­nung, wenn sich die bei­den Part­ner „zu­sam­men­fin­den“, so Wapp­ner. Als Part­ner ge­meint sind die den Auf­trag ver­ge­ben­de Stadt (samt KSC) und der dann be­auf­trag­te Bau­kon­zern samt des­sen Ar­chi­tek­ten. „Schön­heit und Äs­t­he­tik muss schon ein The­ma sein. Der Stand­ort ist ein­fach zu schön für ei­ne 08/15-Be­bau­ung,“be­kennt Lud­wig Wapp­ner.

DIE DACH­KON­STRUK­TI­ON ist das ent­schei­den­de Merk­mal in der Mas­ter­ar­beit von Va­le­rio Ca­la­vet­ta an der Fa­kul­tät für Ar­chi­tek­tur am KIT. Dort hat er Be­rei­che für stu­den­ti­sches Woh­nen vor­ge­se­hen. Ima­gi­na­ti­on: Ca­la­vet­ta

DAS MO­DELL be­trach­ten hier Lud­wig Wapp­ner und der jun­ge Ar­chi­tekt Va­le­rio Ca­la­vet­ta (links). Fo­to: Sand­bil­ler

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